Aktualisiert 15.02.2018 16:37

Mobile IDSwisscom tauscht eine Million SIM-Karten aus

Tausende Mobile-Kunden erhalten dieser Tage ein SMS, wonach der Telecomriese die SIM-Karten erneuert. Was steckt hinter der Austauschaktion?

von
S. Spaeth
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Die Schweizer Telecomanbieter haben eine Möglichkeit entwickelt, wie man sich per Handy sicher bei Internetdiensten einloggen kann. Um die sogenannte Mobile ID nutzen zu können, ist eine SIM-Karte der neusten Generation notwendig.

Die Schweizer Telecomanbieter haben eine Möglichkeit entwickelt, wie man sich per Handy sicher bei Internetdiensten einloggen kann. Um die sogenannte Mobile ID nutzen zu können, ist eine SIM-Karte der neusten Generation notwendig.

Tausende Swisscom-Kunden haben kürzlich dieses SMS erhalten. Der Telecomriese informiert über den Austausch.

Tausende Swisscom-Kunden haben kürzlich dieses SMS erhalten. Der Telecomriese informiert über den Austausch.

Der Wechsel auf  SIM-Karten der neusten Generation habe keinen Zusammenhang mit dem Datenvorfall. «Der Grund für den proaktiven Versand ist, dass wir die Verbreitung von Mobile ID fördern wollen», heisst es bei der Swisscom. Im Bild: CEO Urs Schaeppi.

Der Wechsel auf SIM-Karten der neusten Generation habe keinen Zusammenhang mit dem Datenvorfall. «Der Grund für den proaktiven Versand ist, dass wir die Verbreitung von Mobile ID fördern wollen», heisst es bei der Swisscom. Im Bild: CEO Urs Schaeppi.

Keystone/Walter Bieri

Für viele Swisscom-Kunden kommt die Nachricht überraschend. «Sie erhalten in diesen Tagen per Post eine neue SIM-Karte, schreibt der Telecomanbieter in einem SMS und verweist auf die schweizweite Erneuerung. Eine verbreitete Reaktion: Ist der Wechsel auf eine smarte Karte eine Folge des letzte Woche bekannt gegebenen Datenklaus?

Auf Anfrage beschwichtigt die Swisscom: Der Wechsel auf SIM-Karten der neusten Generation habe keinen Zusammenhang mit dem Datenvorfall. «Der Grund für den proaktiven Versand ist, dass wir die Verbreitung von Mobile ID fördern wollen», sagt Sprecherin Annina Merk.

Was bringt eine smarte SIM-Karte?

Mit Mobile ID bzw. einer smarten SIM-Karte kann man sich einfacher einloggen, beispielsweise für Bankgeschäfte, in Online-Shops oder bei Behörden. Wer sich etwa im Online-Banking anmeldet, erhält auf seinem Smartphone die Meldung, dass ein Login-Versuch stattgefunden hat. Um sich dann wirklich einzuloggen, muss der Nutzer sein sechsstelliges Mobile-ID-Passwort eingeben. Dies aber nicht auf der Website des Online-Banking, sondern auf dem Smartphone. Ein Security-Token, das es für gewisse Dienste braucht, wird überflüssig.

Wo liegt der Vorteil gegenüber App-Lösungen wie dem Google Authenticator?

Man braucht sich nicht mehr etliche Passwörter zu merken, sondern nutzt für verschiedene Dienste die gleiche Zahlenkombination. Zudem sind bei der Mobile ID im Gegensatz zu App-Lösungen (z.B. Google Authenticator) die Sicherheitsdaten auf der SIM-Karte selber hinterlegt. So ist es beim Wechsel auf ein neues Telefon nicht nötig, sich bei allen Diensten neu zu authentifizieren.

Wie sicher ist Mobile ID?

Mobile ID erfüllt die höchsten Sicherheitsanforderungen für Zwei-Faktor-Authentifizierung und ist damit sicherer als manche Banken-Logins, heisst es bei der Swisscom. Die Zugangsberechtigung wird einerseits über das Smartphone und andererseits über einen Code auf der SIM-Karte überprüft. «Mobile ID gilt als sicher. Der Provider hat keinen Zugriff auf die Sicherheitsinformationen», sagt Comparis-Telecomexperte Jean-Claude Frick.

Wie geht man vor, wenn das Smartphone geklaut wird?

Telecomexperte Frick rät, sofort die SIM-Karte und damit auch die Mobile ID zu sperren. Und bei der Swisscom heisst es: «Der Zugang mit Mobile ID ist noch zusätzlich durch einen vom Kunden generierten, individuellen PIN geschützt, sodass mit der SIM-Karte alleine kein Missbrauch betrieben werden kann.» Nach dem Sperren bekommen Kunden eine neue SIM-Karte mit Mobile-ID-Funktion. Diese neue Mobil-ID muss dann erneut mit den gewünschten Diensten verknüpft werden.

Soll ich sofort auf die neue SIM-Karte umsteigen?

«Ja», rät Telecomexperte Jean-Claude Frick, zumal neue SIM-Karten grundsätzlich auch zuverlässiger seien als ganz alte. Vonseiten der Telecomfirmen wird aber niemand gezwungen, auf die neue SIM-Karte umzusteigen. Wer hingegen die alte Karte in seinem Telefon drin lässt, kann die neuen Mobile-ID-Services nicht nutzen.

Welche Swisscom-Kunden bekommen eine neue SIM-Karte?

In einem ersten Schritt kontaktiert die Swisscom Kunden, die als «digitalaffin» gelten und informiert sie über den bevorstehenden kostenlosen Austausch. Der Start erfolgte im Kanton Zürich. In den kommenden Monaten verteilt die Swisscom mehr als 1 Million SIM-Karten der neusten Generation. Im Jahr 2016 waren in der Schweiz laut offiziellen Zahlen total 11,2 Millionen SIM-Karten in Telefonen im Einsatz.

Was machen die Swisscom-Konkurrenten?

Sunrise gibt seit 2014 entsprechende SIM-Karten heraus und die Kunden können Mobile ID über MySunrise kostenlos aktivieren. Das Login funktioniert bereits bei Postfinance oder bei E-Government-Lösungen der Stadt Zürich. Kunden mit älteren SIM-Karten müssen eine neue kaufen und bezahlen 49 Franken. Noch nicht begonnen hat die Umstellung bei Salt. Klar ist: Die neue SIM-Karte wird kostenpflichtig sein. «Der Preis steht noch nicht fest», teilt Salt mit.

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