Anbieterwechsel: Swisscom kauft Kunden aus Mobile-Verträgen frei

Aktualisiert

AnbieterwechselSwisscom kauft Kunden aus Mobile-Verträgen frei

Swisscom zahlt die Strafgebühr für Kunden, die ihren Vertrag bei einem anderen Anbieter auflösen wollen. Das hat es noch nie gegeben.

von
S. Spaeth und K. Wolfensberger

Sehen Sie die Einschätzung von Experte Jean-Claude Frick im Video.

Bald lanciert Apple die nächste iPhone-Generation. Doch viele Schweizer werden sich das Gerät nicht sofort kaufen können. Grund: Sie sind über ihren Handy-Anbieter an einen langfristigen Vertrag gebunden und haben noch keinen Anspruch auf ein neues Smartphone zum vergünstigten Preis.

Die Swisscom möchte sich den Ärger dieser Kunden nun zu Nutze machen. Wie 20 Minuten erfahren hat, will sie zwischen dem 25. August bis Ende Oktober ein neuartiges Wechselangebot offerieren. Kunden, die sofort zur Swisscom wechseln möchten, bezahlt das Unternehmen die Wechselkosten, die aus der Auflösung des Vertrags mit einem anderen Anbieter anfallen. Eine gewisse Grenze gibt es dabei allerdings: Die Swisscom ist nur bereit, maximal 500 Franken für die Auslösung aus dem alten Vertrag zu bezahlen.

Neukunden für InOne-Angebote gewinnen

Laut Recherchen von 20 Minuten möchte die Swisscom das neuartige Angebot primär dazu nutzen, um neue Kunden für ihre InOne-Kombopakete zu gewinnen. Bei diesen können Kunden nach Wunsch Internet, Mobilfunk, TV sowie den normalen Telefonanschluss kombinieren. Je nach Leistung variiert bei den InOne-Angeboten der Preis. Ein Standardpaket mit mittlerem Umfang und mittlerer Surfgeschwindigkeit für alle vier Sparten kostet circa 200 Franken.

Wie eine Sprecherin auf Anfrage erklärt, kann aber auch in ein reines Mobilangebot der Swisscom gewechselt werden, wobei die Laufzeit dort bei 24 Monaten liegt.

Für den Schweizer Markt ist das Angebot der Swisscom eine Neuheit. Wie Mobilfunk-Experte Jean-Claude Frick vom Vergleichsdienst Comparis erklärt, gebe es solche Angebote in den USA schon seit längerem. «Die ganze Sache hat aber oft einen Haken: Man muss oft beim neuen Anbieter ein teures Abo wählen.» Der Grund ist klar, so Frick: «Bei vergünstigten Smartphones gilt immer der Deal: Handy gegen lange Vertragslaufzeit.»

«Verdrängungswettbewerb wird härter»

Letztlich sei das Angebot der Swisscom auch eine verspätete Antwort auf die «Smartphone Upgrade Option» von Sunrise. Diese bietet den Kunden die Möglichkeit, alle zwölf Monate ihr altes Smartphone gegen das neuste Handy aus dem Hause Apple umzutauschen.

Fricks Fazit zum neuen Angebot ist somit: «Der Verdrängungswettbewerb in der Mobilbranche wird härter.» Es handle sich um eine sehr offensive Kunden-Anwerbemethode. Und weiter: «Die Swisscom erkauft sich so auf teure Art zusätzliche Kunden.»

Keine langfristigen Verträge mehr

Bleibt die Frage, inwiefern die Strategie der Swisscom aufgehen wird, und wie viele Leute tatsächlich wechseln werden. Schliesslich gibt es bei Anbietern wie Sunrise, aber auch den Marken Coop Mobile und M-Budget schon seit längerem keine längerfristigen Verträge mehr mit Mindestlaufzeiten von bis zu 24 Monaten. Stattdessen lässt sich jeder Vertrag mit einer Frist von zwei Monaten auflösen.

Allerdings gibt es beispielsweise bei Sunrise eine Vorfinanzierung von Handys durch den Telecom-Konzern. Diese werden dann innerhalb eines längerfristigen Zeitraums von oft 24 Monaten abbezahlt. Die Swisscom betont auf Anfrage, die betroffenen Personen auch aus ihren Geräteplänen herauszukaufen, um ihnen einen Wechsel zu Swisscom zu ermöglichen.

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