Aktualisiert 08.09.2009 12:26

RettungsversuchT-Mobile wirft sich in die Arme der Konkurrenz

Die Deutsche Telekom will ihre angeschlagene Mobilfunktochter T-Mobile UK mit der Tochter Orange UK des Konkurrenten France Telecom zum grössten Mobilfunkanbieter auf dem hart umkämpften britischen Markt zusammenschliessen.

Wie beide Unternehmen am Dienstag mitteilten, wurden exklusive Verhandlungen zur Zusammenlegung der beiden Mobilfunktöchter in einem Joint Venture aufgenommen. In dem zweitgrössten Markt Europas gebe man T-Mobile UK damit eine klare strategische Zukunft, sagte Telekom-Finanzvorstand Timotheus Höttges.

An dem Gemeinschaftsunternehmen sollen beide Konzerne zu je 50 Prozent beteiligt sein. Es käme den Angaben zufolge auf 28,4 Millionen Kunden, was einem Anteil von 37 Prozent der Mobilfunknutzer auf der Insel entspricht (ohne Kunden von Virgin Mobile, Stand Ende Dezember 2008). Der Umsatz hätte 2008 bei 9,4 Milliarden Euro (14,3 Milliarden Franken), das Ebitda bei 2,1 Milliarden Euro (3,2 Milliarden Franken) gelegen. Aus der Zusammenlegung erwarten die Unternehmen Synergien im Wert von mehr als 4,0 Milliarden Euro (6,1 Milliarden Franken).

«Damit haben wir nach Abwägung aller Möglichkeiten die beste unternehmerische Lösung in dem schwierigen britischen Markt getroffen», sagte Höttges. Gervais Pellissier, Finanzvorstand von France Telecom, sagte, der neue stark positionierte Player werde nicht nur den Wettbewerb stärken. Auch für den Kunden bringe der Zusammenschluss zum Beispiel durch eine verbesserte Netzabdeckung zahlreiche Vorteile.

Telekom in Grossbritannien unter Druck

Die Telekom hat seit geraumer Zeit Probleme auf dem britischen Markt, auf dem sie mit Vodafone, O2, Orange und Hutchison Whampoa in harter Konkurrenz steht. Der Bonner Telefonriese wechselte unlängst das Management von T-Mobile UK vollständig aus und schrieb 1,8 Milliarden Euro des Firmenwertes ab, was für den Gesamtkonzern zu einem Verlust von 1,1 Milliarden Euro im ersten Quartal 2009 führte.

Anfang Mai erklärte Telekom-Chef René Obermann allerdings, das T-Mobile-Netz in Grossbritannien sei erstmals in wettbewerbsfähigen Zustand.

In das neue Joint Venture will die Deutsche Telekom die gesamten Aktivitäten von T-Mobile UK frei von Barmitteln und Schulden einbringen. France Telecom geht dagegen mit einer Nettoverschuldung von 1,25 Milliarden Pfund in die Elefanten-Hochzeit. Auf diese Weise sollen die Wertunterschiede zwischen Orange, der Nummer Drei auf dem britischen Markt, und der deutlich kleineren T-Mobile UK ausgeglichen werden.

Vertragsschluss Ende Oktober erwartet

Um die Synergieeffekte zu realisieren, werden der Telekom zufolge über den Zeitraum von 2010 bis 2014 Integrationskosten in Höhe von 600 bis 800 Millionen Pfund anfallen. «Der Grossteil dieser Kosten würde im Zusammenhang mit dem Abbau von Mobilfunkanlagen, der Rationalisierung des Shop-Netzes und der Optimierung der operativen Prozesse entstehen», hiess es.

Der Vertragsschluss wird für Ende Oktober erwartet. Ausserdem wurde eine eingehende Prüfung der Bücher (Due Diligence) vereinbart. Die gesamte Transaktion stehe noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Aufsichtsrates der Deutschen Telekom, des Board of Directors von France Telecom sowie der Genehmigung durch die entsprechenden Wettbewerbsbehörden, erklärten die Unternehmen. (dapd)

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