Aktualisiert 07.12.2017 07:46

Briefpanne«Swisscom hat mich über meinen Tod informiert»

Leser Enis M. ist von der Swisscom in Briefen mehrmals für tot erklärt worden. Am Dienstag öffnete seine Mutter eines der Schreiben – und war tief bestürzt.

von
vro
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Enis M. aus Biel hat Anfang November von der Swisscom ein Schreiben erhalten. Darin wurde er über seinen eigenen Tod informiert. M. wandte sich daraufhin an die Hotline der Swisscom.

Enis M. aus Biel hat Anfang November von der Swisscom ein Schreiben erhalten. Darin wurde er über seinen eigenen Tod informiert. M. wandte sich daraufhin an die Hotline der Swisscom.

privat
Der zweite Brief: Offensichtlich wurde der Fehler nicht behoben. M. wartete ab.

Der zweite Brief: Offensichtlich wurde der Fehler nicht behoben. M. wartete ab.

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Der dritte Brief kam dann Anfang Dezember. Geöffnet hat ihn M.s Mutter. Sie war schockiert darüber, was sie da las, erzählt der Bieler.

Der dritte Brief kam dann Anfang Dezember. Geöffnet hat ihn M.s Mutter. Sie war schockiert darüber, was sie da las, erzählt der Bieler.

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«Wir wurden über den Tod von Enis M. informiert – unser herzliches Beileid. Auf der Rückseite finden Sie eine Auflistung aller offenen Rechnungen. Bitte begleichen Sie diese oder teilen Sie uns die korrekte Ansprechperson mit.» Das steht in einem Schreiben, das der 24-jährige M. erstmals Anfang November von der Swisscom erhalten hat. Seither wird der Bieler von der Telecomfirma immer wieder aufs Neue für tot erklärt – bisher insgesamt dreimal.

«Dass die Swisscom mich über meinen eigenen Tod informiert, hat mich sehr schockiert», sagt M. Quicklebendig meldete er sich deshalb nach dem ersten Brief bei der Swisscom-Hotline. «Zuerst sprach ich mit einer Agentin, sie möchte mich bitte an die richtige Abteilung weiterleiten. Dann musste ich geduldig warten. Als ich den Agenten am Telefon hatte, musste ich ihm meine Situation erklären.»

Fall erledigt? Eben nicht

Der Swisscom-Agent forderte den 24-Jährigen dazu auf, ein Foto von dem Brief zu machen und einzusenden. «Er sagte, es müsse ein Fehler sein, und hat sich im Namen der Swisscom entschuldigt. Er versicherte mir, dass so etwas nicht mehr passieren wird.»

M. schickte per Mail eine Kopie des Briefes ein. Als einzige Reaktion erhielt er die Bestätigung, dass die Mitteilung eingegangen sei und an die zuständige Abteilung weitergeleitet werde, die den Fall schnellstmöglich bearbeiten werde.

Dann ging M. davon aus, dass sich die Sache erledigt habe. Dem war aber nicht so: Kurz darauf erreichte ihn ein weiteres Schreiben. Und am Dienstag flatterte ein dritter Brief der Swisscom ins Haus. Diesen hat jedoch nicht M., sondern seine ahnungslose Mutter geöffnet – M. wohnt noch im Elternhaus.

«Ich hörte, wie traurig meine Mutter war»

Für die Mutter sei es ein Schock gewesen, erzählt ihr Sohn. «Meine Mutter rief mich an. An ihrer Stimme konnte ich hören, wie traurig sie war. Ich fragte, was los sei. Sie sagte, sie habe die Post geöffnet und im Brief sei sie über meinen Tod informiert worden. Sie war sehr traurig.»

Seine Mutter habe nicht glauben können, was sie las. «So etwas wünscht sich keine Mutter», sagt M. «Das ging mir nahe.» Er sei seit 2011 Kunde bei der Swisscom und zahle seine Rechnungen immer. Dass nun seine Familie in den sonderbaren Fall hineingezogen worden ist, gehe zu weit. «Mit dem Tod auf diese Weise konfrontiert zu werden, ist wirklich schrecklich. Die Swisscom sollte mein Problem ernst nehmen.»

*Name der Redaktion bekannt

«Verkettung von Fehlern»

Bei der Swisscom bedauert man den Vorfall und spricht von einer «Verkettung von Fehlern». Ein Mitarbeiter habe irrtümlich den Status von Mahnung auf Todesfall gewechselt. «Als sich der Kunde dann bei uns meldete, um den Irrtum aufzuklären, wurde seine Meldung nicht korrekt weitergeleitet und so der Status nicht angepasst im System», erklärt Sprecherin Annina Merk. «Wir haben dies nun umgehend korrigiert und entschuldigen uns für das Versehen.»

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