Swisscom erhält Zuschlag in Ungarn
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Swisscom erhält Zuschlag in Ungarn

Die Swisscom übernimmt die Mehrheit am ungarischen Sendeanlagenbetreiber Antenna Hungaria.

Swisscom kann in Ungarn wachsen. Der Schweizer Telekommunikationskonzern erhielt am Donnerstag den Zuschlag zum Kauf von 75 Prozent plus einer Aktie der Antenna Hungaria. Mit umgerechnet 286 Millionen Franken stach die Swisscom-Tochter Swisscom Broadcast AG zwei internationale Mitbieter aus.

Swisscom Broadcast bot für den Kauf des Mehrheitsanteils, der bisher dem Eigentumsfonds der ungarischen Regierung gehört hatte, 5.250 Forint je Aktie, wie Swisscom in Bern mitteilte. Am (gestrigen) Mittwoch hatte die Aktie an der Budapester Börse bei 4.855 Forint geschlossen. Am Donnerstag ruhte der Handel mit Antenna-Hungarica-Papieren. An der Schweizer Börse stand der Swisscom-Kurs bei Handelsschluss mit 428,50 Franken 0,5 Prozent tiefer als am Vorabend.

Der von Swisscom offerierte Gesamtbetrag von 46,76 Milliarden Forint lag über den Konkurrenzangeboten des Österreichischen Rundfunks (ORF) mit 42,1 Milliarden Forint und der australischen Macquarie Communications Group mit 36,7 Milliarden Forint, wie der Eigentumsfonds in Budapest bekannt gab. Der Kaufpreis schmälert dieses Jahr den so genannten Equity Free Cash-Flow von Swisscom, der Ende letzten Jahres 2,913 Milliarden Franken betragen hatte.

Swisscom muss nach dem Erwerb der Mehrheit den Publikumsaktionären von Antenna Hungarica ein öffentliches Kaufangebot in gleicher Höhe machen, wie es in der Mitteilung heisst. Voraussetzung ist die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden Ungarns, der EU und der Schweiz. Nach der Übernahme der Mehrheitsbeteiligung erhält Swisscom Broadcast die operative und strategische Kontrolle über Antenna Hungarica. Der Vollzug der Übernahme wird im vierten Quartal dieses Jahres erwartet.

Antenna Hungaria ist gemäss Swisscom-Mitteilung in der analogen Radio- und Fernsehverbreitung sowie in der Telekommunikation tätig. Sie erzielte letztes Jahr mit 970 Angestellten umgerechnet 162 Millionen Franken Umsatz und 6,2 Millionen Franken Betriebsgewinn, wie die Swisscom mitteilte. Swisscom Broadcast kam mit 240 Beschäftigten ebenfalls auf 162 Millionen Franken Umsatz. Sie stellt die Ausstrahlung von Radio- und Fernsehsignalen sicher und betreibt in der Schweiz rund 500 eigene Sendestandorte und mehr als 1.800 Sendeanlagen.

Swisscom schreibt Antenna Hungarica eine gute Ausgangslage zu, um beim Übergang zum digitalen Broadcasting in Ungarn eine führende Rolle zu spielen. Digitales Fernsehen soll in den kommenden Jahren in ganz Ungarn eingeführt werden. Die Digitalisierung des Broadcasting-Geschäfts biete Swisscom Broadcast Wachstumschancen im Ausland.

Im Telekommunikationsbereich hat Swisscom bereits mehrmals erfolglos versucht, im Ausland zu wachsen. Übernahmeversuche in Österreich und Tschechien scheiterten, und ein Engagement bei der deutschen debitel im Bereich Mobiltelekommunikation wurde zum Verlustgeschäft.

(sda)

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