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Syphilis auf Vormarsch

Allen Warnungen von Medizinern zum Trotz ist die gefürchtete Geschlechtskrankheit Syphilis weiter auf dem Vormarsch.

Nachdem die Krankheit in den 90er Jahren zumindest in Westeuropa fast ausgestorben schien, werden seit einigen Jahren auch in Deutschland wieder zunehmend Neuerkrankungen festgestellt, wie die Universität München mitteilte. Die Zunahme gehe vor allem auf Infektionen bei homosexuellen Männern zurück.

Noch in den 90er Jahren hätten sich die Menschen aus Furcht vor Aids ausreichend beim Geschlechtsverkehr geschützt. Doch nun nehme die Angst vor Geschlechtskrankheiten offenbar wieder ab, berichtete die Universität. Syphilis wird bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr durch das Bakterium Treponema pallidum übertragen. Die Krankheit verläuft in mehreren Stadien und war früher wegen der Erkrankung des Nervensystems im vierten Stadium gefürchtet. Seit der Entdeckung von Antibiotika und Penicillin ist sie aber gut behandelbar.

Im ersten Stadium, drei bis vier Wochen nach der Ansteckung, erscheint an der Stelle, an der die Bakterien in die Haut oder Schleimhaut eingedrungen sind, ein schmerzloses Geschwür. Das Geschwür ist gerötet und sondert eine farblose Flüssigkeit ab, die sehr viele Erreger erhält und hochansteckend ist. Ein bis zwei Wochen später schwellen die benachbarten Lymphknoten an. Auch unbehandelt heilen die Geschwüre von selbst nach einigen Wochen ab.

Hautausschlag nach zehn Wochen

Acht Wochen nach der Ansteckung kommt es oft zu grippeartigen Beschwerden wie Fieber, Abgeschlagenheit oder Kopf- und Gliederschmerzen, die Lymphknoten am ganzen Körper sind vergrössert. Nach zehn Wochen erscheint bei den meisten Erkrankten ein Hautausschlag. Zunächst sind es nur schwachrosa gefärbte Flecken, die sich in kupferfarbene Knötchen verwandeln. Manchen Patienten fallen die Haare aus. Alle Hauterscheinungen heilen nach ungefähr vier Monaten ab, unbehandelt kommen sie aber wieder.

Bei vielen Erkrankten kann die Syphilis jetzt zum Stillstand kommen, der nach Monaten oder Jahren aber zur Spätsyphilis führen kann. Die Erreger sind immer noch im Körper des Betroffenen. Drei bis fünf Jahre später haben sich die Erreger im ganzen Körper ausgebreitet und auch innere Organe befallen wie Blutwege, Luftwege, Rachen, Speiseröhre, Magen, Leber, Knochen, Muskeln. Es bilden sich oft gummiartig verhärtete Knoten. Auf der Haut bilden sie mitunter grosse Geschwüre, am Gaumen entsteht unter Umständen ein Loch zur Nasenhöhle. Ohne Behandlung kommt es zehn bis zwanzig Jahre nach Beginn der Erkrankung zu schweren neurologischen Störungen wie schweren Lähmungen.

Syphilis gehört in Deutschland zu den meldepflichtigen Krankheiten. Im Jahr 2002 registrierte das Robert Koch-Institut (RKI) 2.275 Fälle der Geschlechtskrankheit, rund 720 mehr als im Jahr zuvor. Die Zunahme ist den Angaben zufolge auch an der Dermatologischen Klinik am Klinikum der Universität München deutlich spürbar: Während jährlich etwa 40 Syphilis-Kranke gezählt werden, waren es im ersten Quartal dieses Jahres schon 16 Patienten, teilte die Universität mit. (dapd)

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