Erste Etappe: Syrien zerstört Ausrüstung für C-Waffen

Aktualisiert

Erste EtappeSyrien zerstört Ausrüstung für C-Waffen

Syrien hat seine Ausrüstung zur Produktion chemischer Waffen komplett zerstört. Das meldete ein Vertreter der Organisation für das Verbot chemischer Waffen.

Syrien hat nach Ansicht der zuständigen Inspektoren seine Anlagen für die Chemiewaffen-Produktion fristgerecht zerstört - und damit der internationalen Gemeinschaft einen Vertrauensbeweis geliefert. Zugleich sinken die Aussichten auf das Zustandekommen einer Syrien-Friedenskonferenz.

Auch nach dem jüngsten Treffen des UNO-Vermittlers Lakhdar Brahimi mit dem syrischen Machthaber Baschar al-Assad seien die Voraussetzungen für die Konferenz nicht gegeben, verlautete am Donnerstag aus diplomatischen Kreisen in der libanesischen Hauptstadt Beirut.

Produktionsanalge zerstört

Syrien kann jedenfalls keine chemischen Waffen mehr herstellen. Die Anlagen zur Produktion sowie zum Mischen und Füllen der Waffen seien zerstört worden, sagte ein Sprecher der Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) am Donnerstag.

«Alle Chemikalien-Lager und alle Chemie-Waffen sind versiegelt - mit Siegeln, die nicht gebrochen werden können.» Demnach registrierte die Organisation Bestände im Umfang von tausend Tonnen Chemikalien und 290 Tonnen Chemie-Waffen. Ausserdem erfasste sie 1230 Einheiten Munition, die mit Chemikalien hätten bestückt werden können.

Etappenziel erreicht

Mit diesem Schritt ist nach Angaben der OPCW das erste Ziel der Vernichtung des syrischen C-Waffenarsenals erreicht. Nach der Resolution des UNO-Sicherheitsrates muss Syrien bis Mitte 2014 auch alle Chemiewaffen vernichtet haben, die das Land noch an verschiedenen Orten gelagert hat.

Zwei der 23 von Syrien angegeben Standorte für die C-Waffenproduktion konnten die OPCW-Inspektoren nicht überprüfen. Sie liegen im umkämpften Gebiet.

Frist erfüllt

Doch Syrien habe glaubhaft versichert, dass dort keine Anlagen mehr seien, sagte der OPCW-Sprecher. Ihr Abtransport sei von Damaskus hinreichend dokumentiert worden. Die Orte, an denen sie neu aufgestellt wurden, seien von den OPCW-Experten kontrolliert worden.

Syrien hat damit die Frist für die Zerstörung von allen Fertigungsstätten für Chemiewaffen erfüllt, die der UNO-Sicherheitsrat zum 1. November festgesetzt hatte. Bereits in der vergangenen Woche hatte Damaskus der OPCW eine genaue Liste seiner Chemiewaffen-Bestände und einen Plan für deren komplette Zerstörung vorgelegt. Die Organisation wird auch diesen Vorgang umfassend kontrollieren.

Genfer Konferenz in Frage gestellt

Der Fortschritt beim Abbau des syrischen C-Waffenarsenals geht jedoch mit keinem Durchbruch in den diplomatischen Bemühungen um die Beilegung des blutigen Konflikts in dem Nahost-Land einher.

Selbst nach dem jüngsten Treffen des UNO-Vermittlers Brahimi mit Präsident Assad erscheint die Ende November geplante Friedenskonferenz in Genf weiterhin ungewiss.

Nach Angaben von Mitarbeitern zeigte sich Brahimi zunehmend frustriert über die Unnachgiebigkeit aller Beteiligten. Der Konflikt in Syrien forderte in mehr als zwei Jahren nach UNO-Angaben mehr als 100'000 Tote. Mehr als sechs Millionen Menschen sind auf der Flucht.

Israelischer Raketenangriff auf syrischen Stützpunkt

Von Israel abgeschossene Raketen sollen in der Nacht zum Donnerstag Anlagen in einem Stützpunkt der syrischen Luftwaffe an der Mittelmeerküste zerstört haben. Weder Israel noch Damaskus wollten diesbezügliche Medienberichte bestätigen.

Das Zweite Israelische Fernsehen berichtete, Ziel des Angriffs nahe der Hafenstadt Latakia seien Luftabwehrsysteme der russischen Typen S-125 Newa und SA-3 gewesen. Israel hat seit Ausbruch des Konflikts immer wieder militärische Ziele in dem arabischen Nachbarland angegriffen, die es als Bedrohung für die eigene Sicherheit empfand.

Assad und das Gas

1000 Tonnen unterschiedlicher Kampfstoffe das grösste Chemiewaffenarsenal im Nahen Osten besitzen. Laut OPCW verfügt Syrien über etwa 300 Tonnen Senfgas und rund 700 Tonnen der chemischen Kampfstoffe Sarin beziehungsweise VX. Das hochgefährliche Nervengift VX führt bereits in geringen Mengen innerhalb kurzer Zeit zum Tod. (sda)

Deine Meinung