Aktualisiert 09.12.2008 17:44

Das Glasfaser-DuellSwisscom gegen Elektrizitätswerke

Seit Oktober liefert sich das Telekomunternehmen Swisscom mit Elektrizitätswerken einen Wettlauf beim Aufbau eines Glasfasernetzes. Nur wenn die Swisscom ihr Kabel als erste in die Häuser zieht, kann sie von ihrer riesigen Kundenbasis profitieren.

In zahlreichen Strassenzügen der Stadt Zürich klaffen derzeit Löcher auf den Trottoirs. Sowohl das städtische Elektrizitätswerk (ewz) als auch die Swisscom sind dabei, neue Kabelstränge zu den Häusern zu ziehen. Dank den Glasfasern sollen die Haushalte und Unternehmen mit noch mehr Bandbreite versorgt werden.

Das ewz und die Swisscom bauen parallel zueinander je ein eigenes Datennetz auf. Grund dafür ist die Uneinigkeit darüber, wie andere Dienstleistungsanbieter auf das jeweilige Netz gelassen werden. Das ewz respektive die Elektrizitätswerke von anderen Städten verfolgen dabei eine andere Philosophie als die Swisscom.

So legen die Elektrizitätswerke eine Glasfaser in jeden Haushalt. Über diese eine Faser sollen Telekom- und Internetanbieter ihre Dienstleistungen zum Kunden bringen. Das Elektrizitätswerk stellt lediglich die Infrastruktur zur Verfügung und wird dafür entschädigt.

Behinderung des Wettbewerbs

Für die Swisscom behindert dieses Modell den Wettbewerb, wie Konzernchef Carsten Schloter am Dienstag vor den Medien in Zürich erklärte. So wie bis zur Öffnung der letzten Meile Telekomanbieter nur jene Festnetzprodukte weiterverkaufen konnten, welche die Swisscom ihnen anbot, wäre dies auch auf dem Glasfasernetz der Fall.

Schloter plädierte daher für das «fibre suisse»-Modell, welches die Swisscom beim Aufbau ihres Glasfasernetzes verfolgt. Dabei zieht das grösste Telekommunikationsunternehmen der Schweiz jeweils gleich vier Glasfasern in jeden Haushalt. Einen behält sie für sich selbst, die drei weiteren bietet sie anderen Anbietern zum Kauf an.

Die Infrastruktur am Ende der Glasfasern unterhält jeder Anbieter selbst. «Die Elektronik ist der Schlüssel für den Service, welcher zum Kunden gelangt», erklärte Schloter.

Durch den Wettbewerb auf dieser Ebene sei eine kontinuierliche technologische Innovation gewährleistet. Zudem könnten sich die Anbieter durch unterschiedliche Angebote voneinander differenzieren.

Dominanz der Swisscom befürchtet

Bei den Elektrizitätswerken tönt es indes anders: Die Technologie auf Glasfasernetzen sei längst standardisiert, sagte Paolo Sebben, Geschäftsführer von openaxs, dem Verband der Elektrizitäsunternehmen zur Förderung von Breitbandnetzen, auf Anfrage.

Sebben befürchtet insbesondere, dass beim «swiss fibre»-Modell Swisscom aufgrund der bereits bestehenden Kundenbasis beim Festnetz zum dominierenden Anbieter auf dem Markt würde, wie das bereits beim Mobilfunkmarkt der Fall sei. «Für andere Anbieter wären Investitionen in die technische Infrastruktur dann ein Verlustgeschäft.»

Derzeit baut die Swisscom in den Städten Genf, Basel und Zürich ein Glasfasernetz auf, ab nächstem Jahr auch in Lausanne, Bern, St. Gallen und Freiburg. Bis Ende 2009 will Swisscom 100 000 Haushalte erreicht haben und bis in sieben Jahren ein Drittel der Schweizer Bevölkerung.

Angebot an Basel und Zürich

Auf einen Alleingang beim Bau des Netzes ist Swisscom allerdings nicht aus. Gemäss Schloter liefen Gespräche mit zahlreichen Stadtwerken über eine Kooperation.

Dem ewz und den Industriellen Werken Basel habe man zudem das Angebot gemacht, sich mit 120 respektive 58 Mio. Fr. am Bau ihrer Netze zu beteiligen, sagte Schloter weiter. Bedingung sei einzig, dass die Swisscom auf dem Netz eine eigene Glasfaser erhalte. Bis jetzt haben die beiden Werke der Swisscom noch nicht geantwortet. (sda)

Bei Swisscom zahlen Hausbesitzer Verkabelung selbst

Beim Aufbau ihrer Glasfasernetze in Basel und Zürich sprechen sich die Swisscom und die örtlichen Elektrizitätswerke nicht ab. Ein doppeltes Netz wird aber dennoch nicht entstehen. Da kein Hausbesitzer in mehrere Glasfaseranschlüsse einwilligen würde, hat jeweils jener Netzbauer die Nase vorn, der zuerst anklopft. Die Swisscom und die Elektrizitätswerke unterscheiden sich allerdings nicht nur in der Anzahl Fasern, die sie verlegen, sondern auch im Preis. Denn die Swisscom legt das Kabel nur bis zur Hauswand. Die Verbindung in die einzelnen Wohnungen muss der Hausbesitzer selbst berappen. Das ewz dagegen legt die Glasfaser bis in die Wohnung. Dafür binden sich die Kunden vertraglich für einen gewissen Zeitraum an das ewz.

Paolo Sebben, Geschäftsführer von openaxs, dem Verband der Elektrizitätsunternehmen zur Förderung von Breitbandnetze, hat für diesen Unterschied auch eine Erklärung bereit: Die Swisscom, die erst ab kommenden Frühling Dienstleistungen auf dem Glasfasernetz anbieten wird, sei auf einen schnellen Kundenkontakt nicht angewiesen. «Sie kann die Kunden weiterhin auch über das Kupferkabel versorgen und so Einnahmen generieren», sagte Sebben gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Anders die Elektrizitätswerke: Sie treten neu auf den Telekommunikationsmarkt ein und sind darauf angewiesen, dass das Glasfasernetz möglichst schnell auch Einnahmen generiert.

In der Stadt Zürich bieten auf dem ewz.zuerinet, an welches bereits mehrere Hundert Haushalte angeschlossen sind, denn auch bereits zahlreiche Unternehmen ihre Dienstleistungen an, darunter Sunrise und Orange. Bis Ende 2009 sollen 10 000 Wohnungen angeschlossen sein.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.