Zweites Libyen?: Syrische Revolution tritt in neue Phase
Aktualisiert

Zweites Libyen?Syrische Revolution tritt in neue Phase

Die USA anerkennen die syrische Opposition, Saudiarabien und Katar sprechen öffentlich von Waffenlieferungen: Die Hoffnung auf eine friedliche Lösung scheint sich endgültig zu zerschlagen.

von
kri
Der Vorsitzende des oppositionellen Syrischen Nationalrats Burhan Ghalioun kündigt am Donnerstag in Paris die Bildung eines Verteidigungsministeriums an.

Der Vorsitzende des oppositionellen Syrischen Nationalrats Burhan Ghalioun kündigt am Donnerstag in Paris die Bildung eines Verteidigungsministeriums an.

Der Aufstand in Syrien ist in eine neue Phase getreten: Anfang Woche erklärte der Premierminister von Katar, der syrischen Opposition «mit allen Mitteln» zu helfen, wenn nötig auch mit Waffen. Wenig später doppelte die Übergangsregierung in Libyen mit einer Spende über 100 Millionen Dollar nach. Am Donnerstag schliesslich informierte der oppositionelle Syrische Nationalrat (SNC), der sich bisher dem gewaltlosen Protest verpflichtet hatte, über die Bildung eines «Verteidigungsministeriums». Der SNC habe während Monaten mit friedlichen Mitteln agiert, sagte dessen Präsident Burhan Ghalioun am Donnerstag in Paris. Doch inzwischen habe sich die «Realität geändert».

Ganz überraschend kam diese Entwicklung freilich nicht. Vergangene Woche hatte US-Aussenministerin Hillary Clinton den SNC als «glaubwürdigen Repräsentanten» des Landes gelobt. Zudem prophezeite sie, dass die Opposition «irgendwie einen Weg finden werde, sich zu verteidigen». Zuvor hatte der saudische Aussenminister die Bewaffnung der syrischen Opposition als «exzellente Idee» bezeichnet.

Damit erhält offiziellen Charakter, was in den vergangenen Wochen faktisch bereits feststand: Die Hoffnung, den Konflikt mit Geduld und Dialog zu lösen, hat sich zerschlagen. Stattdessen scheinen jene Akteure, die schon bei der Befreiung Libyens eine zentrale Rolle spielten, offen auf den gewaltsamen Sturz des Assad-Regimes hinzuarbeiten. Katar, der wichtigste Waffenlieferant der libyschen Rebellen, kann so seinen aussenpolitischen Einfluss in der arabischen Welt ausbauen. Saudiarabien hingegen würde mit dem Sturz Assads seinem Erzfeind Iran einen empfindlichen Schlag versetzen. Die Islamische Republik gilt als letzter Verbündeter Assads im Nahen Osten.

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