Pilotversuch im März 2022 – Swisscom-Entscheid zu Kosovo-Callcenter ruft Politik auf den Plan
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Pilotversuch im März 2022Swisscom-Entscheid zu Kosovo-Callcenter ruft Politik auf den Plan

Der bundesnahe Telecom-Konzern startet im März kommenden Jahres ein Pilotprojekt im Balkanstaat. Der Schritt ruft jetzt die Politik auf den Plan.

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Swisscom verschiebt in einem Pilotversuch ein Call-Center in den Kosovo.

Swisscom verschiebt in einem Pilotversuch ein Call-Center in den Kosovo.

20min/Simon Glauser
Jetzt geht deshalb bei den Angestellten die Angst vor Jobverlust um.

Jetzt geht deshalb bei den Angestellten die Angst vor Jobverlust um.

20min/Matthias Spicher
Sie sind sauer, dass ausgerechnet die halbstaatliche Swisscom Arbeitsplätze von der Schweiz abzieht.

Sie sind sauer, dass ausgerechnet die halbstaatliche Swisscom Arbeitsplätze von der Schweiz abzieht.

20min/Matthias Spicher

Darum gehts

  • Die Swisscom lagert Callcenter-Jobs in den Kosovo aus.

  • Der Entscheid wird jetzt zum Politikum.

  • Angestellte haben Angst um ihre Arbeit.

Ab März 2022 plant die Swisscom, in einem Pilotbetrieb 45 Mitarbeitende in den Kosovo auszulagern. Mit dem Call-Center, das von einem externen Partner betrieben werden soll, will die Firma die Kundenanliegen «möglichst effizient und kostengünstig» bearbeiten. Dies geht aus einer Mitteilung an die Mitarbeitenden hervor, wie 20 Minuten bereits am 15. Oktober als erstes Medium berichtete.

«Wir haben Angst um unsere Arbeitsplätze. Wir sind masslos enttäuscht, dass ein Schweizer Konzern in Staatshand die Schweiz schwächt und ins Ausland abhaut», war eine von Dutzenden wütenden Reaktionen, die 20 Minuten erreichte.

Strategische Ziele werden diskutiert

Nach der Berichterstattung wird nun auch in Bundesbern Kritik am Vorgehen der Swisscom laut. «Ein bundesnaher Betrieb hat eine gewisse Verpflichtung gegenüber der Schweiz», meint etwa Nationalrat Martin Candinas (Mitte) zum «Blick». Und Michael Töngi (Grüne), seines Zeichens Präsident der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen, ergänzt, man werde am 25. Oktober die «strategischen Ziele für die Swisscom diskutieren». Allenfalls müssten solche Ziele angepasst werden.

Bei der Swisscom hiess es auf Anfrage, dass der Pilotversuch mit einem langjährigen Schweizer Outsourcingpartner im Kosovo stattfinde. Es würden dabei testweise Arbeiten verlagert, die bereits heute von Partnern in der Schweiz erbracht werden. Swisscom-Mitarbeitende seien daher nicht betroffen.

Auch Sunrise und Salt setzen aufs Ausland

Bei vielen Telecom- und Luftfahrtunternehmen ist es üblich, die Hotline ins Ausland zu legen. So hat etwa Sunrise ausser den beiden Schweizer Standorten in Zürich und Prilly mehrere Callcenter in Deutschland, dem Kosovo, Rumänien und der Türkei. Salt betreibt ein eigenes Callcenter in Biel und arbeitet zusätzlich mit dem französischen Outsourcing-Partner Teleperformance zusammen. Dieser betreibt für Salt je ein Callcenter in Athen und Lissabon.

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(dmo)

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