Neue Nachrichten-App: Swisscom lanciert Whatsapp-Alternative

Aktualisiert

Neue Nachrichten-AppSwisscom lanciert Whatsapp-Alternative

Google verbündet sich mit Swisscom und greift Whatsapp und Facebook an. Die neue Technologie macht Video-Chats und Dateiübertragungen zum Standard.

von
ehs
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Die Swisscom führt die Technologie RCS ein. Damit wird die Standard-Nachrichtenanwendung von Android-Handys um diverse Funktionen wie etwa Videoübertragungen oder Gruppenchats erweitert.

Die Swisscom führt die Technologie RCS ein. Damit wird die Standard-Nachrichtenanwendung von Android-Handys um diverse Funktionen wie etwa Videoübertragungen oder Gruppenchats erweitert.

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Die Einführung soll bis Ende Jahr geschehen, so die Swisscom gegenüber der «NZZ am Sonntag». Bei Salt und Sunrise gibt es noch keine Entscheide zu einer allfälligen Einführung.

Die Einführung soll bis Ende Jahr geschehen, so die Swisscom gegenüber der «NZZ am Sonntag». Bei Salt und Sunrise gibt es noch keine Entscheide zu einer allfälligen Einführung.

Keystone/Georgios Kefalas
Auf die Einführung von RCS bei Netzbetreibern wie Swisscom drängt vor allem Google. Der Konzern hatte bisher mit seinen Messenger-Apps kein Glück, und will nun mittels RCS die Android-Nachrichtenanwendung zur Whatsapp-Alternative aufpeppen.

Auf die Einführung von RCS bei Netzbetreibern wie Swisscom drängt vor allem Google. Der Konzern hatte bisher mit seinen Messenger-Apps kein Glück, und will nun mittels RCS die Android-Nachrichtenanwendung zur Whatsapp-Alternative aufpeppen.

Keystone/Melanie Duchene

Die Swisscom kämpft mit einer neuen Messenger-Lösung gegen Whatsapp und Co. Sie soll noch dieses Jahr auf den Markt kommen und etwa Live-Videochats und Gruppenchats ermöglichen, berichtet die «NZZ am Sonntag».

Die Anwendung basiert auf der RCS-Technologie, die die Swisscom als erster Betreiber der Schweiz einführen will. «RCS ist die Evolution des SMS und entspricht einem klaren Kundenbedürfnis», sagt Swisscom-Sprecher Armin Schädeli zu 20 Minuten. Vor allem Google wirbt bei Netzbetreibern für RCS. Die Firma will mithilfe der Technologie die Nachrichten-Anwendung auf Android-Handys zur Whatsapp-Alternative ausbauen (siehe Box). Zurzeit arbeitet der Konzern an einem Upgrade der Funktion namens «Google Chat».

Spezielle App für iPhone-Nutzer

Viele neue Android-Geräte unterstützen den RCS-Standard bereits. Nutzer mit einem solchen Handy benötigen keine zusätzliche App, um die neue Anwendung zu nutzen. Für die anderen – insbesondere Besitzer eines iPhones – wird die Swisscom eine App zur Verfügung stellen.

Wenn ein Android-Nutzer über die RCS-Anwendung eine Nachricht an einen anderen Nutzer mit RCS schickt, kann er alle Funktionen nutzen. Ist der Empfänger hingegen bei einem Betreiber, der kein RCS unterstützt oder hat der Empfänger ein iPhone ohne zusätzliche App, werden die Nachrichten als SMS übermittelt.

Wertet Google die Daten aus?

Wann genau RCS bei Swisscom eingeführt werde, sei noch unklar, sagt Swisscom-Sprecher Schädeli. Die Nutzung werde für Swisscom-Kunden kostenlos sein, und auch Daten werde die Swisscom nicht auswerten oder weitergeben. Inwiefern das Google tun werde, könne die Swisscom aber nicht beantworten. «RCS wird insbesondere auch für Firmen attraktiv sein», sagt Schädeli. Sie könnten ihren Kunden neue Services bieten – etwa Bestellservices oder die Abfrage von Zugverbindungen oder Flugpreisen über den Messenger.

Ralf Beyeler, Telecom-Experte beim Vergleichsdienst Moneyland, sagt, RCS könne für Whatsapp und Co. durchaus zur Alternative werden – vorausgesetzt, es sei auf genügend Geräten installiert. «Im Vergleich zu Whatsapp muss ich mit RCS nicht alle meine Freunde überzeugen, zuerst eine App zu installieren», sagt er.

Sunrise und Salt fehlen

Gegen einen raschen Erfolg spreche hingegen die starke Verbreitung von iPhones in der Schweiz. «Zudem können Swisscom-Kunden die Funktionalitäten auch nicht nutzen, wenn sie etwa mit Sunrise- oder Salt-Kunden in Kontakt treten», so Beyeler. Es werde aber wahrscheinlich nicht lange dauern, bis auch Sunrise und Salt RCS einführten.

Beyeler sagt, er sehe bei RCS ein grosses Problem. «Ebenso wie SMS sind solche Nachrichten nicht verschlüsselt», sagt Beyeler. Damit sei die App weniger sicher als viele Alternativen.

In Deutschland ist RCS kein Erfolg

Zudem zeigen Erfahrungen aus dem Ausland noch nicht den ganz grossen Erfolg. Die Deutsche Telekom mit über 40 Millionen Mobilfunk-Nutzern stellt bereits seit 2015 eine RCS-App für ihre Kunden zur Verfügung. Die Android-Version zählt weniger als eine halbe Million Downloads.

Ob die Schweizer Nutzer RCS im grossen Stil nutzen, dürfte auch vom kommenden Upgrade von Google abhängen. Zu wünschen wäre es, sagt Telecom-Experte Beyeler: «Ich würde eine starke Alternative zu Whatsapp sehr begrüssen.»

Das kann RCS – und das nicht

Mittels der Technologie RCS will Google die Standard-Nachrichtenapp auf den Android-Handys zur Whatsapp-Alternative ausbauen. Das sind die Vor- und Nachteile.

Vorteile:

auf vielen Android-Handys installiert, keine App nötig

bekannte Funktionen wie Video-Chat, Dateiübertragung, Gruppenchats

neue Funktionen, zum Beispiel gemeinsame Skizzen, das Teilen eines Standorts oder von Dateien während eines Anrufs

Hat der Empfänger kein RCS, wird die Nachricht in ein SMS umgewandelt

Nachteile:

auf iOS-Geräten nicht installiert, iPhone-Nutzer brauchen eine spezielle App

Die Nachrichten werden nicht durchgängig verschlüsselt, damit weniger sicher als Apps wie Signal

Einführung erst bei Swisscom geplant, Salt und Sunrise-Kunden bleiben vorerst aussen vor

weniger Nutzer als beispielsweise Whatsapp

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