Aktualisiert 15.05.2007 20:08

Swisscom hält Mehrheit an Fastweb

Die Übernahme der italienischen Fastweb durch die Swisscom ist geglückt. Swisscom hält nach Ablauf der Angebotsfrist 82,4 Prozent Aktien des italienischen Breitbandanbieters. Sie bezahlt 6,9 Mrd. Franken für den Deal.

Insgesamt seien ihr 80,7 Prozent oder 64,1 Mio. Aktien angedient worden, teilte Swisscom am Dienstagabend mit. Zusammen mit den bereits früher gekauften 1,4 Mio Aktien (1,7 Prozent) hält Swisscom nun einen Anteil von 82,4 Prozent an Fastweb. Allein am Dienstag wechselten 28,945 Mio. Aktien ihren Besitzer.

Das Aktienpaket des Fastweb-Gründers und Verwaltungsratspräsidenten Silvio Scaglia hatte sich die Swisscom bereits über eine Sondervereinbarung gesichert. Durch Scaglia kam Swisscom Mitte April in den Besitz von 19 Prozent der Aktien.

Kostenpunkt: 6,9 Milliarden

Der Schweizer Telekomkonzern bot 47 Euro je Fastweb-Aktie. Der grösste Kauf in der Konzern-Geschichte kostet die Swisscom 6,9 Mrd. Franken, wie das Unternehmen mitteilte. Für die Aktien blättert Swisscom umgerechnet 5,1 Milliarden auf den Tisch. Dazu kommt die Übernahme von rund 1,8 Mrd. Franken Nettoschulden von Fastweb.

Swisscom-Chef Carsten Schloter erklärte sich im Communiqué äusserst erfreut über die gelungene Übernahme. Die Abwicklung des Übernahmeangebots werde am 22. Mai erfolgen. Die Europäische Kommission und die Schweizer Wettbewerbskommission (Weko) haben der Übernahme bereits zugestimmt.

Swisscom will die Transaktion einerseits durch Aufnahme von Fremdmitteln in der Höhe von 5,9 Mrd. Franken finanzieren. Dazu kommen 0,5 Milliarden aus dem Verkauf von Antenna Hungaria und 0,5 Milliarden aus dem Verkauf eigener Aktien.

Diese Aktien sollen noch in diesem Jahr veräussert werden. An der ordentlichen Generalversammlung 2008 sollen die nicht benötigten eigenen Aktien mittels Kapitalherabsetzung gelöscht werden. Zur Sicherstellung der Transaktion wurde ein Überbrückungskredit bereitgestellt.

Standbein im Ausland

Swisscom erhält durch die 1,15 Millionen Kunden zählende Fastweb nach mehreren Fehlschlägen wieder ein Standbein im Ausland. Sie verspricht sich von der Übernahme einen Ausbruch aus dem schrumpfenden Heimmarkt. Italien ist nach Angaben des Schweizer Telekom-Konzerns einer der attraktivsten Breitbandmärkte in Westeuropa.

Fastweb ist nach Telecom Italia mit einem Marktanteil von 13 Prozent der zweitgrösste Festnetz-Anbieter des Landes. Es wurde 1999 von Silvio Scaglia in Mailand gegründet und hat Italien in den vergangenen Jahren für über 3 Mrd. Euro mit einem Glasfasernetz von 22 000 Kilometern überzogen.

Fastweb erzielte 2006 rund 1,26 Mrd. Euro Umsatz und 124 Mio. Euro Verlust, will dieses Jahr aber schwarze Zahlen schreiben. Swisscom selbst war im vergangenen Jahr auf 1,6 Mrd. Franken Reingewinn und 9,65 Mrd. Franken Umsatz gekommen. (sda)

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