Basler Herbstmesse: «Symbol für Rassismus» – Flagge sorgt für Empörung

Publiziert

Basler Herbstmesse«Symbol für Rassismus» – Flagge sorgt für Empörung

Ein Schausteller an der Basler Herbstmesse schmückt seine Wildwest-Achterbahn mit der amerikanischen Südstaaten-Fahne. Eine junge Amerikanerin reagiert entsetzt.

von
lha/daf
1 / 3
«Ich weiss nicht, ob der Betreiber des Fahrgeschäfts weiss, wofür die Flagge steht», schrieb die Leser-Reporterin zu ihrem Schnappschuss.

«Ich weiss nicht, ob der Betreiber des Fahrgeschäfts weiss, wofür die Flagge steht», schrieb die Leser-Reporterin zu ihrem Schnappschuss.

Leser-Reporter
Stein des Anstosses ist die Beflaggung des Saloons der Wildwest-Achterbahn auf dem Petersplatz in Basel.

Stein des Anstosses ist die Beflaggung des Saloons der Wildwest-Achterbahn auf dem Petersplatz in Basel.

Leser-Reporter
Dieser ist mit vier Konföderierten-Fahnen geschmückt. Für die 28-jährige, die in Basel ihren Master macht, ist das eine Beleidigung: «Für mich steht die Flagge für Rassismus und Unterdrückung.»

Dieser ist mit vier Konföderierten-Fahnen geschmückt. Für die 28-jährige, die in Basel ihren Master macht, ist das eine Beleidigung: «Für mich steht die Flagge für Rassismus und Unterdrückung.»

20 Minuten/daf

«Für mich steht die Flagge für Rassismus und Unterdrückung», sagt die 28-jährige Amerikanerin. Die Masterstudentin erschrak, als sie über den Petersplatz schlenderte, wo zurzeit Schausteller mit den letzten Vorbereitungen für die 547. Basler Herbstmesse beschäftigt sind, die am Samstag eingeläutet wird. Die Kinder-Achterbahn Silvermine auf der Platzmitte ist mit vier Konföderierten-Flaggen geschmückt.

Die Achterbahn ist im Wildwest-Thema gehalten und soll an die Zeit der Minenschürfer erinnern. Für die Amerikanerin ist das aber keine Entschuldigung. «Die Flagge wird auch vom Ku-Klux-Klan benutzt», so die Leserin. Das Ziel des Bahnbetreibers sei wohl gewesen, ein Symbol aus den USA zu zeigen, das mit Wildem Westen zu tun hat. «Aber bitte nicht diese Fahne. Ich empfinde sie als beleidigend.»

«Gab noch nie Beschwerden»

Der Bahnbetreiber, die Firma Zanolla, wollte sich zur Thematik gegenüber 20 Minuten nicht äussern. Daniel Arni, Leiter Messen und Märkte beim Kanton Basel-Stadt, sagt auf Anfrage, dass bislang noch keine Beschwerden deswegen bei ihm eingegangen seien. Auch nicht andernorts. Die kleine Achterbahn von Zanolla ist das Jahr hindurch in der ganzen Schweiz unterwegs.

Die Kriegsflagge der US-Südstaaten wird in der Schweiz meist als Lifestyle-bezogene Dekoration verwendet, häufig zum Beispiel an Country-Veranstaltungen. Spätestens seit dem Kirchenmassaker von Charleston am 17. Juni 2015, als ein 21-jähriger Rassist neun Afroamerikaner erschoss, entbrannte in den USA eine Kontroverse um die Flagge. Auch prominente Republikaner wie Mitt Romney bezeichneten sie als «Symbol rassistischen Hasses».

«Fahnen sollen weg»

«Seit Charleston sollte die Thematik wieder im kollektiven Bewusstsein sein», sagt auch Mirjam Kohler, Präsidentin der Juso Basel-Stadt. Sie findet, die historischen Bezüge der Flagge sollten zum Allgemeinwissen gehören. «Die Fahnen sollten weg», fordert sie.

Auch SVP-Grossrat Pascal Messerli hat Verständnis für die Reaktion der empörten Amerikanerin. «Nach den schrecklichen Rassismusvorfällen, die sich in den USA in jüngster Vergangenheit ereigneten, kann ich nachvollziehen, dass Amerikaner da emotional berührt sind.» Er verstehe aber auch den Bahnbetreiber, der die Fahnen wohl ohne böse Absicht gehisst habe.

«Jeder muss wissen, wofür die Fahne steht»

Dieses Argument kann die afroamerikanische Musikerin Anna Dell'Era nicht nachvollziehen. «Diese Fahne ist für mich eine Beleidigung. In ganz Amerika werden Konföderierten-Fahnen entfernt, weil sie ein Symbol der Unterdrückung der Schwarzen sind», sagt die Expat aus North Carolina. Für sie ist deshalb klar: «Diese Fahnen müssen runter.» Sie werde auch persönlich protestieren gehen, wenn sie bei Messebeginn immer noch hängen.

Deine Meinung