21.01.2016 10:40

Neue Geschäftsfelder

Swisscom auf den Spuren von Google

Die Swisscom setzt immer mehr auf Tätigkeitsbereiche ausserhalb der klassischen Telekommunikation. Das gefällt nicht allen.

von
F. Lindegger

Selbstfahrende Autos und Blockchain statt Mobilfunk und Internet. Die Swisscom ist längt nicht mehr ein reiner Telecomanbieter. Neuste Dienstleistung: Swisscom führt für Banken die digitale Identifizierung von Kunden durch. Damit soll die Kontoeröffnung weniger als zehn Minuten dauern und der Gang zum Bankschalter entfallen. Bis März soll dafür die Freigabe durch die Finanzmarktaufsicht Finma erfolgen. Die digitale Identifizierung von Kunden ist nur ein Tech-Projekt der Swisscom. Diese reichen von Gesundheit bis Werbung. Eine Auswahl:

Onlinehandel: Ende November 2015 startete Swisscom zusammen mit dem Detailhändler Coop den Onlinemarktplatz Siroop. Über die Plattform werden nicht nur Produkte von Unternehmen, die zu Coop gehören, verkauft, Siroop steht auch anderen Händlern offen – ähnlich wie der Marktplatz von Amazon.

Zahlungsverkehr: Mit Tapit wollte die Swisscom eine eigene mobile Bezahlplattform etablieren. Im Sommer 2015 folgte aber das Aus von Tapit – zu wenige benutzten den Dienst. Dafür ging die Swisscom eine Partnerschaft mit dem Börsenbetreiber SIX ein. Zusammen wollen sie den Bezahldienst Paymit als gesamtschweizerische Lösung für das mobile Bezahlen etablieren.

Gesundheit: Bei der digitale Verwaltung von Gesundheitsdaten gehört die Swisscom über die Tochterfirma Swisscom Health ebenfalls zu den Marktführern in der Schweiz. 2015 wurde bekannt, dass die Swisscom künftig die E-Health-Plattform im Kanton Zürich und jene der sechs Spitäler der Berner Insel-Gruppe betreiben wird.

Werbung: Zusammen mit der SRG und dem Verlagshaus Ringier kündigte die Swisscom 2015 ein Gemeinschaftsunternehmen für die Vermarktung von Inhalten an. Mit der Werbe-Allianz sollen neue Werbeformen ermöglicht werden. Bereits seit 2014 gehört die Vermarktungsfirma Publigroupe zu Swisscom.

Dass die Swisscom, die zur Mehrheit dem Bund gehört, in immer mehr Geschäftsfelder abseits der Telekommunikation vordringt, sorgt auch für Kritik. «Ich habe gewisse Vorbehalte bei der Frage, inwiefern die Erschliessung von digitalen Märkten noch Bestandteil des Grundversorgungsauftrags von bundesnahen Betrieben ist», liess sich etwa Eric Scheidegger, Chefökonom des Staatssekretariats für Wirtschaft Seco, vom SRF zitieren.

Bei der Swisscom heisst es dazu: «Swisscom bewegt sich im Rahmen der strategischen Ziele des Bundesrats. Unser Kerngeschäft ist Telecom, IT und dazugehörige Dienste. Die neuen Geschäftsfelder passen in diesen Rahmen.» Zudem verweist die Swisscom darauf, dass das Unternehmen seit der Liberalisierung des Telecom-Markts vor rund 20 Jahren nicht expandiert habe, sondern relativ zum Markt gar kleiner geworden sei.

«Service-public-Auftrag» verliert an Bedeutung

Samuel Rutz, Ökonom bei der liberalen Denkfabrik Avenir Suisse, kann das Verhalten der Swisscom nachvollziehen: «Damit die Swisscom rentabel bleibt, muss sie in neue Geschäftsbereiche vorstossen. Denn das klassische Telecomgeschäft wird in Zukunft finanziell immer uninteressanter.» Die Swisscom verfüge aber über sehr viele Kundendaten, die sie nun wie Google oder Facebook zu nutzen versuche.

Rutz, der eine vollständige Privatisierung der Swisscom begrüssen würde, sieht die Probleme vor allem in der politischen Ausrichtung: «Was bisher kaum diskutiert wurde, ist die Frage, wie mit Unternehmen umgegangen wird, deren Service-public-Auftrag an Bedeutung einbüsst.» Etwa weil immer weniger Briefe versendet werden oder die Menschen immer mehr über Onlinedienste kommunizieren.

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