Lieferprobleme: Swisspass wochenlang verspätet – «Chip-Krise ist noch lange nicht vorbei»

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LieferproblemeSwisspass wochenlang verspätet – «Chip-Krise ist noch lange nicht vorbei»

Wegen fehlender Elektrochips gibts massive Verzögerungen bei der Swisspass-Karte. China ist wieder im Lockdown. Bestimmte Geräte könnten deshalb noch drei Jahre rar sein.

von
Fabian Pöschl
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Wer zum ersten Mal ein ÖV-Abo bestellt, muss nun lange auf den Swisspass warten.

Wer zum ersten Mal ein ÖV-Abo bestellt, muss nun lange auf den Swisspass warten.

20min/Marvin Ancian
Die SBB informiert betroffene Kundinnen und Kunden, dass die Verzögerung bis zu acht Wochen dauern kann.

Die SBB informiert betroffene Kundinnen und Kunden, dass die Verzögerung bis zu acht Wochen dauern kann.

News-Scout
Laut der Allianz Swisspass sind rund 50’000 Personen betroffen.

Laut der Allianz Swisspass sind rund 50’000 Personen betroffen.

20min/Matthias Spicher

Darum gehts

News-Scout T.* wollte kürzlich einen Swisspass bestellen, doch statt der Karte erhielt er ein Entschuldigungsschreiben der SBB. Sein Swisspass verzögere sich um vier bis acht Wochen, schreibt das SBB Contact Center.

Grund für die Verspätung sei ein Lieferengpass von Elektrochips. Mit diesen kann der Kondukteur oder die Kondukteurin die Abos auf dem Swisspass kontrollieren. Die Abos der Leserin und des Lesers bleiben gültig, er müsse sich nun aber am Schalter einen Übergangs-Swisspass aus Papier besorgen. Dieser ist neu 60 statt 14 Tage gültig.

50’000 Personen betroffen

Die SBB verweist auf Anfrage an die ÖV-Branchenorganisation Alliance Swisspass. Laut deren Mediensprecher Thomas Ammann sind nur die Kundinnen und Kunden betroffen, die zum ersten Mal ein ÖV-Abo auf dem Swisspass bestellen – rund 50'000 Personen oder weniger als ein Prozent aller Kartenbesitzenden.

Das Lieferproblem bestehe seit Ende August. Die Lieferverzögerung der Chips habe sich aber schon im Frühling abgezeichnet, als die Produktion in Asien nicht gut lief. Ammann rechnet damit, dass die Probleme spätestens 2023 behoben sind.

Allerdings hat China erst am Donnerstag, wie schon ein paarmal zuvor wegen seiner Null-Covid-Politik in zahlreichen Städten Lockdowns verhängt (siehe Box). Das führte bereits in den letzten Jahren zu massiven Lieferproblemen, etwa bei der Playstation 5 und anderen Geräten.

Chinas Null-Corona-Politik

Auch diesmal ist Shenzhen im Lockdown. Die Stadt ist eine der wichtigsten Produktionszentren der Technikwelt, sagt Gerrit Harbers, COO, des Netzwerktechnikherstellers Devolo, zu 20 Minuten. «Ein Lockdown wird weltweit Auswirkungen auf die Lieferketten haben», so Harbers. Devolo habe das Risiko aber rechtzeitig erkannt und sei dank langfristiger Produktions- und Risikoplanung lieferfähig. 

«Die Abhängigkeit von einem Produktionsstandort kann gefährlich werden», sagt der Schweizer IT-Experte Röbi Weiss. Auf die Lieferschocks finde nun aber ein Umdenken statt, wie vor einiger Zeit nach einem Erdbeben in Japan. «Firmen wie Apple, aber auch chinesische Produzenten bauen nun Produktionsstandorte in Vietnam und Indien auf.» Auch die EU und USA wollen mit Milliardenprogrammen eigene Chips produzieren.

Warst du auch schon von den Chip-Lieferproblemen betroffen?

Die Probleme in den Lieferketten für Elektro-Chips hätten sich deswegen aber noch nicht beruhigt. Bis die Standorte fertig sind, dauere es mehrere Jahre. «Die Chip-Krise ist noch lange nicht vorbei. Es kann sein, dass es noch drei Jahre Engpässe gibt und bestimmte Produkte deshalb nicht erhältlich sind», so Weiss. Sollte der Konflikt zwischen China und Taiwan aber noch eskalieren, wäre noch mit viel mehr Verzögerung zu rechnen.

*Name der Redaktion bekannt

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