Belarus - Systemkritiker Roman Protassewitsch fühlt sich angeblich «ausgezeichnet»
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BelarusSystemkritiker Roman Protassewitsch fühlt sich angeblich «ausgezeichnet»

Bei einem überraschenden Auftritt an einer Pressekonferenz gab der vor knapp drei Wochen in Belarus inhaftierte Blogger Roman Protassewitsch (26) an, es gehe ihm gut. Allerdings bestehen grosse Zweifel, ob er freiwillig auftrat.

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Roman Protassewitsch bei seinem Auftritt am Montag.

Roman Protassewitsch bei seinem Auftritt am Montag.

Screenshot Youtube/ Informationsagentur BelTA
Er wirkte gelöst und lachte mehrmals.

Er wirkte gelöst und lachte mehrmals.

Screenshot Youtube/ Informationsagentur BelTA
Beim seinem «Geständnis» im Mai wirkte er deutlich abgekämpfter.

Beim seinem «Geständnis» im Mai wirkte er deutlich abgekämpfter.

Twitter/Tutby

Darum gehts

  • Erneut trat der inhaftierte Blogger und Systemkritiker Roman Protassewitsch am Montag in Minsk vor die Medien.

  • Er lachte mehrmals und gab an, es gehe ihm gut. Er habe im Gefängnis keine Gewalt erfahren.

  • Journalisten bezweifeln stark, dass Protassewitsch freiwillig auftrat.

Gut drei Wochen nach seiner Festnahme ist der in Belarus inhaftierte Regierungskritiker Roman Protassewitsch überraschend bei einer Pressekonferenz aufgetreten. «Ich fühle mich ausgezeichnet», sagte der 26-Jährige am Montag in Minsk. «Niemand hat mich geschlagen oder auch nur mit dem Finger berührt.» Der Blogger wirkte gelöst und lachte mehrfach. Zugleich wandte er sich an seine Eltern, die in der «Bild»-Zeitung Bundeskanzlerin Angela Merkel um Unterstützung für seine Freilassung gebeten hatten: «Mam, Pap, sorgt euch nicht, mit mir ist alles völlig in Ordnung.»

Protassewitsch äusserte sich bei einem vom Aussenministerium organisierten Auftritt, bei der die Behörden erneut ihre Sichtweise auf die Zwangslandung einer Passagiermaschine darlegten. Dabei sagte der junge Mann, er unterstütze Machthaber Alexander Lukaschenko nicht, aber «ich respektiere ihn als Menschen».

Eine Journalistin sagte bei der Pressekonferenz, sie glaube nicht, dass Protassewitsch seine Aussagen freiwillig mache. Sie spielte damit auf ein Fernsehinterview vom Mai an, bei dem der Blogger in einem anscheinend erzwungenen Geständnis eingeräumt hatte, Massenproteste gegen Lukaschenko organisiert zu haben. Der 26-Jährige widersprach ihr aber und behauptete erneut, dass er bei den mehr als vierstündigen Aufnahmen «aufrichtig» gewesen sei.

Protest durch Journalisten

Mitarbeiter des britischen Senders BBC verliessen aus Protest den Raum: Er stehe offensichtlich unter Zwang, twitterte etwa Korrespondent Jonah Fisher. Protassewitsch sass auf dem Podium mit etwas Abstand zu Vertretern des Verkehrs- und Verteidigungsministeriums. Nach Ende der Pressekonferenz sprang er sofort auf und verliess den Raum.

Vor knapp drei Wochen hatten die Behörden des autoritär geführten Landes eine Ryanair-Passagiermaschine auf dem Weg von Athen nach Vilnius mit einem Kampfjet zur Zwischenlandung in Minsk gezwungen. An Bord waren der Regierungskritiker Protassewitsch und seine Freundin Sofia Sapega. Beide wurden festgenommen. Die EU verhängte daraufhin erneut Sanktionen gegen die ehemalige Sowjetrepublik.

Ein Gericht in Minsk wies am Montag unter Ausschluss der Öffentlichkeit eine Beschwerde Sapegas gegen ihre Inhaftierung ab, wie die russische Staatsagentur Tass meldete. Die Anwälte wollten Berufung gegen die Entscheidung einlegen. Sie argumentierten demnach, Belarus sei laut internationalen Abkommen verpflichtet, dass Flugreisende an ihr geplantes Ziel gelangen müssten. Gegen die russische Staatsbürgerin laufen zwei Strafverfahren.

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(DPA/trx)

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