Studie «Medienbudget»: Tablets lassen Medienkonsum boomen

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Studie «Medienbudget»Tablets lassen Medienkonsum boomen

Die Schweizer nutzen Medien immer stärker: Über fünf Milliarden Franken haben Leser 2010 für redaktionelle Inhalte gezahlt. Insbesondere iPad & Co. lassen die Zahlen in die Höhe schnellen.

Die grössten Userzahlen erreichen bekannte überregionale Medienmarken wie 20 Minuten Online.

Die grössten Userzahlen erreichen bekannte überregionale Medienmarken wie 20 Minuten Online.

20 Minuten

Ein Privathaushalt zahlte 2010 in der Schweiz durchschnittlich 2920 Franken für den Medienkonsum, wie der Verband «Schweizer Medien» in seiner Studie «Medienbudget» schreibt. Die Gesamteinnahmen stiegen um 2,1 Prozent auf 13,3 Milliarden Franken. Die Werbeeinnahmen betrugen 3 Milliarden Franken (plus 7,3 Prozent).

Von den 10,3 Milliarden Franken, die Privatpersonen insgesamt für Medien ausgaben, entfielen etwas mehr als die Hälfte auf redaktionelle Inhalte. Für Radio und Fernsehen (Gebühren und Geräte) wurden 3,4 Milliarden Franken gezahlt (plus 3,6 Prozent), für Computer und Telekommunikation 2,7 Milliarden Franken (plus 23,3 Prozent).

Weniger Bücher

Der Umsatz an den Kinokassen ist mit 234 Millionen Franken fast gleich hoch wie 2009 (minus 0,8 Prozent). Zwar wurden 3,5 Prozent weniger Billette verkauft. Der Jahresumsatz ging jedoch wegen höherer Eintrittspreise bei 3D-Vorstellungen bloss um 0,8 Prozent zurück.

Deutlich zurückgegangen sind dagegen die Ausgaben für Bücher (878 Millionen Franken, minus 3 Prozent) sowie für Musik, Videos und Spiele (1,36 Milliarden Franken, minus 5,1 Prozent).

Zeitungen: Auflagenrückgang durch höhere Preise kompensiert

Für 1,7 Milliarden Franken wurden Zeitschriften und Zeitungen gekauft. Die Erlöse aus Abonnementen stiegen um 1,3 Prozent auf 1,16 Milliarden Franken. Der Auflagenrückgang um 1 Prozent wurde kompensiert durch durchschnittlich 1,2 Prozent höhere Abo-Preise.

Der Einzelverkauf an Kiosken ging um 3,8 Prozent auf 573 Millionen Franken zurück. Der Umsatzrückgang war bei den inländischen und ausländischen Titel etwa gleich gross.

Mehr Zeitungsleser

Nach wie vor lesen über drei Viertel aller 14- bis 24-Jährigen Tageszeitungen. Gemäss der Studie gibt es in der Schweiz rund 5,5 Millionen Leserinnen und Leser von Tages-, Wochen- und Sonntagszeitungen.

Mindestens 4,7 Millionen Personen lasen im letzten Jahr mindestens eine Tageszeitung, 2,9 Millionen einen Titel der Wochenpresse und 2,8 Millionen eine SonntagsZeitung. Innert zehn Jahren stieg die Zahl der Leserinnen und Leser von Tageszeitungen um 12 Prozent. Bei den Wochenzeitungen betrug der Zuwachs 22 Prozent und bei der Sonntagspresse 26 Prozent.

Präsenz im Internet

Für die Medienhäuser sei eine Präsenz im Internet essenziell, heisst es in der Studie. Das Publikum bleibe ihren Print-Marken auch in der digitalen Medienwelt treu. Die grössten Userzahlen erreichen bekannte überregionale Medienmarken. Erfolgreich seien laufend aktualisierte oder eher unterhaltungsorientierte Websites.

Internet-Nutzer gaben 375 Millionen Franken für medienrelevante Downloads aus (plus 2,7 Prozent). Mittelfristig wollten einige Medienunternehmen die Hälfte ihrer Einnahmen mit digitalen Medien erreichen, hiess es an der Medienkonferenz.

(sda)

Kein zusätzliches Geld für Medien

Der Bundesrat will die staatliche Unterstützung der Schweizer Medien nicht ausbauen. Die Medien müssten die durch das Internet gestellten schwierigen Herausforderungen selber meistern.

Der Bundesrat sei sich bewusst, dass die Medien eine bedeutende Rolle für die Demokratie und die öffentliche Meinungsbildung spielten, heisst es in dem am Mittwoch verabschiedeten Bericht mit dem Titel «Pressevielfalt sichern».

Die Autoren des Berichts empfehlen, die Presse gezielter und selektiver zu fördern und den verbilligten Postversand der Mitgliedschaftspresse abzuschaffen oder einzuschränken. Sie schlagen auch vor, die Presse direkt zu unterstützen, etwa indem Projekte gefördert werden, welche zur Meinungsvielfalt beitragen.

Andere denkbare Massnahmen zur Medienförderung sind der Ausbau der Aus- und Weiterbildung von Medienschaffenden und Erleichterungen via Mehrwertsteuer. Der Bundesrat schliess auch eine direkte Medienförderung nicht aus. Dafür müsste aber eine Verfassungsgrundlage geschaffen werden.

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