Aktualisiert 18.10.2018 19:33

SBB-Pilotversuch

Swisscom-Kunden haben kein Gratis-Internet im Zug

Beim neuen Gratis-Internet setzt die SBB auf Mobilfunk und Spezialscheiben. Das sei schneller als ein WLAN-Netz. Prominenter Abwesender beim Testversuch ist die Swisscom.

von
sul

Lange hat sich die SBB dagegen gesträubt, nun kommt das Gratis-Internet im Zug doch noch: Unter dem Namen «SBB Free Surf» führt der Bahnkonzern 2019 einen Testversuch in 44 Intercity-Zügen durch. Ab 2020 will er Gratis-Internet in allen Fernverkehrszügen anzubieten. Der Zugang erfolgt via App.

Beim kostenlosen Surfen setzt die SBB voll auf die bestehenden Mobilfunknetze – und hat sich bewusst gegen ein WLAN entschieden. Ein solches sei in Zügen nur sinnvoll, wenn die Aussenversorgung schlecht sei, sagt Christian Frisch, Leiter Flottenmanagement Personenverkehr: «In der Schweiz mit ihrer hervorragenden Mobilfunkversorgung würde ein zwischengeschaltetes WLAN die Verbindung verlangsamen.»

Volle Antennenleistung im Zug

Um das Mobilfunksignal in den Zug zu bringen, rüstet die SBB ihre Züge seit Jahren mit 3G/4G-Signalverstärkern aus. In Zügen, die modernisiert werden, kommen neu auch laserperforierte Fensterscheiben mit höherer Mobilfunk-Durchlässigkeit zum Einsatz. Die herkömmlichen, metallbeschichteten Scheiben würden das Signal dämpfen, erklärt SBB-CIO Peter Kummer: «Durch die Perforation gelangen hundert Prozent der Antennenleistung in den Zug.»

Mit den Hightech-Fenstern sei zudem immer die neuste Technologie nutzbar. «Sobald in der Schweiz 5G verfügbar sein wird, haben wir die beste Internetqualität sofort auch im Zug», so Kummer.

Auch in Zukunft wird aber die Qualität der Verbindung von der Anzahl Passagiere abhängen. Kummer: «Wenn der Zug nicht voll ausgelastet ist, lässt sich ein Film flüssiger streamen als zu Stosszeiten, in denen man sich das Signal mit allen anderen teilen muss.»

Swisscom will nicht mitmachen

Beim Test der SBB mitmachen können Kunden von Sunrise und Salt. Swisscom-Kunden haben das Nachsehen. «Zurzeit sehen wir keinen Bedarf, bei diesem Technologietest mitzumachen», sagt Swisscom-Sprecher Armin Schädeli auf Anfrage. Grund: Mehr als zwei Drittel der Smartphone-Nutzer von Swisscom hätten heute ein Flatabo. «Diese Kunden surfen mit ihrem Abonnement unlimitiert, egal, ob sie im Zug oder sonst irgendwo unterwegs sind.» Man bleibe aber mit der SBB weiter im Gespräch.

Jörg Halter, Studienautor des Telecom-Ratings der «Bilanz», vermutet noch andere Gründe: «Die Swisscom hat Angst, dass ihre Kunden kleinere Abos nehmen könnten und somit weniger Geld ausgeben.» Zum anderen lasse sich das Abrechnungssystem, in dem sich Millionen von Kundenminuten befänden, nicht so leicht verändern.

«Wir hätten die Swisscom natürlich sehr gern beim Test dabei gehabt», sagt SBB-CIO Kummer. Auch er kündigt an, dass die Gespräche mit dem grössten Schweizer Mobilfunkanbieter in naher Zukunft weitergeführt würden.

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