Krankenkassenprämien: «System ist blockiert» – Mitte-Präsident prangert Gesundheitslobby an

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Krankenkassenprämien«System ist blockiert» – Mitte-Präsident prangert Gesundheitslobby an

Gerhard Pfister hat «die Nase voll» und ist angesichts der Zukunft des Schweizer Gesundheitssystems pessimistisch. Der Dachverband der Kassen sieht derweil keine Probleme beim Wettbewerb.

von
Benedikt Hollenstein
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Der Mitte-Präsident Gerhard Pfister blickt der Zukunft des Schweizer Gesundheitssystems pessimistisch entgegen.

Der Mitte-Präsident Gerhard Pfister blickt der Zukunft des Schweizer Gesundheitssystems pessimistisch entgegen.

Tamedia/Urs Jaudas
Er hat «die Nase voll» von der starken Gesundheitslobby, die Veränderungen verunmögliche.

Er hat «die Nase voll» von der starken Gesundheitslobby, die Veränderungen verunmögliche.

Tamedia/Urs Jaudas
Noch nie habe er einen solchen Einfluss einer Lobbygruppe erlebt.

Noch nie habe er einen solchen Einfluss einer Lobbygruppe erlebt.

20Min/Agency

Darum gehts

Am Dienstag verkündete der Bundesrat, was niemanden wirklich überraschte: Im kommenden Jahr werden die Krankenkassenprämien erneut deutlich steigen – in einzelnen Kantonen um fast zehn Prozent. Angesichts der erneuten Kostenexplosion macht sich bei vielen Politikern Resignation breit – darunter auch bei Gerhard Pfister, dem Präsidenten der Mitte.

«Kein wirkliches Interesse an Kostensenkungen» 

Im Interview mit «La Matinale» findet der Nationalrat klare Worte: «Ich habe die Nase voll, wie fast alle in der Politik. Das System ist blockiert, und das wird sich nicht so bald ändern», so Pfister. «Das Gesundheitssystem in der Schweiz ist hervorragend, aber es ist viel zu teuer geworden, und niemand der Beteiligten – Versicherungen, Ärzte, Spitäler und Kantone – hat wirklich ein Interesse daran, die Kosten zu senken».

Der Zuger Nationalrat sieht vor allem den extrem starken Einfluss der Gesundheitslobby in Bern als Grund. Seit seiner Wahl ins Parlament habe er noch nie einen so starken Einfluss einer Lobbygruppe auf alle möglichen Details erlebt. «Die Interessensgruppen haben unterschiedliche Anliegen, aber schlussendlich gibt es immer eine Allianz jener, die keine Veränderung wollen», sagt Gerhard Pfister. Er hofft, dass die von der Mitte vorgeschlagene Kostenbremse vors Stimmvolk kommt – das Parlament sei nämlich seiner Einschätzung nach nicht in der Lage, effektive Lösungen vorzuschlagen. 

Mehr Wettbewerb dank steigenden Prämien?

Jährlich wechseln etwa fünf bis zwölf Prozent der Schweizer Bevölkerung ihre Krankenkasse, wie aus Zahlen des BAG hervorgeht. Diese tiefen Zahlen verhindern laut Pfister einen gesunden Wettbewerb zwischen den Kassen. Verena Nold ist anderer Ansicht – laut der Direktorin von Santésuisse, dem Dachverband der Krankenversicherungen, funktioniere der Wettbewerb absolut. Ihrer Meinung nach würden die Leute vor allem mit steigenden Prämien den Versicherer wechseln – mit dem jetzigen Anstieg rechnet Nold daher mit einem Anstieg der Krankenkassen-Wechsel in Zukunft.

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