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Hohe Zigaretten-PreiseTabak-Firmen kassieren trotz Verboten ab

Die Raucher werden immer stärker zur Kasse gebeten. Die Tabakkonzerne reiben sich die Hände. Denn der Preisüberwacher kann nicht eingreifen.

von
Hans Peter Arnold
Glänzende Gewinne: British American Tobacco (BAT). Im Bild der Sitz von BAT Schweiz in Lausanne.

Glänzende Gewinne: British American Tobacco (BAT). Im Bild der Sitz von BAT Schweiz in Lausanne.

Der Tabakkonzern British American Tobacco (BAT) erhöht die Zigarettenpreise in der Schweiz um mindestens 20 Rappen pro Päckchen. Zu British American Tobacco gehören die Marken Lucky Strike, Pall Mall, Dunhill und HB. Auch andere Konzerne erhöhen regelmässig die Preise für Zigaretten. Analysten der Credit Suisse rechnen mit keiner Trendumkehr: Die Preise würden abgesehen von steuerlichen Belastungen jährlich um mindestens vier Prozent steigen.

Nicht nur die wachsenden staatlichen Abgaben sind dafür verantwortlich. Die gestiegenen Rohstoff-, Transport- und Produktionskosten sei der Grund für die Preiserhöhung, heisst es bei BAT. Die Produktionskosten seien in den letzten drei Jahren um je 2,6 Prozent gestiegen. «Zusätzlich zu den gestiegenen Produktionskosten ist das Unternehmen mit sinkenden Gewinnmargen konfrontiert, die aus dem verschärften Wettbewerbsumfeld resultieren,» so Sprecher Harry Landau.

BAT streicht 4,3 Milliarden Gewinn ein

Die Börse spricht jedoch eine andere Sprache. Die Aktionäre sind hocherfreut über das Vorgehen der Tabakkonzerne. So notiert derzeit die Aktie von BAT auf dem historischen Rekordhoch. Derzeit wird das Unternehmen von den Aktionären auf 68 Milliarden Franken bewertet. In den vergangenen sieben Jahren ist der Aktienkurs um 300 Prozent gestiegen. Aktienkurse reagieren sensibel auf Veränderungen von Margen sowie entsprechende Erwartungen. Offensichtlich sehen die Aktionäre keine Gefahr tieferer Profite. Im Gegenteil: Die Aktie ist auch nach der Kletterpartie im Verhältnis zum Milliarden-Gewinn moderat bewertet. Im vergangenen Jahr stieg der Gewinn von BAT um 15 Prozent auf 4,3 Milliarden Franken. Zudem garantiert BAT eine Dividende von über vier Prozent. Auch Japan Tobacco (Camel, Winston) und Imperial Tobacco (Gauloise, West) fahren hohe Gewinne ein.

Schweizer Preisüberwacher greift nicht ein

Analysten der Credit Suisse empfehlen mehrere Aktien aus der Tabakbranche zum Kauf. Sie würden sich durch eine hohe Preismacht auszeichnen. Der Schweizer Preisüberwacher sieht nämlich keine Möglichkeit zum Eingreifen. Der Schweizer Preisüberwacher, Stefan Meierhans, gegenüber 20 Minuten Online: «In der Schweiz besteht kein Tabakkartell mehr. Der freie Markt spielt. Deshalb kann und muss der Preisüberwacher nicht eingreifen.»

Zwar wurde die Branche in der Vergangenheit insbesondere in den USA durch Sammelklagen erschüttert. Inzwischen sind jedoch längst massive Rückstellungen vorgenommen worden. Auch schützen die unübersehbaren Warnhinweise vor neuen Klagewellen.

Marktverhältnisse werden zementiert

Pikanterweise spielen die Werbeverbote den dominierenden Herstellern in die Hände. «Werbeverbote führen nicht dazu, dass weniger Leute rauchen oder weniger Personen mit dem Rauchen beginnen, sondern sie stabilisieren lediglich die Marktverhältnisse und schützen die Monopolisten», heisst es bei der «Allianz gegen Werbeverbote», die dem Verband «Schweizer Werbung» (SW) angegliedert ist. Konkret: Firmen, die ihre Marktanteile gesichert haben, profitieren demnach von einem Werbeverbot.

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