Bligg und Co.: «Swisscom verführt zu illegalen Downloads»
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Bligg und Co.«Swisscom verführt zu illegalen Downloads»

In drei Minuten 360 Alben herunterladen: Mit diesem Angebot wirbt die Swisscom für schnelles Internet. Laut dem Verein Musikschaffende Schweiz verführt sie damit zu illegalen Downloads.

von
A.Meili

Mit den neuen Swisscom-Angeboten können Kunden mit 1 Gigabit pro Sekunde surfen. Oder wie der Internetanbieter wirbt: In drei Minuten 360 Alben und in fünf Minuten sieben Filme herunterladen. Dies stösst den Musikschaffenden Schweiz sauer auf. In einer Medienmitteilung schreibt der Verein, in dessen Vorstand Grössen wie Rapper Bligg oder Produzent Roman Camenzind sitzen, dass die Swisscom mit ihrem superschnellen Internet zu Downloads aus illegalen Quellen verführe und so indirekt Piraterie bewerbe.

Diesen Vorwurf kann Swisscom-Sprecher Carsten Roetz nicht nachvollziehen. «Unsere Werbung richtet sich an Kunden, die ganz legal in Onlinestores Musik kaufen», sagt er zu 20 Minuten. Dies steht auch auf den Werbungen des Internetanbieters.

Musik und Filme als Lockmittel

Für Christoph Trummer, Präsident Musikschaffende Schweiz, ist die Botschaft aber trotzdem missverständlich: «Ein Grossteil der Kunden sieht bei der Werbung nur die Anzahl der Filme oder Alben, die er mit dem Angebot schneller herunterladen oder streamen kann – egal, ob legal oder illegal.»

Doch nicht nur die Verführung zu illegalen Downloads kritisiert Trummer. Für ihn nutzen Anbieter gezielt Musik und Filme als Lockmittel, um schnellere Internetangebote zu verkaufen. Denn ist das Internet schneller, können Konsumenten schneller downloaden und streamen. Die Künstler selbst würden davon trotz Klicks auf legalen Plattformen wie Spotify und Youtube finanziell kaum profitieren. «Ausser vielleicht ein Weltstar wie DJ Bobo», so Trummer.

Künstler fordern Entschädigung

Deshalb fordert der Verein von den Internetanbietern eine angemessene finanzielle Beteiligung. «Wir haben die Nase voll davon, dass die Web-Industrie auf unserem Rücken Millionen verdient, ohne uns angemessen zu beteiligen», schreibt er in der Mitteilung. Swisscom-Sprecher Roetz hält eine finanzielle Beteiligung der Anbieter für den falschen Weg. «Die Provider sind nicht verantwortlich dafür, welche Angebote die Konsumenten nutzen. Kosten sollten grundsätzlich verursachergerecht verteilt werden.»

Überhaupt seien die höheren Bandbreiten eine Folge des technischen Fortschritts und nicht des grösseren Angebots an Streamingdiensten im Internet. «Bei allem Verständnis für die Anliegen des Vereins, es kann doch nicht ernsthaft behauptet werden, dass schnelle Internetzugänge nur für das Konsumieren von Musik genutzt werden», so Roetz.

Schwergewichte der Musikszene

Christoph Trummer ist neben seiner Tätigkeit als als Singer/Songwriter Präsident des Vereins Musikschaffende Schweiz. Dieser zählt zahlreiche Schweizer Topacts zu seinen Mitgliedern. Die Liste reicht von jungen Künstlern wie Anna Rossinelli, Dabu Fantastic oder Phenomden bis hinzu Schwergewichten der Musikszene wie Gotthard, Polo Hofer oder DJ Bobo. Im Vorstand des Vereins sitzt neben dem Hitproduzenten und Ex-Subzonic-Mitglied Roman Camenzind auch Erfolgrapper Bligg.

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