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Kampagne «Huhngesund»Swissveg warnt vor tödlichem Poulet-Konsum

Nach der Grill-Kampagne des Bundes warnt nun auch Swissveg vor Geflügel. Wegen Antibiotika-resistenter Keime könne der Konsum tödlich enden. Ein Experte pflichtet bei.

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sul
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Drei von vier Poulet-Erzeugnissen enthalten Antibiotika-resistente Keime.

Drei von vier Poulet-Erzeugnissen enthalten Antibiotika-resistente Keime.

Kazzakova
Oft sind die Poulet-Erzeugnisse mit Keimen kontaminiert, obwohl das Tier nie mit Antibiotika in Berührung kam. «Die Hühner übertragen die Bakterien via Brutei auf ihre Küken», sagt Swissveg-Präsident Renato Pichler.

Oft sind die Poulet-Erzeugnisse mit Keimen kontaminiert, obwohl das Tier nie mit Antibiotika in Berührung kam. «Die Hühner übertragen die Bakterien via Brutei auf ihre Küken», sagt Swissveg-Präsident Renato Pichler.

Keystone/Gaetan Bally
Die Bakterien werden durch den Fleischkonsum und die Fleischzubereitung vom Tier auf den Menschen übertragen werden.

Die Bakterien werden durch den Fleischkonsum und die Fleischzubereitung vom Tier auf den Menschen übertragen werden.

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Mit der Kampagne «Sicher geniessen» rief Anfang Mai bereits das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) zu einer verstärkten Hygiene beim Grillieren auf. Jährlich gebe es bis zu 10'000 Fälle von Erkrankungen, die durch Lebensmittel verursacht würden – etwa weil rohes Poulet und bereits Gekochtes nicht getrennt würden.

Noch eindringlicher vor dem Geflügelkonsum warnt nun die Kampagne «Huhngesund» der Vegetarier- und Veganer-Organisation Swissveg. Der Grund: Drei von vier Schweizer Poulet-Erzeugnissen würden Antibiotika-resistente ESBL-Keime enthalten. «Sie stellen ein grosses Risiko für die Gesundheit dar», sagt Swissveg-Präsident Renato Pichler. Bei einer Erkrankung könne die Behandlung aufgrund der Antibiotika-Resistenz massiv erschwert werden. «Selbst kleine Infektionen können so tödlich enden.»

Bakterien von Generation zu Generation weitergegeben

ESBL-Bakterien seien in den letzten Jahren zunehmend auch bei gesunden Nutztieren und insbesondere bei Geflügel nachgewiesen worden. «Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass die Keime durch den Fleischkonsum und die Fleischzubereitung vom Tier auf den Menschen übertragen werden», erklärt Pichler.

Oft seien die Poulet-Erzeugnisse mit Keimen kontaminiert, obwohl das Tier nie mit Antibiotika in Berührung kam. «Die Hühner übertragen die Bakterien via Brutei auf ihre Küken», sagt Pichler. Einmal in der Mastherde angekommen, verbreiteten sich die resistenten Bakterien unter den Tieren rasch durch das Picken von Kot.

Da die Resistenzen bereits im Ausland entstehen und zu uns importiert würden, könnten die besten Schweizer Tierschutzgesetze nichts gegen sie ausrichten, sagt Pichler. «Man müsste zusätzlich ganz zuoberst in der Geflügelproduktions-Pyramide intervenieren, indem kein Antibiotika mehr zum Einsatz kommt.» Ganz zuoberst stehen die internationalen Zuchtbetriebe, die die Hybridzucht von Masttieren kontrollieren.

Dass sich dort so schnell etwas ändert, bezweifelt Pichler jedoch. Deshalb gibt es für ihn nur eine Lösung: «Poulet ist ein hochgefährliches Lebensmittel und hat in Schweizer Küchen nichts verloren. Es muss vom Markt verbannt werden.»

Durchbraten, Geschirr trennen, Hände waschen

Laut Joachim Frey, emeritierter Professor für Veterinärbakteriologie an der Universität Bern, machen die Antibiotika-resistenten Bakterien nicht direkt krank. «Sie können aber lebensbedrohlich werden, wenn sie zum Beispiel nach einer Operation in die Blutbahn gelangen», erklärt Frey. Solche Blutvergiftungen liessen sich zum Teil nicht mehr mit Antibiotika behandeln.

Der Entwicklung der ESBL-Bakterien sieht Frey besorgt entgegen: «Multiresistente Keime in Geflügelerzeugnissen haben in den vergangenen zehn Jahren um ein Zehnfaches zugenommen.» Der Vorstellung, dass Herr und Frau Schweizer den Kauf von Geflügel boykottierten, kann Frey durchaus etwas abgewinnen: «Dann kämen die Züchter immerhin unter Druck und würden vielleicht endlich auf den Einsatz von Antibiotika verzichten.»

Poulet-Fleisch müsse stets gut durchgebraten oder gekocht sein, damit sämtliche Keime abgetötet werden. Zudem empfiehlt Frey den Konsumenten, separates Geschirr für die Zubereitung von Fleisch und von Kaltspeisen wie Salat zu verwenden. Nach dem Kontakt mit dem Poulet solle man die Hände gut waschen, bevor andere Speisen berührt werden. «Vor allem in Süssspeisen können sich die Bakterien schnell vermehren», erklärt Frey. Er räumt aber ein: «Beim Grillieren im Sommer kann man nicht so hygienisch arbeiten wie in einem Spital.»

Was sind ESBL?

Antibiotikaresistenz, welche vor allem bei Darmbakterien auftritt. ESBL steht für «Extended-Spectrum Beta-Laktamase». Das sind Enzyme, welche bestimmte Antibiotika wie Penicilline und Cephalosporine zerstören. Keime, die diese Enzyme produzieren, sind gegenüber einer Vielzahl von wichtigen Antibiotika resistent.

700 unterschiedliche Varianten von ESBL bekannt, die je nach Herkunft der produzierenden Keime in unterschiedlicher Häufigkeit gefunden werden.

drei von vier Poulets mit ESBL-Keimen infiziert. Auf letztere Untersuchung beruft sich auch Swissveg in seiner Kampagne.

Quelle: Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV)

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