Aktualisiert 06.07.2012 10:13

Aus dem innersten Zirkel

Syrischer General flieht in die Türkei

Assads Macht bröckelt: Nachdem immer mehr Soldaten desertieren, hat sich jetzt auch ein Brigadegeneral in die Türkei abgesetzt. Er ist ein Jugendfreund des syrischen Präsidenten.

von
ske
Mitglieder der Freien Syrischen Armee stehen am 3. Juli 2012 in der Nähe eines Militärtanks in Idlib. Dieser ging in Flammen auf.

Mitglieder der Freien Syrischen Armee stehen am 3. Juli 2012 in der Nähe eines Militärtanks in Idlib. Dieser ging in Flammen auf.

Der Rückhalt für Syriens Staatschef schwindet. Immer mehr Soldaten desertieren. Jetzt ist sogar ein ranghoher Offizier in die Türkei geflohen. Laut dem Nachrichtensender «Al-Arabya» soll es sich bei dem Brigadegeneral Manaf Tlass um einen Jugendfreund des syrischen Präsidenten handeln. Dieser gehörte zum inneren Zirkel Baschar al-Assads.

Manaf Tlass ist Mitglied der mächtigsten Sunniten-Familie Syriens. Er ist der Sohn des ehemaligen Verteidigungsministers Mustafa Tlass. Laut Berichten aus Sicherheitskreisen war er bei dem syrischen Regime in Ungnade gefallen, da er sich geweigert hatte, an Angriffen auf zivile Gebiete teilzunehmen, die als Hochburgen der Opposition galten, schreibt der «Guardian». Ihm wurde vorgeworfen, Kontakte zum Ausland und zu «Terroristen» im Land zu halten. Er soll vor seiner Flucht in seinem Haus im Damaszener Stadtteil Messe unter Hausarrest gestellt worden sein.

Unter Experten gilt der Kommandant einer Brigade der Republikanischen Garden als möglicher Kandidat für eine Führungsrolle nach einem Zusammenbruch des Assad-Regimes. Oppositionskreise liessen am Freitag verlauten, syrische Deserteure hätten Kommandant Manaf Tlass bei der Flucht in die Türkei geholfen.

Assad wird geschwächt

Die Flucht einer so hochrangigen Figur des Regimes werde Assad schaden, schreibt der «Guardian». Sie könnte weitere Personen zur Flucht anregen – vor allem sunnitische Offiziere und gewöhnliche Soldaten. Das würde den Sicherheitsapparat weiter schwächen, gleichzeitig aber auch den konfessionellen Konflikt zwischen der sunnitischen Mehrheit und der alewitischen Minderheit ausweiten.

Laut einem britischen Diplomaten verliert das Assad-Regime auch an Territorium. «Das Regime hat die Kontrolle über Teile des Landes verloren, vor allem im Osten. Auch in bestimmten Teilen von Damaskus wird es für das Regime immer schwieriger, die Kontrolle zu behalten.» Er sei sich aber nicht sicher, ob die Opposition diese wirklich kontrolliere.

Tlass in Paris?

Vom türkischen Aussenministerium gab es am Freitag keine Bestätigung für eine Ein- oder Durchreise des Mannes. «Zumindest bis zur vergangenen Nacht ist kein Mann mit diesem Namen in die Türkei eingereist», sagte ein Sprecher des Ministeriums der Nachrichtenagentur DPA. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass Tlass unter einem anderem Namen über die Grenze gekommen sei.

Keine Bestätigung gab es zunächst für Berichte, wonach der frühere Vertraute von Präsident Baschar al-Assad bereits am Morgen nach Frankreich geflogen sein soll. In Paris findet heute Freitag ein Treffen der sogenannten Gruppe der «Freunde Syriens» statt. Frankreichs Präsident François Hollande forderte dabei die internationale Gemeinschaft zu einem schnellen Handeln auf, um einen Bürgerkrieg in Syrien zu verhindern. Die bisherige Bilanz des Konflikts sei «unerträglich». (ske/sda)

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