09.05.2018 16:36

Italiener wütend wegen Plakat«Swisscom spottet über Unglück unseres Volkes»

«Die Azzurri können wir leider nicht zeigen, die WM in UHD schon» – so wirbt die Swisscom. Einige Italiener schäumen vor Wut und wollen ihr Abo kündigen.

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Auf Facebook sorgt ein Plakat der Swisscom für wütende Reaktionen. Es spielt auf die Nichtqualifikation der italienischen Mannschaft für die Fussball-WM 2018 an.

Auf Facebook sorgt ein Plakat der Swisscom für wütende Reaktionen. Es spielt auf die Nichtqualifikation der italienischen Mannschaft für die Fussball-WM 2018 an.

Die Italiener rufen ihre Landsleute auf, ihr Abo bei Swisscom zu kündigen.

Die Italiener rufen ihre Landsleute auf, ihr Abo bei Swisscom zu kündigen.

Nur durch eine Kündigung würde die Swisscom lernen, sagt Alessandro.

Nur durch eine Kündigung würde die Swisscom lernen, sagt Alessandro.

Erstmals seit 1958 ist Italien dieses Jahr nicht bei einer WM-Endrunde dabei. Darauf spielt die Swisscom auf ihren neuen Werbeplakaten an. Zu einem Bild eines Italieners, der sich voller Entsetzen mit Tränen in den Augen die Haare vor dem Bildschirm rauft, steht da: «Die Azzurri können wir leider nicht zeigen, die WM in UHD schon.»

Nicht über das Plakat lachen kann der Baselbieter 20-Minuten-Leser Giulio (46): «Es ist beschämend, dass sich ein Unternehmen wie die Swisscom über das Unglück eines Volkes lustig macht. Ich nenne so was Salz in die Wunde streuen und Feindschaft schüren.»

Auf Facebook sorgt das Sujet für Empörung

Viele Italiener fühlten sich von der Werbung von Swisscom angegriffen, da es eine pure Provokation darstelle. «In einer Italo-Facebook-Gruppe wird heftigst darüber diskutiert und einige plädieren dafür, das Abo bei Swisscom zu künden.» Nur eine Minderheit nehme die Sache mit Humor.

Wütend habe er sich bei der Swisscom beschwert. «Sie haben sich entschuldigt und gesagt, sie hätten es nicht böse gemeint. Sie sagten, dass der Marketingleiter selbst ein Italiener sei.» Damit sei die Sache für ihn aber trotzdem nicht erledigt. «Warum dieser Angriff auf uns Italos? Man stelle sich nur vor, wie Erdogans Türkei oder arabische Länder auf so eine Provokation reagieren würden!» Eigentlich hätte Giulio die Nati unterstützen wollen, darauf sei ihm nun aber die Lust vergangen.

Swisscom bestätigt Kündigungsanfragen

Swisscom-Sprecherin Annina Merk sagt: «Wir haben zwar einzelne negative Reaktionen erhalten, aber durchaus auch positive. Es gab sehr vereinzelt auch Kündigungsanfragen.» Ob daraus tatsächlich auch Kündigungen resultierten, könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

Sich lustig zu machen oder Salz in die Wunde zu streuen, sei in keiner Art und Weise die Absicht der Kampagne. «Wir bedauern, wenn sich jemand persönlich verletzt fühlt.» Eine WM ohne die Squadra azzurra sei eigentlich unvorstellbar. «Das Sujet drückt explizit unser Bedauern aus, dass die Italiener bei der WM nicht dabei sind. Und das meinen wir genau so und von ganzem Herzen.» Der Kampagnenverantwortliche sei tatsächlich selbst Italiener und über das Ausscheiden seines Teams natürlich betrübt.

«Es geht darum, Emotionen des Fussballs abzubilden»

Die Kampagne der Swisscom zeigt neben dem entsetzten Italiener auch einen Deutschen, der das Spiel fast nicht anschauen kann, und jubelnde Schweizer und Brasilianer. Es sei aber nicht so, dass das Schweizer Publikum besonders gerne Deutsche oder Italiener verlieren sehe. «Die Tatsache, dass gerade der deutsche Fan nicht hinschauen mag, ist purer Zufall. Er hätte auch ein Fan einer anderen Mannschaft sein können», sagt Merk. Es gehe darum, die Emotionen des Fussballs abzubilden, inklusive aller Höhen und Tiefen.

Die Swisscom steht mit ihrer Werbestrategie nicht allein da. Auch der Autovermieter Sharoo machte sich nach dem Titelgewinn der Young Boys über den FC Basel lustig. Wie beim Smart hätte es für mehr als einen zweiten Platz nicht gereicht. Die Deutschen spotten derweil über den Erzrivalen Holland, dieser schied in der WM-Qualifikation 2018 ebenfalls aus. Der alte Ballermann-Hit «Ohne Holland fahr'n wir zur WM» von «Helmut aus Mallorca» dürfte also diesen Sommer ein Revival erleben:

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