Imam-Ausbildung: Swissness-Kurs für Imame
Aktualisiert

Imam-AusbildungSwissness-Kurs für Imame

In den islamischen Gebetshäusern der Schweiz predigen fast ausschliesslich ausländische Imame. Das kann zu Konflikten führen oder gar den Extremismus fördern. Die Lösung wäre eine Schweizer Imam-Ausbildung. Ein erstes Pilotprojekt läuft, hat aber kaum Teilnehmer.

von
Lukas Mäder

Seit einem Monat läuft die Ausbildung: Die ersten muslimischen Imame, die in der Schweiz tätig sind, besuchen zusammen mit christlichen Funktionsträgern in Winterthur einen Kurs der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Der Kurs wendet sich an Angehörige aller Religionen und will interkulturelle und interreligiöse Kompetenz lehren. So gehören Einführungen in das Christentum und den Islam zum Kursprogramm, aber auch die Kommunikation gegenüber der weltlichen Gemeinde und den Medien.

Kaum Teilnehmer in Winterthur und Freiburg

Doch der Lehrgang ist schlecht besucht: Nur acht Teilnehmer fanden sich, geplant waren eigentlich rund doppelt so viele. Die Universität Freiburg, welche ein ähnliches Projekt hatte, musste den angekündigten zweisemestrigen Zertifikatslehrgang Islam, Muslime und Zivilgesellschaft auf einen dreitägigen Kurs reduzieren. Grund war die geringe Zahl von Anmeldungen, weshalb der Lehrgang nicht mehr zu finanzieren war. Für diese schwache Resonanz auf die neuen Angebote gibt es mehrere Gründe, Desinteresse gehört nicht dazu. «Im Gespräch zeigten sich alle begeistert vom Angebot und wollten mitmachen», sagt Christiane Hohenstein, Leiterin des Zentrums Interkulturelle Kompetenz an der ZHAW. Es sei aber nicht einfach gewesen, alle unterschiedlichen islamischen Gemeinden zu erreichen. «Wir mussten im persönlichen Gespräch unser Angebot bekannt machen.» Hohenstein ist für die Zukunft optimistisch: «Wenn wir ein Beziehungsnetz aufgebaut haben, wird es einfacher.»

Der Fachhochschul-Kurs will islamische Imame integrieren. Er kann als Vorform einer Imam-Ausbildung in der Schweiz gesehen werden. Denn heute fehlen den Imamen in der Schweiz meist die Kenntnisse der hiesigen Kultur und der schweizerischen Verhältnisse, da sie nicht hierzulande aufgewachsen sind. Auch fehlende Deutschkenntnisse können zu Missverständnissen und Konflikten führen. Deshalb ist ein Deutschcoaching Bestandteil des Kurses in Winterthur. Das genügt aber nicht: «Wir konnten nicht alle Interessierten aufnehmen, weil die Deutschkenntnisse teilweise noch nicht ausreichten», sagt Hohenstein.

Islamische Vereine haben kaum Geld für Kurskosten

Ein weiterer Grund für die geringe Teilnehmerzahl sind auch die Kurskosten. «Wir haben in Gesprächen zu hören bekommen, dass die 2500 Franken für die Gemeinden nicht einfach aufzubringen sind», sagt Hohenstein. Viele islamische Gemeinden seien finanziell nicht besonders gut situiert. Das stellt die Einführung eines solchen Lehrgangs vor Probleme: Denn das jetzige Pilotprojekt ist vom Bund und dem Kanton St. Gallen subventioniert. Ohne diese finanzielle Unterstützung würde der Kurs rund 5000 Franken kosten, was für die meisten islamischen Gemeinden definitiv unbezahlbar wäre.

Eine weitere Erklärung für die geringen Teilnehmerzahlen hat Ulrich Rudolph von der Universität Zürich: «Das Zielpublikum weiss nicht, was ihm dieser Lehrgang bringt, weil er etwas quer in der Landschaft steht», sagt der Islamwissenschaftler. Er hat Ende Juli die Ergebnisse einer Befragung veröffentlicht, die die Universität Zürich bei Exponenten der islamischen Gemeinden durchgeführt hatte (20 Minuten Online berichtete). Längerfristig seien Zusatzlehrgänge wie die aktuellen Zusatzausbildungen nicht die Lösung, sagt Rudolph. «Das sind zwar noble Absichten, es braucht aber eine universitäre Imam-Ausbildung.»

Imam-Ausbildung könnte Diskussion versachlichen

Das Bedürfnis für eine Imam-Ausbildung an einer Schweizer Universität sei gegeben, zeigt Rudolphs Umfrage. Er glaubt, dass mit einer solchen öffentlich zugänglichen Bildungsinstitution auch eine Versachlichung der Diskussion um den Islam stattfinden würde. «Es gibt Verständnisprobleme auf beiden Seiten, bei den Schweizer Politikern wie bei den Muslimen», sagt Rudolph. Deshalb würde in der Schweiz nur über Randphänomene des Islam in der Schweiz diskutiert wie der Besuch des Schwimmunterrichts oder das Kopftuch an der Migros-Kasse.

