Eskalation: Syrienkrise treibt Ölpreis hoch und Aktien runter
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EskalationSyrienkrise treibt Ölpreis hoch und Aktien runter

Die Anzeichen für einen möglicherweise bald bevorstehenden Militärschlag in Syrien belasten die Börsen und treiben den Ölpreis auf einen Zweijahres-Höchststand.

von
whr
Konsternation an der Wall Street in New York.

Konsternation an der Wall Street in New York.

Die sich zuspitzende Lage in Syrien versetzt die Finanzmärkte in Unruhe. «Das Thema Syrien erhöht die Nervosität an den Märkten noch weiter», sagte ein Händler in Tokio. Die Kurse in Asien fielen auf den niedrigsten Stand seit sieben Wochen. Verschiedene Währungen verloren weiter an Wert. Im Nachbarland Syriens, der Türkei, fiel die Landeswährung Lira auf ein Rekordtief zu Dollar und Euro.

Auch an der Schweizer Börse setzte sich die Talfahrt des SMI fort. Nachdem der Aktienindex bereits am Dienstag 1,7 Prozent verloren hatte, notierte er am Mittwochnachmittag 1,6 Prozent im Minus. In Frankfurt gab der DAX am Vormittag 1,4 Prozent nach. An der Wall Street schloss der Dow-Jones-Index der Standardwerte am Dienstag mit einem Minus von 1,1 Prozent auf 14'776 Punkten.

Ölpreis auf Zweijahreshoch

Der sich abzeichnende Militäreinsatz des Westens gegen Syrien hat den Ölpreis kräftig nach oben getrieben.

Der Preis für die Nordseesorte Brent stieg am Mittwochmittag am Handelsplatz London auf 115,31 Dollar pro Barrel (159 Liter), 95 Cent mehr als am Vortag. Zwischenzeitlich lag der Preis sogar bei 117,34 Dollar, dem höchsten seit sechs Monaten. Die in New York gehandelte Sorte «Light Sweet Crude» stieg im elektronischen Handel zwischenzeitlich auf 112,24 Dollar je Barrel, den höchsten Stand seit Mai 2011.

An der Londoner Börse profitierten die Kurse der Ölkonzerne: Die Aktie von Shell legte um 1,12 Prozent zu, die von BP um 0,73 Prozent. Ein Militäreinsatz in Syrien könnte die Ölförderung in Nahost und den Transport des Rohstoffs stören. In der Region werden 35 Prozent des weltweit produzierten Öls gefördert. Analysten sehen besonders Pipelines durch Angriffe gefährdet. Syrien selbst hingegen ist kein grosser Ölproduzent.

Dollar und Gold gefragt

Anleger und Devisenmakler investierten am Mittwoch bevorzugt in Dollar und Gold, die in Krisenzeiten als sichere Anlagen gelten. In Paris lag der Kurs des Euro am Vormittag bei 1,3363 Dollar, nach 1,3391 Dollar am Dienstagabend. Der Goldpreis erreichte mit 1433,83 Dollar je Unze seinen höchsten Stand seit Mitte Mai.

Besonders nervös reagierten die Finanzmärkte in der nördlich an Syrien grenzenden Türkei. Die Börse in Istanbul, die am Dienstag mit einem Minus von 4,73 Prozent geschlossen hatte, ging mit einem neuerlichen Minus von mehr als 2 Prozent in den Handel. Die nationale Währung Lira erreichte am Morgen einen neuen historischen Tiefstand.

Eine Woche nach dem mutmasslichen Giftgaseinsatz in Syrien steht ein Militärschlag des Westens gegen das Regime in Damaskus möglicherweise unmittelbar bevor. Der Sender NBC berichtete, Raketenangriffe auf Ziele in dem Land könnten bereits am Donnerstag beginnen. Schon jetzt sei die Unsicherheit der Anleger am Ölmarkt vor einer Eskalation der Lage gross, beschrieb ein US-Rohstoffexperte die Stimmung. Die Sorge könnte seiner Einschätzung nach mit Blick auf den bevorstehenden Militärschlag noch weiter steigen.

(whr/sda)

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