Swisscom will 2005 ins TV-Geschäft einsteigen
Aktualisiert

Swisscom will 2005 ins TV-Geschäft einsteigen

Nach langer Vorbereitungszeit hat die Swisscom den Schleier über ihren Fernsehplänen gelüftet. Ab nächstem Jahr will der «Blaue Riese» breit ins TV-Geschäft einsteigen.

Die Konkurrenz befürchtet keine Massenflucht ihrer Kunden.

Der Druck auf die Festnetztelefonie werde immer grösser, sagte Swisscom-Festnetzchef Adrian Bult am Dienstag vor den Medien in Zürich. Neben der Konkurrenz durch alternative Telekomanbieter oder Handygespräche drängten auch die Kabelnetzbetreiber zunehmend in das Internet- und Telefoniegeschäft.

Darum schlägt die Swisscom jetzt in deren Kernbereich zurück und steigt ins TV-Geschäft ein. Ab September können bis zu 630 Testhaushalte in der deutschen Schweiz 4 Monate lang über die Telefonleitung fernsehen.

Relativ teuer

Das Einsteigerabonnement bietet für 14,90 Fr. pro Monat 12 TV- Sender, während das Standardabonnement für 25 Sender 23,90 Fr. monatlich kostet. Zum Vergleich: Die Cablecom verlangt für über 50 TV-Stationen in Zürich 19,50 Franken.

Experten beurteilten das Angebot von Swisscom als relativ teuer. Die Abo-Preise seien ein erster Test, sagte Bult: «Wir behalten uns offen, Anpassungen vorzunehmen.» Auch die Zahl der Sender könnte bis zum Massenstart wachsen.

Locken will der grösste Telekomkonzern der Schweiz die Kunden mit Zusatzfunktionen, wie beispielsweise einem - bereits seit geraumer Zeit von Satellitenschüsseln bekannten - elektronischen TV- Programmführer. Zudem werden 5 Pay-TV-Programme und eine Videothek geboten, aus der Kunden gegen Bezahlung bis zu 300 Filme herunterladen können.

Ebenso können die Kunden Sportübertragungen unterbrechen, während sie auf die Toilette müssen. Sie verpassen dabei nichts, denn die Sendung wird auf einer Festplatte aufgezeichnet und kann später geschaut werden. Solche Festplatten kommen allerdings bereits in herkömmlichen DVD-Rekordern zum Einsatz.

Nichts Neues unter der Sonne

Unter dem Strich bietet die Swisscom nichts, was nicht schon bisher auf dem Markt erhältlich wäre, wie auch ein Swisscom- Verantwortlicher einräumt. Auf die Frage, warum die Kunden also zur Swisscom wechseln sollen, um fernzusehen, nannte Bult unter anderem als Grund die einfache Bedienung: Erstmals würden Fernseher, Aufnahme oder Videothek aus einem Gerät angeboten. Damit muss der Kunde nicht mehr ausser Haus, um sich Filme auszuleihen.

In den Genuss des TV-Angebots kommen vorerst lediglich Kunden der Swisscom-Internettochter Bluewin, die über einen Breitbandanschluss ADSL verfügen. Später werde auch den alternativen Telekomanbietern ein Angebot unterbreitet, sagte Bult.

Bei den Kabelfernsehanbietern nimmt man die neue Konkurrenz der Swisscom ernst, die erstmals in deren Kernbereich eindringt. Allerdings sei das eigene Angebot viel breiter, hiess es. «Wir befürchten keine massive Abwanderung von Kunden», sagte Claudia Bolla-Vincenz, die Geschäftsführerin des Branchenverbandes Swisscable auf Anfrage.

90 Prozent aller Schweizer Haushalte haben gemäss Swisscable heute einen Kabelanschluss. Welchen Marktanteil die Swisscom sich erobern wolle, wollte Bult nicht beziffern.

(sda)

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