Der ist in der islamischen Welt der Vorbeter, der das gemeinschaftliche Ritualgebet leitet. Vor allem in Ländern ausserhalb der islamischen Welt kommen ihm aber noch weitere Funktionen zu, als Gemeindeleiter und Brückenbauer zur nichtislamischen Mehrheit. Im Koran bedeutet der Imam soviel wie Vorbild oder Führer. Er führt die Gläubigen während des Gebets und unterweist sie in den Riten. Dazu steht beziehungsweise sitzt er, mit Blickrichtung nach Mekka und den Rücken zu den übrigen Gemeindemitglieder gewandt, vor der ersten Reihe der Betenden. In Westeuropa ist das Betätigungsfeld des Imams breiter und keineswegs rein religiös. Die Muslime in der Schweiz wünschen sich als Imam ein «Multitalent», der ähnliche Funktionen wie ein christlicher Pfarrer übernimmt, hat eine Studie gezeigt (20 Minuten Online berichtete). Als Gemeindeleiter soll der Imam religiöser Spezialist, Seelsorger, Sozialarbeiter, Integrationsfigur und «Brückenbauer» zwischen der muslimischen Gemeinschaft und der Gesamtgesellschaft sein. Er soll Kontakt zu Behörden und anderen Religionsgemeinschaften unterhalten. Er soll die Muslims würdig vertreten und ihnen gesellschaftliche Anerkennung verschaffen. Gleichzeitig soll er das Leben der Muslime in der Schweiz gut kennen, um ihnen einen authentischen Islam, aber auch einen Islam für die Schweiz vermitteln zu können. (sda)

Der ist in der islamischen Welt der Vorbeter, der das gemeinschaftliche Ritualgebet leitet. Vor allem in Ländern ausserhalb der islamischen Welt kommen ihm aber noch weitere Funktionen zu, als Gemeindeleiter und Brückenbauer zur nichtislamischen Mehrheit. Im Koran bedeutet der Imam soviel wie Vorbild oder Führer. Er führt die Gläubigen während des Gebets und unterweist sie in den Riten. Dazu steht beziehungsweise sitzt er, mit Blickrichtung nach Mekka und den Rücken zu den übrigen Gemeindemitglieder gewandt, vor der ersten Reihe der Betenden. In Westeuropa ist das Betätigungsfeld des Imams breiter und keineswegs rein religiös. Die Muslime in der Schweiz wünschen sich als Imam ein «Multitalent», der ähnliche Funktionen wie ein christlicher Pfarrer übernimmt, hat eine Studie gezeigt (20 Minuten Online berichtete). Als Gemeindeleiter soll der Imam religiöser Spezialist, Seelsorger, Sozialarbeiter, Integrationsfigur und «Brückenbauer» zwischen der muslimischen Gemeinschaft und der Gesamtgesellschaft sein. Er soll Kontakt zu Behörden und anderen Religionsgemeinschaften unterhalten. Er soll die Muslims würdig vertreten und ihnen gesellschaftliche Anerkennung verschaffen. Gleichzeitig soll er das Leben der Muslime in der Schweiz gut kennen, um ihnen einen authentischen Islam, aber auch einen Islam für die Schweiz vermitteln zu können. (sda)

Der ist in der islamischen Welt der Vorbeter, der das gemeinschaftliche Ritualgebet leitet. Vor allem in Ländern ausserhalb der islamischen Welt kommen ihm aber noch weitere Funktionen zu, als Gemeindeleiter und Brückenbauer zur nichtislamischen Mehrheit. Im Koran bedeutet der Imam soviel wie Vorbild oder Führer. Er führt die Gläubigen während des Gebets und unterweist sie in den Riten. Dazu steht beziehungsweise sitzt er, mit Blickrichtung nach Mekka und den Rücken zu den übrigen Gemeindemitglieder gewandt, vor der ersten Reihe der Betenden. In Westeuropa ist das Betätigungsfeld des Imams breiter und keineswegs rein religiös. Die Muslime in der Schweiz wünschen sich als Imam ein «Multitalent», der ähnliche Funktionen wie ein christlicher Pfarrer übernimmt, hat eine Studie gezeigt (20 Minuten Online berichtete). Als Gemeindeleiter soll der Imam religiöser Spezialist, Seelsorger, Sozialarbeiter, Integrationsfigur und «Brückenbauer» zwischen der muslimischen Gemeinschaft und der Gesamtgesellschaft sein. Er soll Kontakt zu Behörden und anderen Religionsgemeinschaften unterhalten. Er soll die Muslims würdig vertreten und ihnen gesellschaftliche Anerkennung verschaffen. Gleichzeitig soll er das Leben der Muslime in der Schweiz gut kennen, um ihnen einen authentischen Islam, aber auch einen Islam für die Schweiz vermitteln zu können. (sda)

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