Zürich: System Gammelhäuser nun auch in Wipkingen
Aktualisiert

ZürichSystem Gammelhäuser nun auch in Wipkingen

Der Ex-Verwalter der Gammelhäuser führt das «Businessmodell» in einem Haus in Wipkingen als Geschäftsführer fort – er sitzt wegen Verdachts auf Drogendelikte in U-Haft.

von
Jennifer Furer
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In diesem Haus an der Ecke Damm-/Burgstrasse in der Nähe des Bahnhofs Zürich-Wipkingen wohnen viele Randständige - und sorgen für Ärger in der Nachbarschaft.

In diesem Haus an der Ecke Damm-/Burgstrasse in der Nähe des Bahnhofs Zürich-Wipkingen wohnen viele Randständige - und sorgen für Ärger in der Nachbarschaft.

20M
Das Haus ist gepachtet vom vormaligen Verwalter der berühmt-berüchtigten Gammelhäuser.

Das Haus ist gepachtet vom vormaligen Verwalter der berühmt-berüchtigten Gammelhäuser.

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Google Street View

Die Liegenschaft liegt an der Dammstrasse 1 unweit des Bahnhofs Wipkingen. Von aussen deutet die renovierte Liegenschaft nicht auf ein Gammelhaus hin. Sie gehört dem Immobilienbesitzer Peter S., der die drei Gammelhäuser an der Neufrankengasse und an der Magnusstrasse im Kreis 4 der Stadt Zürich verkauft hat. Gegen ihn läuft in diesem Zusammenhang ein Verfahren wegen Mietzinswucher. Wann und ob es zum Prozess kommt, ist noch offen, es gilt die Unschuldsvermutung.

S. hat das Haus einer GmbH verpachtet, deren Geschäftsführer der vormalige Verwalter der Gammelhäuser ist. Rein rechtlich ist S. nicht mehr für die Liegenschaft verantwortlich. Laut einem Bericht des Quartiervereins Wipkingen soll das Haus an der Dammstrasse aber nach demselben «Businessmodell» wie die Gammelhäuser funktionieren: Umbau der Wohnungen in Appartements mit deutlich höherer Rendite.

Anwohner und Nachbarn beklagten sich in diesem Frühjahr über Schmutz, Lärm und Drogensüchtige. Junkies seien auf der Suche nach Stoff im Strassenbild unübersehbar. Sie würden den Hinterhof der benachbarten Häuser an der Burgstrasse als Verstecke, Rückzugs- und Dealorte benutzen, heisst es im Artikel des Quartiervereins vom Mai. Diese Einschätzung bestätigt ein Bewohner. Im Haus würden Drogen konsumiert und es werde regelmässig gedealt, sagt er. Laut Marco Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei, hat es diverse Polizeieinsätze gegeben, mehr dazu will er nicht sagen.

Seit rund drei Wochen in U-Haft

Laut Recherchen von 20 Minuten ist der Geschäftsführer der Hauspächterin Ende August wegen Verdachts auf Drogendelikte verhaftet worden und sitzt in Untersuchungshaft. Corinne Bouvard, Sprecherin der Oberstaatsanwaltschaft, bestätigt dies. Was ihm genau vorgeworfen wird, darüber äusserte sie sich nicht. Dass er bereits seit rund drei Wochen in U-Haft sitzt, deutet darauf hin, dass es sich nicht um eine Bagatelle handelt.

Der Geschäftsführer hatte zuvor die Gammelhäuser im Kreis 4 gemanagt. Dabei sagte er in einem früheren Interview mit dem «Tages-Anzeiger», dass ihm das Schicksal der Schwerstdrogensüchtigen sehr nahe gehe: «Es sind herzzerreissende Individualschicksale. Arme Hagel, die sich selber nicht mehr helfen können. Geistig und körperlich völlig vom Stoff abhängig.»

«Es läuft jetzt schon viel besser»

Seit der Verhaftung des Geschäftsführers ist eine neue Person für das Haus verantwortlich. Gegenüber 20 Minuten sagte der Mann, dass er für Ruhe und Ordnung sorgen werde: «Bewerten Sie mich in zwei Monaten, es läuft jetzt schon viel besser.»

Laut Beni Weder, Präsident des Quartiervereins, ist die Situation in der Tat besser geworden. Die Reklamationen der Nachbarn hätten etwas bewirkt.

Der neue Verantwortliche für die Dammstrasse 1 ist eine in der Rotlichtszene bekannte Person, die früher im Kreis 4 ein Bordell betrieb. Dieses wurde 2011 von der Polizei nach einem Grosseinsatz geschlossen und geräumt. Die Stadtpolizei begründete damals die Aktion damit, dass die Personen, die sich dort aufhielten, keinen gültigen Mietvertrag hatten.

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