Handy statt Münz: Swisscom & Co bringen digitales Portemonnaie
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Handy statt MünzSwisscom & Co bringen digitales Portemonnaie

Schluss mit Bargeld: Swisscom, Sunrise und Orange machen für einmal gemeinsame Sache und starten nächsten Monat mit der neuen Bezahl-App Tapit. Noch überwiegen die Risiken.

von
Yves Hollenstein
Ganz ohne Bargeld: Tapit-Kunden bezahlen wie auf diesem Bild mit ihrem Smartphone.

Ganz ohne Bargeld: Tapit-Kunden bezahlen wie auf diesem Bild mit ihrem Smartphone.

Angekündigt war es schon lange, nun ist es endlich so weit. Am 1. Juli präsentieren die Mobilfunkanbieter Swisscom, Sunrise und Orange gemeinsam das digitale Portemonnaie namens Tapit («Tipp es an»). Konsumenten können dank der App bargeldlos via Smartphone bezahlen.

Dazu müssen die Nutzer die App herunterladen und vorgängig ihre Kreditkarte auf der SIM-Karte integrieren lassen. Die Bezahlung erfolgt kontaktlos über NFC (Near Field Communication), ab 40 Franken muss der Kunde allerdings eine PIN eingeben. Das ist auch bei den jetzt schon gängigen Kontaktlos-Kreditkarten der Fall. Was für Gebühren anfallen, ist noch nicht bekannt.

Bereits zum Start kann an einem Grossteil der Kassen in der Schweiz mit Tapit bezahlt werden. So sind die Bezahlterminals der Detailhändler Migros und Coop, aber auch der Kioske sowie der SBB und Ikea bereits mit der NFC-Technologie ausgerüstet.

Win-Win-Situation

Für den GfK-Detailhandelsexperten Thomas Hochreutener ist die Lancierung von Tapit eine Win-win-Situation für Konsument und Händler: «Die Kunden kommen an der Kasse schneller vorwärts und die Läden haben mehr Sicherheit, da weniger Bargeld in der Kasse sein wird.»

Viel Potenzial für das neue Bezahlsystem sieht auch Zahlungsexperte Sandro Graf vom Swiss Payment Research Center der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW. «Wir wissen aus der Forschung, dass sehr viele Leute diesem System gespannt entgegenfiebern», sagt Graf zu 20 Minuten.

Allerdings werde sich Tapit nur durchsetzen, wenn die App dem Kunden auch Zusatzleistungen biete. «Er muss damit Konzertkarten oder das SBB-Ticket kaufen und vielleicht sogar noch E-Banking-Funktionen nutzen können», so Graf.

Namhafte Partnerschaften

In welcher Form die neue Bezahl-App dies können wird, ist noch offen. Gemäss einer Medienmitteilung der Swisscom setzt das Projekt jedoch auf «namhafte Partnerschaften mit etablierten Unternehmen aus der Finanz- und Geschäftswelt.»

Die Möglichkeit, dass die Kunden mitziehen werden, ist laut Experten also gegeben. Das neue System birgt allerdings auch einige Stolpersteine:

Chancen

? Das neue Bezahlsystem nimmt eine Vorreiterrolle ein. Es kommt sogar dem Online-Giganten Google zuvor, der bereits 2011 das mobile Bezahlsystem Google Wallet lanciert hat. Die Verbreitung in Europa kam bisher aber nicht zustande.

? Die App ist auch für andere Anwendungen denkbar. Laut Swisscom ist auch von der Zugangskontrolle für Gebäude die Rede.

? Wird die App konstant weiterentwickelt, könnte es unser Bezahlverhalten durchaus revolutionieren, ist Experte Graf überzeugt. So zum Beispiel mit einer integrierten Budgetkontrolle, wo man aktuell den Überblick hat, wie viel Geld noch zur Verfügung steht.

? Durch das Bezahlsystem erhalten die Telekomunternehmen nützliche Daten über ihre Kunden. So spiegelt Tapit beispielsweise das Bezahlverhalten wider.

Risiken

? Die App ist für einen Grossteil der Kunden nicht zugänglich: Tapit bietet momentan nämlich keine Lösung für das iPhone. Zudem können auch ausländische Kunden das System nicht nutzen.

? Tapit muss vom Start an technisch ausgereift sein, es darf keine grösseren Pannen geben. Im schlimmsten Fall würde dann ein Grossteil der potenziellen Kunden das neue System ablehnen. «Im Stile von, das funktioniert ja eh nicht», so Graf.

? Für die Nutzung von Tapit ist eine neue SIM-Karte notwendig. Kommen dann noch hohe Gebühren, könnte die App bei den Kunden auf Ablehnung stossen.

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