Aktualisiert 14.04.2019 09:22

SMS 2.0

Swisscom will Whatsapp Konkurrenz machen

Noch dieses Jahr soll der RCS-Standard auf den Markt kommen. Gemäss einem Telekom-Experten sind die Chancen, dass er sich durchsetzt, aber gering.

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roy/doz/vb
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Das Unternehmen bringt einen SMS-Nachfolger auf den Markt: Blick auf das Swisscom-Gebäude in Zürich. (18. August 2016)

Das Unternehmen bringt einen SMS-Nachfolger auf den Markt: Blick auf das Swisscom-Gebäude in Zürich. (18. August 2016)

Keystone/Ennio Leanza
Anfang des Jahres präsentierte die Swisscom ihren Gewinn für 2018: Dieser betrug 1,52 Milliarden Franken – ein Minus von 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Anfang des Jahres präsentierte die Swisscom ihren Gewinn für 2018: Dieser betrug 1,52 Milliarden Franken – ein Minus von 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Keystone/Melanie Duchene
CEO Urs Schaeppi: «Swisscom hat die gesetzten Ziele erreicht und in einem anspruchsvollen Marktumfeld erneut mit einer soliden Leistung überzeugt.»

CEO Urs Schaeppi: «Swisscom hat die gesetzten Ziele erreicht und in einem anspruchsvollen Marktumfeld erneut mit einer soliden Leistung überzeugt.»

SMS, Short Message Service, war gestern. Telekom-Anbieter überall auf der Welt ersetzen den Dienst nach und nach mit RCS, Rich Communication Services, die oft auch SMS Standard 2.0 genannt werden. Auch die Swisscom arbeitet daran, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet.

Mit RCS kann über die normale Nachrichtenfunktion des Telefons, mit der normalerweise SMS verschickt werden, kommuniziert werden. Dies beinhaltet Textnachrichten, Videotelefonie und Sprachnachrichten. Ebenfalls ist es möglich, Chat-Gruppen zu erstellen und Emojis zu verschicken.

«Swisscom kommt viel zu spät»

Der Vorteil dabei ist, dass keine zusätzliche App installiert werden muss. Ausserdem können grosse Internetkonzerne wie Facebook oder Google keine persönlichen Daten über RCS sammeln. Dies würde die SMS-Funktion von Telefonen, die mittlerweile 30 Jahre alt ist und bei der es noch immer eine Zeichenbeschränkung von 160 Zeichen gibt, abschaffen.

Gemäss Telekom-Experte Ralf Beyeler von Moneyland.ch sind die Chancen, dass sich RCS gegen Whatsapp durchsetzen wird, allerdings gering. «Die Swisscom kommt viel zu spät damit, und Whatsapp ist einfach zu stark etabliert», sagt er zu 20 Minuten.

Eine weitere Hürde: Bei der Kommunikation per RCS muss der Gesprächspartner einen Provider haben, der ebenfalls RCS anbietet. Konkret: Swisscom-Kunden könnten nur mit anderen Swisscom-Kunden RCS-Nachrichten austauschen. Ist das nicht der Fall, wird die Message in ein normales SMS umgewandelt. «Und wer will schon eine Nachricht aus dem Steinzeitalter», kommentiert Beyeler.

Einführung noch 2019

Die Swisscom will diese Technologie noch in diesem Jahr einführen. Dies ist problemlos möglich, da RCS auf praktisch allen Smartphones läuft. Viele Android-Geräte verfügen bereits über diesen Standard. Apple hat sich noch nicht entschieden, ob das Unternehmen nachziehen wird. Bisher nutzen iPhones den eigenen iMessage-Dienst für das Versenden von Nachrichten. Es ist aber absehbar, dass dies früher oder später geschehen wird, da grosse Telekommunikationsfirmen wie AT&T oder Vodafone auf RCS umstellen und es sich dabei um die besten Kunden Apples handelt.

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