Zürich Friesenberg: Wegen neuer Haltestelle – «Ich muss die Hälfte meines Gartens hergeben»

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Zürich FriesenbergWegen neuer Haltestelle – «Ich muss die Hälfte meines Gartens hergeben»

Wegen der Erneuerung einer ÖV-Haltestelle der Uetlibergbahn wird von angrenzenden Grundstücken Land beansprucht. Anwohnende schalten nun die Anwälte ein.

von
Daniel Krähenbühl
Anna Ehrensberger
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Konrad Reininghaus ist empört: Da die Haltestelle Friesenberg erneuert und verschoben wird, soll er einen Teil seines Gartens hergeben.

Konrad Reininghaus ist empört: Da die Haltestelle Friesenberg erneuert und verschoben wird, soll er einen Teil seines Gartens hergeben.

20min/Michael Scherrer
Dagegen haben er und zwei weitere Parteien Einsprache erhoben.

Dagegen haben er und zwei weitere Parteien Einsprache erhoben.

20min/Michael Scherrer
«Die Einsprachen unserer Anwälte sind hängig. Wir werden alles unternehmen, um das Projekt zu verhindern.»

«Die Einsprachen unserer Anwälte sind hängig. Wir werden alles unternehmen, um das Projekt zu verhindern.»

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

Seit dem 1. August spannt sich wegen eines Wechsels der Stromversorgung bei der Uetlibergbahn ein Konstrukt aus Beton und Stahl über den Bahn- und Strassenzugang bei der Haltestelle Friesenberg in Wiedikon. Was Anwohnerinnen und Anwohner vom Gerüst bei der Kreuzung halten, ist vor Ort klar ersichtlich: Auf angebrachten Transparenten wird es als «hässlich und unnötig» bezeichnet. Von Leuten im Quartier wird es als «Schandmal der Arroganz» betitelt oder «das Monster» genannt.

Der Unmut im Quartier ist gross. Das auch bei Konrad Reininghaus (64), dem Bauherrn eines Mehrfamilienhauses an der Friesenbergstrasse. «Das Ungetüm steht meinen Mietern direkt vor dem Fenster und versperrt ihnen so komplett die Sicht.» Das ist aber nicht seine einzige Sorge – die Haltestelle Friesenberg wird erneuert: «Mit dem geplanten Doppelspurausbau im Sommer 2024, der Verschiebung und dem Ausbau der Haltestelle muss ich rund die Hälfte des Gartens vor dem Haus für das SZU-Projekt hergeben. Wir werden enteignet.»

Er und zwei weitere Parteien, die ebenso betroffen wären, wollen sich das nicht gefallen lassen, sagt Reininghaus. «Die Einsprachen unserer Anwälte sind hängig. Wir werden alles unternehmen, um das Projekt zu verhindern.» Zwar sei ihnen für den Landverlust eine finanzielle Entschädigung versprochen worden, das reiche dem 64-Jährigen aber nicht. «Wir wollen kein Geld, wir wollen unsere Umgebung erhalten», so Reininghaus.

«Wir wollen mit den Betroffenen eine Einigung erzielen»

Auf Anfrage von 20 Minuten sagt Marco Graf, Leiter Marketing und Kommunikation der Sihltal Zürich Uetliberg Bahn SZU AG, dass die Erneuerung der Zugstation zwingend nötig sei, da die bestehende Station nicht den Anforderungen einer barrierefreien S-Bahn-Haltestelle entspreche. «Durch die Verschiebung können wir den Kundenbedürfnissen gerecht werden und durch die Doppelspurigkeit die Pünktlichkeit verbessern.» Für das Unbehagen der Anwohnerinnen und Anwohner habe man Verständnis. Man erhalte aber auch viele Rückmeldungen von ÖV-Nutzenden, die darum bitten, mit dem Ausbau und der Verbesserung der Pünktlichkeit vorwärtszumachen.

Wie Graf erklärt, wird für das Projekt von angrenzenden Grundstücken vorübergehend Land beansprucht oder fest erworben. Mit den betroffenen Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern stehe man im Austausch. «Laut Gesetz wird das erforderliche Land zum Marktwert entschädigt.» Das Enteignungsrecht könne geltend gemacht werden für Zwecke, die im öffentlichen Interesse liegen und wenn sie zur Erreichung des Zweckes notwendig sind. «Für die SZU wären Enteignungen das letzte Mittel. Wir arbeiten mit allem, was uns zur Verfügung steht, darauf hin, mit den Betroffenen anderweitig und vorzeitig eine Einigung zu erzielen.»

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