Bürgerkrieg im Gang: Syrischer Reporter wird gezielt ermordet
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Bürgerkrieg im GangSyrischer Reporter wird gezielt ermordet

Die Gewaltspirale in Syrien dreht sich unaufhörlich weiter, in den grossen Städten wird gekämpft. Nicht zum ersten Mal wird ein Journalist Opfer eines gezielten Anschlags. Die arabische Liga hat ihr Treffen verschoben.

Die syrische Armee hat nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten am Sonntag weiter Quartiere von Aleppo beschossen. Neben dem strategisch wichtigen Stadtteil Salaheddin würden vier weitere Quartiere attackiert, erklärte die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Demnach waren am Morgen auch in der Hauptstadt Damaskus Schüsse zu hören, beschossen worden seien zudem die Ortschaften Al-Tal und Harista in der Provinz Damaskus. Kämpfe gab es den Angaben zufolge auch in Ortschaften der südlichen Provinz Daraa.

Nach Angaben der Beobachtungsstelle waren am Samstag landesweit mindestens 148 Menschen getötet worden, unter ihnen 85 Zivilisten. Die Zahlen lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Die Beobachtungsstelle gibt die Zahl der Toten seit Beginn der Proteste gegen Syriens Staatschef Baschar al-Assad im März 2011 mit mehr als 21'000 an. Als Zivilisten zählt sie auch Aufständische, die vor dem Bürgerkrieg keine Soldaten waren.

Im saudiarabischen Dschiddah kommen am Sonntag die Aussenminister der arabischen Staaten zusammen, um über den weiteren Umgang mit dem Konflikt und die Nachfolge für den scheidenden Syrien- Sondergesandten Kofi Annan zu beraten.

Der gemeinsame Vermittler von UNO und Arabischer Liga hatte sein Ausscheiden für Ende August angekündigt und den Umgang der Staatengemeinschaft mit dem Syrien-Konflikt als zu unentschlossen kritisiert. Als Favorit für seine Nachfolge gilt der frühere algerische Aussenminister Lakhdar Brahimi.

Reporter getötet

Ein Reporter der amtlichen syrischen Nachrichtenagentur SANA ist nach deren Angaben in seiner Wohnung in einem Vorort von Damaskus ermordet worden. Ali Abbas sei am Samstagabend im Stadtteil Dschdaidet Artus getötet worden, berichtete SANA am Sonntag.

Für die Tat machte die Agentur eine «bewaffnete Terrorgruppe» verantwortlich. Diesen Ausdruck verwendet das syrische Regime für seine Gegner.

Nähere Einzelheiten wurden nicht mitgeteilt. Im Lauf des seit 17 Monaten währenden Aufstands gegen Präsident Baschar al-Assad ist es mehrfach zu Angriffen auf regimetreue Medien gekommen. So explodierte am vergangenen Montag in Damaskus im Gebäude des staatlichen Radio- und Fernsehens eine Bombe. Mehrere Menschen wurden dabei verletzt. (sda)

Treffen der arabischen Aussenminister zu Syrien verschoben

Das für Sonntag geplante Treffen der Aussenminister der arabischen Staaten zum Syrien-Konflikt ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Das teilte der Vize- Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Ben Helli, in Kairo mit, ohne Gründe zu nennen.

Im saudiarabischen Dschiddah hätten die Aussenminister über den weiteren Umgang mit dem Konflikt in Syrien und die Nachfolge für den scheidenden Syrien-Sondergesandten Kofi Annan beraten sollen. Für das Amt ist Diplomaten zufolge der frühere algerische Aussenminister Lakhdar Brahimi im Gespräch.

In Dschiddah werden am Sonntagabend aber die Aussenminister der sechs Monarchien des Golfkooperationsrates zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Am Dienstag ist zudem in Mekka ein vom saudiarabischen König angeregter islamischer Gipfel zum Syrien- Konflikt geplant.

Im seit 17 Monaten anhaltenden Konflikt in Syrien nimmt die Gewalt immer weiter zu, eine Lösung zeichnet sich nicht ab. Nach Angaben von Menschenrechtsgruppen wurden bislang mehr als 21'000 Menschen getötet. (sda)

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