Übernahmekampf: Syngenta steuert auf Fusion mit Chinesen zu
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ÜbernahmekampfSyngenta steuert auf Fusion mit Chinesen zu

Lange hat sich der Basler Agrarchemiekonzern Syngenta gegen eine Übernahme gewehrt. Nun sagt der Verwaltungsratspräsident, ein Alleingang sei kaum mehr möglich.

von
sas

Gleich mehrere Übernahmeangebote des US-Saatgutherstellers Monsanto haben die Syngenta-Manager in diesem Jahr klar zurückgewiesen. Und auch dem chinesischen Konkurrenten ChemChina gab die Führung des Basler Agrochemiekonzerns einen Korb. Nun scheint sich die Lage aber geändert zu haben. In einem Interview in der Mittwochsausgabe der Zeitung «Finanz und Wirtschaft» sagt Syngenta-Präsident Michel Demaré, ein Alleingang sei kaum möglich. Syngenta beschäftigt weltweit 28'000 Personen, 3300 davon in der Schweiz.

Syngenta führt laut Demaré Gespräche mit ChemChina, Monsanto und weiteren Konzernen. Es liege derzeit keine konkrete Offerte auf dem Tisch, aber Syngenta befinde sich in fortgeschrittenen, formellen und intensiven Verhandlungen. «Die Dinge bewegen sich, es kann jederzeit etwas passieren», sagt Demaré. Er spielt damit auf die Grossfusion der Syngenta-Konkurrenten Dow Chemical und Dupont an. Zusammen erzielten sie im Jahr 2014 Umsätze von fast 93 Milliarden Dollar. Die Fusion, die aber noch von den Wettbewerbshütern abgesegnet werden muss, ist eine Reaktion auf Druck von Investoren, denen die Unternehmen nicht profitabel genug sind.

Demaré: «Wir könnten uns verkaufen»

Als Optionen für Syngenta sieht Präsident Demaré nun drei Varianten: Erstens wäre eine Übernahme möglich, allerdings bestünden da nur noch wenige Optionen. Zweitens könnte Syngenta mit einem Konkurrenten fusionieren oder drittens «könnten wir uns verkaufen». Auf die Frage, ob ein Übernahmepreis von 470 Franken pro Aktie – wie zuletzt im Gespräch – angemessen wäre, erklärt Demaré: «Der Preis einer Offerte muss am Kurs unserer Aktie ohne latente Übernahmefantasie gemessen werden.»

Kürzlich hatte die Finanznachrichtenagentur Bloomberg berichtet, ChemChina habe ein neues Angebot für Syngenta vorgelegt. Es soll sich auf rund 470 Franken pro Aktie für zunächst 70 Prozent des Unternehmens belaufen. Eine Option sollte später den Kauf der restlichen 30 Prozent sichern. Der Syngenta-Verwaltungsrat will nach den Bloomberg-Quellen noch vor Ende Jahr einen Entscheid zum Übernahmevorschlag fällen. Laut Syngenta hat ein Zusammenschluss mit den Chinesen weniger hohe regulatorische Risiken als eine Fusion mit den westlichen Rivalen, zu denen auch BASF und Bayer gehören.

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