Aktualisiert 11.10.2005 10:20

Swisscom-Abschlag genügt Konkurrenten nicht

Die Swisscom reduziert die Tarife für die Mitbenutzung ihres Netzes durch Konkurrenzanbieter. Doch die sind damit nicht zufrieden.

Die so genannten Interkonnektionspreise der Ex-Monopolistin sinken für das Jahr 2006 um durchschnittlich rund 5 Prozent.

Der grösste Schweizer Telekommunikationskonzern widersetzt sich damit weiterhin der Verfügung der Eidg. Kommunikationskommission (ComCom). Diese hatte einer Klage von Sunrise und MCI Worldcom stattgegeben. Die Interkonnektionspreise seien in den Jahren 2000 bis 2003 um rund 30 Prozent überhöht gewesen.

Die Swisscom zog weiter vor Bundesgericht und erreichte im August eine aufschiebende Wirkung gegen die rückwirkend verfügte Senkung. Bevor das Bundesgericht entschieden habe, sehe die Swisscom keine Veranlassung, ihre Preisberechnung für die Zusammenschaltung der Netze zu ändern, teilte der Konzern am Dienstag mit. Wann das Bundesgericht entscheidet, ist offen.

Streit um Kostenberechnung

Die angewandte Preisberechnung nach der Kostenmethode LRIC basiere auf internationaler Praxis und sei wissenschaftlich abgestützt. Die Preise beinhalten laut Swisscom nur die durch die Interkonnektion verursachten Zusatzkosten, aber keine Gewinne. Die Tarifsenkung sei wegen den Optimierungen der Prozesse und der Netze möglich.

Laut der grössten Swisscom-Konkurrentin Sunrise entspricht die gewährte Reduktion knapp den Effizienzgewinnen. Die von der ComCom bereits mehrfach festgestellte Überhöhung der Tarife bleibe also bestehen. Zudem beinhalte die Kostenmethode LRIC branchenübliche Kapitalerträge und damit sehr wohl Gewinne für die Swisscom, erklärte Sunrise-Sprecher Mathieu Janin.

Sunrise ist wie alle anderen Swisscom-Konkurrenten ausser Cablecom auf den Zugang zum ehemaligen Monopolnetz angewiesen, weil sie nur wenige direkt angeschlossene Festnetzkunden hat. Das Aufbrechen des verbliebenen Swisscom-Monopols auf den Hausanschlüssen (»letzte Meile») wird derzeit vom Nationalrat blockiert.

Europäisches Mittelfeld

Mit der gewährten Senkung liegen die Interkonnektionspreise nach Darstellung der Swisscom weiterhin im europäischen Mittel. Der Preis für regionales 4-Minuten-Gespräch sinkt durchschnittlich von 1,12 auf 1,07 Rappen pro Minute. Für nationale Gespräche sinkt der Preis von 1,75 auf 1,50 Rappen.

Die Preissenkung beträgt je nach Kategorie maximal 15 Prozent. Für das laufende Jahr hatte der Abschlag maximal 7 Prozent betragen, im Schnitt hatte die Swisscom die Interkonnektionspreise um 4 Prozent reduziert. 2004 und 2003 waren die Reduktionen mit -12,3 Prozent und -10 Prozent markanter gewesen.

Wie stark die Kunden bereits von der Marktliberalisierung profitiert haben, zeigt ein Blick in das Jahr 1998, als erstmals Swisscom-Konkurrenten zugelassen wurden. Damals betrug der nationale Normaltarif bei Interkonnektionen noch 4,9 Rappen pro Minute, für Ortsgespräche wurden 3,45 Rappen berechnet. 2006 betragen die Tarife rund zwei Drittel weniger. (sda)

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