Aktualisiert 23.05.2018 16:07

ETH-Vision

Swissloop bringt Pakete in 15 Minuten in die Städte

Die ETH Zürich plant eine Hyperloop-Version für die Schweiz. Die unterirdische Güterbahn soll Pakete in der Vakuumröhre blitzschnell ausliefern.

von
jcg/fee

Das sind die Ziele von Swissloop (Video: Fee Riebeling mit Material der ETHZ)

Die Vision des ETH-Studententeams Swissloop tönt verlockend. In Zukunft soll ein Netz von Vakuumröhren die grossen Schweizer Städte mit einem zentralen Logistikzentrum verbinden. In den Röhren mit einem Durchmesser von einem Meter sollen Transportkapseln, sogenannte Pods, Güter mit nahezu Schallgeschwindigkeit an ihr jeweiliges Ziel bringen. So sollen Pakete grosse Städte wie Genf, Bern oder Lugano in gerade einmal 15 Minuten erreichen. Die Feinverteilung würden dann Drohnen, E-Autos oder Velokuriere übernehmen (siehe Video).

Der nächste Schritt hin zur Verwirklichung der Vision steht im Juli an. Dann stellt sich das Swissloop-Team in Kalifornien bei der Hyperloop Pod Competition der internationalen Konkurrenz. Der Wettbewerb wird vom geistigen Vater des Hyperloop-Konzepts, dem Unternehmer Elon Musk, persönlich ausgerichtet. Für das Swissloop-Team ist es bereits die zweite Teilnahme. Im Sommer 2017 erreichte man mit dem ersten Prototyp namens Escher den dritten Platz.

5g-Verzögerung

Für den diesjährigen Wettbewerb haben die Studierenden eine komplett neue Transportkapsel entwickelt. Sie wurde am Mittwoch im Innovationspark Zürich in Dübendorf erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Der 3,5 Meter lange Pod verfügt über 4 Elektromotoren mit einer Leistung von 540 PS.

Die Energie kommt von 2 Lithium-Ionen-Batterien mit total 540 Zellen und einer Kapazität von über 1500 iPhone-Batterien. Zwei hydraulische Bremsen verzögern die 320 Kilogramm schwere Kapsel mit 5g, also dem Fünffachen der Erdbeschleunigung. Finanziert wurde der Pod wie schon sein Vorgänger grösstenteils aus der Industrie.

Schweizer Meisterin als Namenspatin

Der neue Pod, mit dem Elon Musks Geschwindigkeitswettbewerb gewonnen werden soll, trägt den Namen Mujinga. Den Namen erhielt er zu Ehren der Schweizer Leichtathletin Mujinga Kambundji. Mit 11,07 Sekunden für 100 Meter ist sie die schnellste Schweizerin aller Zeiten.

Zudem beträgt die Endgeschwindigkeit der Sprinterin rund 40 km/h. Das ist genau so schnell wie der Pod beim letztjährigen Wettbewerb. Kambundji selber ist Feuer und Flamme für das Projekt. «Als wir sie gefragt haben, war sie total begeistert», sagt Ilyas Besler, Technischer Leiter von Swissloop.

1 / 8
Mit dem neuen Pod will Swissloop im Juli 2018 den Hyperloop Pod Competition von Elon Musk in Los Angeles gewinnen.

Mit dem neuen Pod will Swissloop im Juli 2018 den Hyperloop Pod Competition von Elon Musk in Los Angeles gewinnen.

20M
Getauft wurde der neue Pod auf den Namen Mujinga, zu Ehren der schnellsten Schweizerin, der Sprinterin Mujinga Kambundji.

Getauft wurde der neue Pod auf den Namen Mujinga, zu Ehren der schnellsten Schweizerin, der Sprinterin Mujinga Kambundji.

20M
Erstmals wurde Mujinga im Innovationspark Zürich in Dübendorf der Öffentlichkeit vorgestellt.

Erstmals wurde Mujinga im Innovationspark Zürich in Dübendorf der Öffentlichkeit vorgestellt.

20M

Schneller als 324 km/h

Die 40 km/h sollen nun um ein Vielfaches übertroffen werden. Das letztjährige Siegerteam der TU München erreichte 324 km/h. Diese Marke gilt es mindestens zu knacken. Swissloop tritt gegen 20 Studententeams an. Diese wurden aus 1000 Bewerbern für den Wettbewerb auf dem Gelände des Raumfahrtunternehmens SpaceX eingeladen. Darunter befindet sich erstmals auch ein Team der ETH Lausanne (siehe Box).

Eine Woche lang werden die Pods in Kalifornien unter den Augen von Musks Experten getestet. Die besten drei dürfen dann am 22. Juli durch die 1,25 Kilometer lange Vakuumröhre rasen. Das ETH-Team ist zuversichtlich, dass es diese letzte Hürde schaffen wird. «Wir haben in diesem Jahr sehr viel dazugelernt und konnten in Gegensatz zum letzten Mal alle Teilsysteme vorab testen», erklärt Besler.

Die ETH-Studenten hoffen nun auf die Wirtschaft, um ihr Projekt für eine Art moderne Rohrpost für die Schweiz verwirklichen zu können. «Um unsere Vision voranzutreiben, sind wir auf Kooperationen mit der Wirtschaft angewiesen», sagt Luca di Tizio, Vorstandsmitglied von Swissloop. «Mit einigen potenziellen Partnern sind wir bereits in Kontakt.»

Wissen-Push

Abonnieren Sie in der 20-Minuten-App die Benachrichtigungen des Wissen-Kanals. Sie werden über bahnbrechende Erkenntnisse und Entdeckungen aus der Forschung, Erklärungen zu aktuellen Ereignissen und kuriose Nachrichten aus der weiten Welt der Wissenschaft informiert. Auch erhalten Sie Antworten auf Alltagsfragen und Tipps für ein besseres Leben.

Und so gehts: Installieren Sie die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippen Sie rechts oben auf das Menüsymbol, dann auf das Zahnrad. Wenn Sie dann nach oben wischen, können Sie die Benachrichtigungen für den Wissen-Kanal aktivieren.

EPFLoop

An der dritten Austragung des Wettbewerbs Hyperloop Pod Competition ist auch ein Team der ETH Lausanne (EPFL) dabei. Das Projekt EPFLoop hat dabei einen Trumpf im Ärmel. Die EPFL forschte in den 1990er-Jahren an der Swissmetro. Das Konzept sah eine magnetische Schwebebahn vor, die in einem Tunnel mit kleinem Durchmesser vollständig unterirdisch und mit Geschwindigkeiten von über 400 km/h verkehren sollte. Die damals gesammelten Erfahrungen sollen EPFLoop nun den entscheidenden Vorteil in Elon Musks Wettbewerb verschaffen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.