Holokratie: Swisscom will die Chefs streichen
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HolokratieSwisscom will die Chefs streichen

Ist es die Arbeitsform der Zukunft oder ein verkapptes Sparprojekt? Bei der Swisscom arbeiten bereits 1500 Mitarbeiter ohne klassische Chefs. Bald sollen es mehr sein.

von
sas
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In einigen Jahren soll die Hälfte der 18'000 Swisscom-Angestellten in «agilen Zusammenarbeitsformen» arbeiten. Heute sind es 1500 Mitarbeitende.

In einigen Jahren soll die Hälfte der 18'000 Swisscom-Angestellten in «agilen Zusammenarbeitsformen» arbeiten. Heute sind es 1500 Mitarbeitende.

Keystone/Samuel Truempy
Bei diesem Modell haben Mitarbeiter die Möglichkeit, sich in die Entscheidungen einzubringen. Die klassische Oben-wird-bestimmt-und-unten-ausgeführt-Organisation wird dabei von einem Mitarbeiterzirkel abgelöst. Das Modell wurde 2015 vom US-Unternehmer Brian Robertson entwickelt und in seiner Software-Firma erstmals eingesetzt.

Bei diesem Modell haben Mitarbeiter die Möglichkeit, sich in die Entscheidungen einzubringen. Die klassische Oben-wird-bestimmt-und-unten-ausgeführt-Organisation wird dabei von einem Mitarbeiterzirkel abgelöst. Das Modell wurde 2015 vom US-Unternehmer Brian Robertson entwickelt und in seiner Software-Firma erstmals eingesetzt.

Keystone/Steffen Schmidt
Bei der Swisscom wird das neue Modell «Scrum», was auf Deutsch Gedränge bedeutet, eingesetzt.

Bei der Swisscom wird das neue Modell «Scrum», was auf Deutsch Gedränge bedeutet, eingesetzt.

Keystone/Peter Schneider

Der Telekomriese Swisscom gibt gern den modernen Arbeitgeber. Das zeigen auch die vielen englischen Begriffe. Beim ehemaligen Staatsbetrieb ist beispielsweise «work anywhere» Trumpf. Das Unternehmen setzt auf Jobsharing, Homeoffice und Co-Working-Spaces. Und neuen Energien tanken die Swisscom-Angestellten im Rahmen des Programms «Move» – mit Aktivitäten von Fussball bis Yoga.

Als modern positioniert sich der Telekomkonzern auch in Sachen Mitarbeiterführung. Wie der «Blick» berichtet, arbeiten bereits 1500 von 18'000 Swisscom-Mitarbeitern in der Schweiz ohne klassische Chefs. In einigen Jahren sollen es sogar mehr als die Hälfte sein, die in «agilen Zusammenarbeitsformen» wirken. Bisher waren solche Modelle vor allem in Start-ups oder Kreativ-Firmen beliebt. Beispielsweise in der Web-Agentur LIIP in Bern, die rund 150 Mitarbeiter zählt.

Bei der Swisscom betont man, dass es auch in den neuen Organisationsformen weiterhin Chefs gebe, die etwa «Strategie festlegen, Budgets sprechen und steuern». Die klassischen Führungsaufgaben wie zum Beispiel das Rekrutieren, die Leistungsbeurteilung oder das Leiten von Meetings würden jedoch auf die mehrere Personen verteilt.

Zudem sei die «agile Organisation» kein Sparprojekt, erklärt die Swisscom. «Wir wollen und müssen schneller und flexibler werden und insgesamt kostengünstiger produzieren. Dazu tragen die neuen agilen Zusammenarbeitsformen bei», sagt Sprecherin Sabrina Hubacher.

Arbeiten ohne Chefs soll Flexibilität bringen

Das Organisationsmodell «jeder ist Chef» wird auch Holokratie genannt und zielt auf grösstmögliche Flexibilität ab. Dabei haben Mitarbeiter die Möglichkeit, sich in die Entscheidungen einzubringen. Die klassische Oben-wird-bestimmt-und-unten-ausgeführt-Organisation wird dabei von einem Mitarbeiterzirkel abgelöst. Das Modell wurde 2015 vom US-Unternehmer Brian Robertson entwickelt und in seiner Software-Firma erstmals eingesetzt.

Bei der Swisscom wird unter anderem das neue Modell «Scrum», was auf Deutsch Gedränge bedeutet, eingesetzt. Dabei sind die Mitarbeiter in Projektteams organisiert, die aus acht Mitarbeitern aus unterschiedlichen Abteilungen bestehen, beispielsweise Design, Entwicklung und Betrieb. Bisher hatten sie kaum miteinander zu tun, weil jeder Bereich zuerst allein am Projekt arbeitete und es erst später an die nächsten Abteilung weitergab. Über den Teams steht in der Hierarchie ein sogenannter «Head of Tribe».

Auch SBB und Credit Suisse schaffen Chefs teilweise ab

Mit neuen Organisationsformen experimentieren auch andere Grosskonzerne. Die Credit Suisse beschäftigt 1500 Personen in sogenannten agilen Organisationsformen, bei der SBB sind es 1200, wie es im «Blick»-Artikel weiter heisst.

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