Swissair-Prozess: Schmidheiny will sich der Justiz stellen
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Swissair-Prozess: Schmidheiny will sich der Justiz stellen

Der wegen ungetreuer Geschäftsführung angeklagte Ex-Swissair-Verwaltungsrat Thomas Schmidheiny will sich vorbehaltlos der Justiz stellen.

«Hätte ich mein Vermögen nachhaltig sichern wollen, hätte ich mich in ein Land abgesetzt, wo niemand Zugriff hat», sagte der Zementindustrielle in einem Interview der «NZZ am Sonntag».

Für ihn sei wesentlich, dass rechtlich geklärt werde, was es bedeutet, die Oberleitung einer Firma zu haben. «Sonst übernimmt niemand mehr, der persönlich vermögend ist, Verantwortung in Publikumsgesellschaften», sagte Schmidheiny, dessen Privatvermögen von «Forbes» auf 5,7 Milliarden Franken geschätzt wird. Neben einer strafrechtlichen Verurteilung drohen Schmidheiny und weiteren Ex-Swissair-Verwaltungsräten und -Managern zivilrechtliche Schadenersatzforderungen im Gesamtumfang von 550 Millionen Franken.

Im Interview wies Schmidheiny die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurück und verteidigte die Hunter-Strategie als teilweise erfolgreich. Die Swissair sei Ende 2000 nicht überschuldet gewesen, wie von der Anklage behauptet. Die Finanzlage sei aber anspannt gewesen, und deshalb habe man die Sanierung beschlossen. Dabei seien weder Gläubiger geschädigt, noch Aktionärsinteressen verletzt worden.

Bei den Ende der 1990-er erfolgten Beteiligungen an europäischen Airlines habe er den Angaben des Managements vertraut. «Auch hatte die Swissair immer einen Vollzeit-Präsidenten», sagte Schmidheiny. Bis Frühling 2000 wurde das Verwaltungsratspräsidium der Swissair von Hannes Goetz besetzt, der bislang nicht unter Angeklagten ist.

Letztlich sei die Swissair wegen der Terroranschläge im September 2001 untergegangen, sagte Schmidheiny: «Ich bin mir ganz sicher: Ohne die Terroranschläge 2001 wäre die restrukturierte Swissair abgespeckt wieder hochgekommen.» Er bestreite aber nicht, «dass wir aus heutiger Sicht gewisse Beurteilungen und Entscheide anders treffen würden», sagte er. (dapd)

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