Aktualisiert 19.12.2006 15:38

Swisscom Mobile wird zurückgekauft

Die Swisscom hat bei ihrer Mobilfunksparte wieder alleine das Sagen. Der Telekomkonzern kauft von Vodafone den 25- Prozent-Anteil an Swisscom Mobile für 4,25 Mrd. Franken zurück. Die Briten erhalten damit weniger, als sie vor fünf Jahren bezahlt hatten.

«Es war attraktiv für die Swisscom, die Transaktion noch in diesem Jahr durchzuführen», sagte Swisscom-Chef Carsten Schloter am Dienstag in einer Telefonkonferenz. Dadurch könne die Swisscom Dividendenzahlungen in Höhe von rund 300 Mio. Fr. für 2006 vermeiden, die sie sonst aus dem Gewinn der Mobilfunksparte an Vodafone hätte zahlen müssen.

Zudem könne die Swisscom, die den Kaufpreis von 4,25 Mrd. Fr. vollständig über Schulden finanzieren wolle, die Fremdmittel noch zu relativ günstigen Zinsen aufnehmen. Nach Schloters Einschätzung dürften die Zinsen weiter steigen.

Flexibler

Überdies sei die Swisscom nun viel freier bei der Gestaltung von neuen Angeboten, die Festnetz, Handy, Internet und Fernsehen miteinander verbinden.

Denn mit einer Beteiligung von Vodafone an der Mobilfunksparte stelle sich die Frage, wie beispielsweise die Erlöse aus Pauschalangeboten für Handy, Festnetztelefonie und Breitbandinternet zwischen den beiden Konzernen genau aufgeteilt werden sollten. «Alle diese Angebote sind viel einfacher zu realisieren in einer Struktur, die zu 100 Prozent der Swisscom gehört», sagte Schloter.

Vodafone holt damit weniger Geld aus dem Verkauf, als es einst ausgegeben hatte. Die Briten hatten im März 2001 für die 25 Prozent an Swisscom Mobile 4,5 Mrd. Fr. hingeblättert.

«Der Unterschied liegt im Wesentlichen darin, dass man heute etwas realistischer und nüchterner auf die Perspektiven der Telekomindustrie schaut als in den Jahren 1999 und 2000», sagte Schloter. Damals befand sich die Internetblase auf dem Höhepunkt, die die Telekomaktien in schwindelerregende Höhen trieb.

Dennoch lag der Rückkaufpreis für den Vodafone-Anteil über den Erwartungen der Analysten, die mit 2,9 Mrd. bis 4 Mrd. Fr. gerechnet hatten. «Es stimmt, dass die Bewertung eher am oberen Ende ist», sagte Schloter.

Partnerschaft weitergeführt

Die erfolgreiche Partnerschaft von Swisscom und dem britischen Mobilfunkriesen werde auch nach dem Rückkauf zu gleichen Bedingungen wie bisher weitergeführt. Mittlerweile seien die Vorteile nicht mehr nur über eine Kapitalverflechtung, sondern auch über einen Kooperationsvertrag erhältlich.

Damit profitiere die Swisscom auch künftig von den günstigeren Einkaufskonditionen beispielsweise für Handys oder Netzinfrastruktur. Und die Swisscom-Kunden können weiterhin im Ausland über das Vodafone-Netz telefonieren, das es in vielen Ländern gibt.

Auch die Aktionäre der Swisscom können sich freuen. Weil der Konzern für 2006 keine Dividende mehr an Vodafone zahlt, dürfte nach Abzug der Zinskosten für die Schulden der Reingewinn ab 2007 um 180 Mio. Fr. jährlich steigen. «Das heisst, unsere Ausschüttungspolitik wird noch attraktiver», sagte Schloter. Der Löwenanteil davon fliesst in die Bundeskasse.

Für 2007 erwartet der Konzern einen Betriebsgewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) von 3,9 Mrd. Franken. Der Umsatz dürfte in etwa auf dem Niveau von 2006 ausfallen, sagte Schloter. Für 2006 hat der Konzern einen Umsatz von 9,5 Mrd. Fr. geplant.

An der schwächeren Schweizer Börse kletterte die Swisscom-Aktie bis gegen 15 Uhr um 1,1 Prozent auf 457,25 Franken. Dies ist der höchste Stand seit März 2005. (sda)

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