Bern: Szenis und Ausländer kaufen die Brockis leer
Aktualisiert

BernSzenis und Ausländer kaufen die Brockis leer

Immer mehr junge Szenis, Ausländer und IV-Bezüger stürmen die Schweizer Brockenhäuser. Weil es zudem beim Nachschub hapert, kämpfen viele Brockis gegen leere Regale.

von
Gabi Schwegler
Ueli Müller: «Die jungen Szenis stehen auf 50er-Jahre-Möbel.» (Aebi)

Ueli Müller: «Die jungen Szenis stehen auf 50er-Jahre-Möbel.» (Aebi)

Täglich strömen zurzeit zwischen 1500 und 2000 Kauf­willige ins Heilsarmee-Brocki im Berner Bümplizquartier. «Unter ihnen sind immer mehr Jugendliche. Sie ziehen alte ­Jupes an, die sonst niemand mehr tragen würde», so Filialleiter Andreas Kreiss. Aber auch die Zahl der Ausländer und IV-Bezüger, die sich in Brockenhäusern einkleiden, ­nehme zu. «Sie sind besonders auf günstige Preise angewiesen», sagt Kreiss.

Auch in der St. Galler Blaukreuz-Brockenstube gehen deutlich mehr Junge ein und aus. «Gerade letzte Woche hat ein Teenager eine ganze Chill-Lounge bei uns zusamen­gestellt, inklusive Sofas und TV-Gerät», so Filialleiter René Nacht. Ähnlich sieht es laut Geschäftsführer Ueli ­Müller auch in seinem Zürcher Brockenhaus aus: «Die jungen Szenis stehen im Moment total auf Beizentische und 50er-­Jahre-Möbel.»

Gleichzeitig ist die Nachschub-Situation prekär, weil jüngere Leute ihre Waren eher entsorgen, als sie in eine Brockenstube zu bringen. Müller sieht noch einen weiteren Grund: «Internet-Plattformen wie Ebay oder Ricardo sind eine grosse Konkurrenz. Denn viele wollen beim Entsorgen etwas verdienen.» Man habe deshalb nach neuen Lösungen gesucht. «Wir kaufen seit kurzem gute Ware zu, um die Nachfrage bewältigen zu können», so Müller.

Fundstücke

Zeigen Sie uns Fundstücke, die Sie in einem Brockenhaus gekauft haben. Mailen Sie ein Bild mit der Angabe, woher Sie das Ding haben und wie viel Sie dafür bezahlt haben an community@20minuten.ch.

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