Roaming-Gebühren: «Swisscom hat panische Angst vor Regulierung»
Aktualisiert

Roaming-Gebühren«Swisscom hat panische Angst vor Regulierung»

Swisscom senkt die Roaming-Gebühren erneut. So wolle der Konzern verhindern, dass die Politik die Handy-Anbieter zu noch tieferen Preisen zwinge, sagt Telekom-Experte Ralf Beyeler.

von
hal

Herr Beyeler, die Roaming-Gebühren bei Swisscom fallen weiter. Wechseln Sie jetzt Ihr Abo?

Nein. Ich habe ein sehr günstiges, altes Sunrise-Abo und benutze mein Handy relativ selten im Ausland. Das lohnt sich für mich also nicht.

Swisscom senkt die Tarife deutlich. Wie beurteilen Sie diesen Schritt?

Es ist weder der grosse Wurf noch eine Revolution. Aber etwas macht Swisscom gut: Der Konzern senkt die Standardpreise. Diese sind für die Kunden am relevantesten. Die meisten wollen sich vor den Ferien ja nicht mit Spezialabos herumschlagen, das ist mühsam und der administrative Aufwand ist unnötig gross.

Wieso senkt Swisscom die Preise?

Einerseits ist eine solche Massnahme gute Werbung. Aber hauptsächlich geht es um die drohende Regulierung: Swisscom hat panische Angst davor, dass die Politik sich einmischt.

Der Nationalrat hat sich doch bereits mehrfach klar für tiefere Roaming-Gebühren ausgesprochen.

Passiert ist bisher aber nichts. Es ging dabei wohl mehr um Wahlkampf als darum, wirklich etwas gegen die zu hohen Roaming-Gebühren zu unternehmen.

In der EU wurden die Tarife hingegen massiv gesenkt. Was braucht es, damit das auch in der Schweiz geschieht?

Da es die Politik offenbar nicht schafft, müssen die Kunden selbst Druck machen und teuren Anbietern konsequent die Rote Karte zeigen. So lange sie aber nur die Faust im Sack machen, kommen die Tarife nicht ins Rutschen.

Wechseln die Kunden ihr Abo nicht, wenn sie nach den Ferien horrende Rechnungen erhalten?

Roaming ist für viele gar nicht so wichtig: Eine EU-Studie sagt, dass 47 Prozent der Leute mit ihrem Handy im Ausland konsequent nicht surfen. Bei den Schweizern dürften das eher noch mehr sein. Wenn die Kunden wegen der Roaming-Gebühren den Anbietern davonlaufen würden, hätte Orange die Preise schon lange deutlich senken müssen. Doch Orange und Sunrise haben die Preise seit zehn Jahren nicht geändert.

Müssen die anderen Anbieter jetzt nachziehen?

Nein. Swisscom ist schon seit 2007 mit Abstand am günstigsten. Bei Orange zahl man viermal mehr für Anrufe aus Europa. Allerdings sind Orange und Sunrise nur für jene Kunden viel teurer, die sich nicht informieren wollen. Sie bieten jedoch auch Optionen an, die man für die Ferien kaufen kann. Bei Orange gibt es eine für drei Franken, die hat man nach zwei Anrufen aus Europa rausgeholt. Hier können sie mit Swisscom einigermassen mithalten.

Bleibt Roaming für Schweizer Anbieter also ein Goldesel?

Wie viel Gewinn sie damit machen, ist absolut intransparent. Bekannt ist nur, dass Swissom, Orange und Sunrise zusammen pro Jahr 850 Millionen Umsatz mit Roaming von Schweizer Kunden im Ausland machen. Das ist viel.

Wie fahre ich am günstigsten, wenn ich mein Handy im Ausland brauchen will?

Bei Orange und Sunrise lohnen sich die Optionen auf jeden Fall. Bei Swisscom braucht es hingegen viel, dass sich Optionen gegenüber dem Standardtarif rechnen. Wer mit dem Handy auch surfen will, sollte bei allen Anbietern entsprechende Datenpäckchen kaufen. Zum Standardtarif würde ich nach wie vor mit keinem Anbieter ins Internet gehen. Mein Gratistipp: Lassen Sie das Handy einfach zuhause oder brauchen Sie es nur im Notfall.

Ralf Beyeler ist Telekom-Experte beim Vergleichsdienst Comparis.

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