Aktualisiert 25.03.2011 15:32

ProtesteSyrien brodelt weiter

In Syrien haben sich erneut Demonstranten versammelt und einen «Tag der Würde» ausgerufen. Polizisten in Damaskus gingen gegen die Demonstranten vor.

Die Proteste in Syrien dauern an: Die syrische Polizei hat zwei Pro-Demokratie-Kundgebungen in Damaskus aufgelöst. An den Demonstrationen auf dem Mardscha-Platz im Zentrum der Stadt und in der südwestlichen Vorstadt Mezzeh hatten jeweils ein paar hundert junge Leute teilgenommen.

Dies berichteten Augenzeugen. Gleichzeitig fuhren rund 1000 Anhänger des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad mit ihren Autos durch Damaskus, um Stimmung für den Staatschef zu machen. Sie schwenkten syrische Fahnen und riefen: «Das ist das Syrien von Al- Assad!», berichteten Augenzeugen.

Erneute Proteste in Daraa

In der Ortschaft Dael nahe Daraa zogen bereits mehrere hundert Männer durch die Strassen und riefen «Dael und Daraa werden nicht erniedrigt». Sicherheitskräfte in Zivil griffen nicht ein. In Daraa trotzen die Demonstranten schon seit sieben Tagen zunehmender Gewalt der Sicherheitskräfte. Allerdings kam es bisher nicht zu grösseren Protestaktionen in anderen Landesteilen. In den Dörfern der Umgebung schienen sich die Menschen auf einen Marsch nach Daraa vorzubereiten. Regierungssoldaten wurden entlang der Hauptstadt postiert, offenbar, um einen solchen Marsch zu verhindern.

Ein Menschenrechtsaktivist, der seinen Namen nicht nennen wollte, erklärte, in der Ortschaft Duma nahe Damaskus hätten sich tausende Menschen versammelt. Sie wollten auf diese Weise den Menschen in Daraa ihre Solidarität versichern. Auch in Damaskus kamen vor der Ummajad-Moschee zahlreiche Menschen zusammen.

«Es ist vorbei»

Die Sicherheitskräfte schienen bemüht, die Spannungen in Daraa zu reduzieren. Sie bauten Kontrollpunkte ab. Zum ersten Mal seit einer Woche waren keine Soldaten auf den Strassen zu sehen. Journalisten, die in die Altstadt von Daraa gehen wollten, wurden allerdings von Soldaten aus der Stadt gefahren. «Wie Sie sehen können, ist alles wieder normal, und es ist vorbei», sagte ein Major vor dem Gebäude der regierenden Baath-Partei in Daraa den Journalisten, bevor sie aus der Stadt begleitet wurden.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy rief am Freitag Syrien auf, den Einsatz von Gewalt gegen Demonstranten zu beenden. «Jeder Staatsführer, insbesondere jeder arabische Staatsführer, muss wissen, dass die Reaktion der internationalen Gemeinschaft und Europas fortan dieselbe sein wird», sagte Sarkozy am Freitag am Rande des EU-Gipfels in Brüssel.

Die syrische Regierung stellte am Donnerstag Reformen in Aussicht, offenbar in dem Versuch, die Unruhen zu beenden. Die Zusagen wurden jedoch von der Opposition umgehend abgelehnt, die zu Demonstrationen im ganzen Land aufrief.

Präsidentenberater Buthaina Schaaban erklärte, die Baath-Partei wolle ein Ende des Notstands prüfen, den sie nach ihrer Machtübernahme 1963 verhängt hatte. Präsident Baschir al Assad ordnete laut einem Bericht des Staatsfernsehens vom Donnerstagabend die Freilassung aller Aktivisten an, die im Zusammenhang mit den wochenlangen Unruhen im Süden des Landes festgenommen wurden. (sda/dapd)

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