Aktualisiert 03.03.2005 15:32

Systematische Vergewaltigungen

In der Region Ituri in der Demokratischen Republik Kongo kommt es gemäss der Hilfsorganisation «Ärzte ohne Grenzen» (MSF) täglich zu systematischen Vergewaltigungen.

Diese Terrorisierung der Zivilbevölkerung werde von allen Milizen-Gruppen begangen.

«Es handelt sich hier um ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit», sagte Françoise Duroch von MSF Schweiz am Donnerstag in Genf. In den letzten zwei Jahren seien über 2500 vergewaltigte Frauen im MSF-Spital in Bunia, der Hauptstadt von Ituri, behandelt worden.

Sogar in mehr oder weniger sicheren Zeiten würden 30 bis 40 Vergewaltigungen pro Woche gemeldet. Wenn die Gewalt unter den Milizen zunehme, wie in den letzten Tagen, steige auch die Zahl der Vergewaltigungen, sagte MSF-Präsident Rowan Gillies, der soeben aus Bunia zurückgekehrt ist.

Spitze des Eisbergs

«Wir sehen jedoch nur die Spitze des Eisbergs, die Frauen, die sich behandeln lassen», sagte Gillies. In Wirklichkeit sei die Zahl noch viel höher. Denn MSF habe zu vielen Gebieten keinen Zugang. Ausserdem gingen die Frauen durch die Behandlung das Risiko ein, danach in ihrer Umgebung gebrandmarkt zu werden.

Frauen jeden Alters würden systematisch bei Angriffen auf Dörfer von bewaffneten Milizen aber auch von Zivlisten vergewaltigt. Oft würden ausserdem junge Mädchen entführt und in den Militärlagern als Sex-Sklavinnen gehalten.

Schlimm sei, dass die Vergewaltigungen nicht selten in Anwesenheit der Familie passierten und damit das Opfer und die Familie traumatisiert würden. Dazu kämen die Probleme der Kinder aus Vergewaltigungen und der Geschlechtskrankheiten wie Aids.

Verantwortung wahrnehmen

Gillies rief die internationale Gemeinschaft und die Regierung der Demokratischen Republik Kongo (RDC) auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen.

Gemäss MSF ist die Situation in den Flüchtlingslagern mit mindestens 40 000 Vertriebenen sehr prekär, Cholera und Durchfall nähmen zu. Denn nur noch wenige internationale Hilfsorganisationen wagen es, in der in der Region zu bleiben.

(sda)

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