Syna gibt Migros einen Korb
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Syna gibt Migros einen Korb

Die Migros verliert eine wichtige Sozialpartnerin. Die Gewerkschaft Syna beteiligt sich nicht mehr am neuen Landes- Gesamtarbeitsvertrag (L-GAV). Die Fronten sind verhärtet.

Syna-Verhandlungsleiter Josef Lustenberger erklärte am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA, der wesentliche Grund für den Rückzug der Syna sei das unterschiedliche Verständnis von Sozialpartnerschaft.

Die Migros habe nicht gemeinsam mit der Gewerkschaft Lösungen erarbeiten wollen, sondern fertige Lösungen zur Genehmigung vorgelegt. Nur auf äussersten Druck habe sich die Migros jeweils bewegt.

Die Migros bedauerte in einer Mitteilung den Entscheid. Sie hoffe, dass Syna auf den Entscheid zurückkommen werde, schreibt das rund 60 000 Angestellte zählende Unternehmen.

Angespannte Sozialpartnerschaft

Gespräche zwischen Syna und Migros sind laut übereinstimmenden Angaben im Moment nicht geplant. Der L-GAV ist unterschriftsbereit. Der Grossverteiler werde erst wieder informieren, wenn der L-GAV unterschrieben sei. Dies werde vermutlich im Herbst sein, erklärte eine Migros-Sprecherin auf Anfrage.

Als Sozialpartner werden den L-GAV vermutlich KV Schweiz, der Metzgerei-Personal-Verband und die Landeskommission der Migros-Gruppe unterzeichnen. Syna wird laut Lustenberger nicht unterschreiben. Dennoch wird der Vertrag voraussichtlich auf 1.1.2007 in Kraft treten.

Die Syna war im September 2003 auf ihr Gesuch in den bestehenden L-GAV der Migros (2003-2006) aufgenommen worden. In den seit einem Jahr laufenden Verhandlungen zum neuen L-GAV (2007-2011) sei die Syna stets als harte aber faire Partnerin aufgetreten, schreibt die Migros.

«Wir haben auf verschiedenen Ebenen erfolgreich zusammengearbeitet, stets in gegenseitiger Wertschätzung. Deshalb sind wir über diesen plötzlichen Entscheid sehr überrascht», erklärte Migros-Chef Herbert Bolliger.

Auch Unia im Abseits

Nicht überrascht über den Verzicht von Syna zeigte sich Robert Schwarzer, Verantwortlicher Detailhandel bei der Gewerkschaft Unia, auf Anfrage. Damit bestätige sich die «anti-gewerkschaftliche Haltung» der Migros. Den jetzigen Vertragspartnern der Migros fehle jeder Biss.

Der Unia sei vor rund einem Jahr Ähnliches widerfahren. Unia habe damals Ja zum GAV und damit zur Friedenspflicht gesagt. Die Migros habe aber im Nachhinein in einem Zusatzprotokoll zusätzlich der Gewerkschaft mit dem Ausschluss jeglicher öffentlicher Auseinandersetzungen einen Maulkorb auferlegen wollen. Dies lehnte die Gewerkschaft aber ab.

Im Unterschied zum GAV beim Grossverteiler Coop beeinhaltet der L-GAV bei Migros sämtliche Branchen (Detailhandel, Industrie, Verarbeitung, Logistik, Gastro). Bei Coop hingegen schliessen der Detailhandel und die anderen Bereiche (z.B. Fleischverarbeiter Bell) separate Verträge ab.

Es bestünden Schwierigkeiten, alle Branchen der Migros-Gruppe unter ein Dach zu bringen, erklärte Lustenberger. Für das Personal biete ein gemeinsamer Vertrag aber Sicherheit.

Der neue L-GAV beeinhaltet laut Lustenberger nun Öffnungsklauseln für die fünf Branchen Gastro, Logistik, Fleischverarbeitung, Freizeit und Schulen. Dank ihnen sollen sich die einzelnen Bereiche näher am Markt orientieren können. Syna kritisiert diese als «auf Vorrat abgeschlossenen Verschlechterungsklauseln». (sda)

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