Aktualisiert 11.01.2012 09:45

Explodierender «Traffic»Swisscom hat keine Angst vor dem Siri-Effekt

Eine europäische Studie warnt vor dem unstillbaren Datenhunger der Smartphone-Nutzer. Beim grössten Schweizer Mobilfunkanbieter reagiert man gelassen.

von
Daniel Schurter
Tumultartige Szenen beim Verkaufsstart des iPhone 4S am 11. November 2011 in Hongkong: Laut einer aktuellen Studie verursacht die kleine Gruppe der Smartphone-Extremnutzer 50 Prozent des Datenverkehrs.

Tumultartige Szenen beim Verkaufsstart des iPhone 4S am 11. November 2011 in Hongkong: Laut einer aktuellen Studie verursacht die kleine Gruppe der Smartphone-Extremnutzer 50 Prozent des Datenverkehrs.

Der Datenhunger des iPhone 4S ist riesig. Das behauptet zumindest eine aktuelle europäische Studie, die 20 Minuten Online vorliegt. Demnach laden Nutzer des neuen Apple-Smartphones fast dreimal mehr Daten herunter als die Besitzer des iPhone 3G, dem in die Jahre gekommenen Modell, das Mitte 2008 lanciert wurde. Aber auch im Vergleich mit dem zweitneusten Apple-Smartphone, dem iPhone 4, sind die Unterschiede beträchtlich: Die Nutzer des iPhone 4S laden zweimal mehr Daten herunter als die Besitzer des Vorgängermodells.

Die Studie stammt vom britischen Unternehmen Arieso, das Mobilfunkbetreiber in Europa, den USA und in Afrika berät. Analysiert wurde der Datenverkehr von 1,1 Millionen Kunden eines europäischen Providers während einer Zeitspanne von 24 Stunden. Die entsprechenden Auswertungen wurden im vergangenen November durchgeführt.

«Unersättlich»

Die Studie kommt zu einem dramatisch klingenden Schluss: Die Industrie müsse auf eine doppelte Bedrohung reagieren. Es würden immer mehr Smartphones verkauft und das Datenvolumen bei der Nutzung der neueren Modelle wachse stetig. Die Nutzer des iPhone 4S werden diesbezüglich als besonders «gierig», ja «unersättlich» bezeichnet. Ob dafür die Sprachsteuerung Siri verantwortlich ist, wie die Verfasser der Studie gegenüber der «New York Times» vermuteten, ist fraglich. Siri nimmt gesprochene Befehle über das iPhone-Mikrofon entgegen und sendet sie zur Weiterverarbeitung an die Apple-Server in den USA. Neben der stetig wachsenden Zahl von datenhungrigen iPhone-Apps dürften die Cloud-basierten Musikdienste rund um iTunes eine gewichtige Rolle spielen.

Swisscom relativiert

Beim grössten Schweizer Mobilfunkprovider werden die Erkenntnisse der europäischen Studie nicht bestätigt. Ob Android-Plattform oder iPhone: Die Swisscom hat gemäss einer aktuellen Erhebung auch keine signifikanten Unterschiede zwischen den verschiedenen Smartphones festgestellt. Unterschiede gebe es aber sehr wohl im Nutzerverhalten einzelner Kunden, erklärt Mediensprecher Olaf Schulze. Wie sich das im November lancierte iPhone 4S auf das gesamthafte Datenvolumen auswirkt, ist offen. Die Zunahme beim Traffic sei noch nicht abschätzbar, heisst es.

Fakt ist, dass 60 Prozent aller verkauften Handys zu den datenhungrigeren Smartphones gehören und sich das Datenvolumen im mobilen Swisscom-Netz alle zwölf Monate verdoppelt. Innovative Cloud-Dienste wie Spracherkennung und Sprachsteuerung belasten das Netz besonders.

Die Swisscom sieht sich aber gut gerüstet und verweist auf die geplanten Investitionen in Milliardenhöhe. So soll die Download-Geschwindigkeit im Mobilfunknetz in den nächsten Jahren flächendeckend auf 84 Megabit pro Sekunde erhöht werden. Zudem werden stark ausgelastete UMTS-Standorte durch zusätzliche Anlagen (Mikrozellen) verstärkt (20 Minuten Online berichtete).

Die Extremnutzer

Das Datenvolumen werde wegen dem iPhone 4S und anderen Smartphones in den nächsten 12 bis 18 Monaten nochmals massiv zunehmen, prognostiziert Arieso. Beim Mobilfunk-Unternehmen Ericsson geht man von einer Verzehnfachung des Datenverkehrs bis 2016 aus. Besonders ins Gewicht fallen dabei die sogenannten Heavy User, die mit ihrem Smartphone auch unterwegs (ohne WLAN) Videos abrufen und intensiv andere Online-Dienste beanspruchen. Laut der Arieso-Studie verursacht gerade mal ein Prozent aller Nutzer die Hälfte (!) des gesamten Datenverkehrs. Die Kluft zwischen diesen Extremnutzern und der restlichen Bevölkerung werde immer grösser, heisst es.

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