«Pianist in den Trümmern»: Syrischer Flüchtling gibt in Deutschland 160 Konzerte
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«Pianist in den Trümmern»Syrischer Flüchtling gibt in Deutschland 160 Konzerte

Vom syrischen Krieg in deutsche Konzerthallen: Der Flüchtling Aeham Ahmad ist ein Musikstar.

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vbi
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Aeham Ahmad wurde als «Pianist in den Trümmern» weltbekannt.

Aeham Ahmad wurde als «Pianist in den Trümmern» weltbekannt.

Screenshot Twitter infozentrale
Bis der Islamische Staat 2015 sein Klavier zerstörte, spielte Aeham Ahmad in den Strassen von Jarmuk in der syrischen Hauptstadt Damaskus.

Bis der Islamische Staat 2015 sein Klavier zerstörte, spielte Aeham Ahmad in den Strassen von Jarmuk in der syrischen Hauptstadt Damaskus.

Screenshot YouTube BBC News
Seine beiden Söhne und seine Frau liess Aeham Ahmad letztes Jahr in Syrien zurück. Seit letzter Woche sind alle in Deutschland.

Seine beiden Söhne und seine Frau liess Aeham Ahmad letztes Jahr in Syrien zurück. Seit letzter Woche sind alle in Deutschland.

Screenshot YouTube BBC News

Seine Klavierkonzerte beginnt Aeham Ahmad oftmals damit, sich dafür zu entschuldigen, dass er auf Arabisch singt. Doch auch wenn viele Konzertbesucher den Songtext nicht verstehen können, sein Schmerz und seine Verzweiflung sind deutlich zu hören (siehe Video).

Aeham Ahmad ist einer von über einer Million Flüchtlingen, die letztes Jahr nach Deutschland kamen. Doch der 27-Jährige ist ein weltbekannter Klavierspieler.

«Pianist in den Trümmern»

Berühmt wurde Ahmad, weil er vor seiner Flucht nach Europa im Flüchtlingslager Jarmuk in der syrischen Hauptstadt Damaskus mitten im Kriegsgebiet Klavierkonzerte gegeben hatte. Als «Pianist in den Trümmern» gingen seine Videos um die Welt.

Während des Bürgerkriegs verkleinerte sich die Anzahl Einwohner in Jarmuk drastisch. Von ursprünglich 300'000 Menschen lebt heute nur noch 1 Prozent dort. Viele wurden getötet oder verhungerten, andere sind geflohen.

Bootsüberfahrt gefilmt

Auch Ahmad wagte die Flucht nach Europa. Im August 2015 kam er über die Balkanroute nach Deutschland, nachdem die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bei einer Kontrolle im Flüchtlingscamp in Jarmuk sein Klavier zerstört hatte.

Das erste Boot, mit dem er nach Europa kommen wollte, sank, mehrer Personen ertranken. Seinen zweiten Fluchtversuch nach Europa filmte der bekannte Pianist für BBC.

Arm könnte absterben

Seit einem Jahr spielt Ahmad nun in Deutschland Klavier. Er wolle die Bevölkerung davon überzeugen, dass Flüchtlinge gute Menschen seien. Dafür stand er zusammen mit namhaften Künstlern wie Daniel Barenboim auf der Bühne. «Alle klatschen für mich, dabei sind viele noch im syrischen Gefängnis, bedroht von Bomben», sagt er in der «New York Times».

Auch der syrische Pianist wurde vor seiner Flucht Opfer eines Bombenangriffs. Weil ein Splitter einer Granate in seiner linken Hand steckt, spürt er zwei Finger nicht mehr. Im schlimmsten Fall sterbe sein Arm ab, sagt Ahmad.

Frau und Kinder nach einem Jahr wiedergesehen

Viel schlimmer als die Verletzung war für den Klavierspieler aber, ohne seine Frau und den beiden Kindern nach Deutschland zu reisen. Ein Jahr hat sich die Familie nicht gesehen. «Über Facebook hat meine Frau mein Leben verfolgt und mich immer ermuntert, weiterzumachen», sagt Ahmad zum «Wiesbadener Kurier».

Ein Jahr nach seiner Einreise als Flüchtling in Deutschland hat sich Ahmads Situation stark verbessert. Der 27-Jährige hat eine Aufenthaltsbewilligung sowie eine kleine Wohnung und dank der Unterstützung der deutschen Botschaft konnte er Ende letzte Woche seine Familie in Deutschland wieder in die Arme schliessen.

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