Aktualisiert 11.08.2009 22:40

Rundumschlag gegen Schweizer Frauen«Tabubrecher» Kuhn entschuldigt sich nicht

René Kuhn hat auf seiner Webseite eine «persönliche Mitteilung» aufgeschaltet. Entgegen aller Erwartungen entschuldigte sich der Lokalpolitiker nicht, sondern sieht sich im Gegenteil als «Sprecher einer grossen schweigenden Gemeinschaft», der an ein Tabu gerührt hat.

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amc/pat

Die SVP genoss noch nie den Ruf, ein besonders modernes Frauenbild zu vertreten. Das kommt einerseits von der von traditionellen Familienwerten geprägten Politik, anderseits von verbalen Äusserungen von Exponenten. Neuestes Beispiel: René Kuhn. Nach seinem Rundumschlag gegen «linke, verlumpte Frauen» droht dem SVP-Präsidenten der Stadt Luzern der Parteiausschluss. Und ausserdem der Partei ein erneuter Imagesschaden. Das fürchtet zumindest die Junge SVP im Kanton Luzern.

«Die SVP ist nicht frauenfeindlich», schreibt die Jungsektion in einer Medienmitteilung. Die Berichterstattung über Kuhn suggeriere, dass die SVP ein frauenfeindliches Gedankengut vertrete. «Wir Jungen weisen diesen Verdacht in aller Schärfe zurück.» Zum Beweis will die JSVP am 29. August Rosen an die Luzerner Frauen überreichen.

«Die gesamten Medien haben sich auf mich eingeschworen»

René Kuhn hat derweil für Dienstagabend eine «persönliche Mitteilung» in Aussicht gestellt. «Nachdem sich die gesamte Medienlandschaft in der gesamten Schweiz auf mich eingeschworen hat und ich mit meinen privaten und persönlichen Äusserungen einen 'Sommer-Skandal' herbeigeführt habe, werde ich heute Abend eine persönliche Mitteilung auf dieser Internetseite veröffentlichen», schreibt er auf «www.kuhn-rene.ch». Eine erste Stellungnahme hatte Kuhn bereits am Dienstagmorgen veröffentlich, löschte diese aber umgehend wieder (20 Minuten Online berichtete).

Keine Entschuldigung

Kurz nach 21 Uhr folgte die angekündigte persönliche Mitteilung. Kuhn argumentiert, dass seine Website rein privat sei, «unabhängig von meinen politischen Ämtern». Bestärkt von vielen positiven Einträgen in Blogs und seinen persönlichen Mail, sieht sich Kuhn in seiner Meinung bestärkt, der «Sprecher einer grossen schweigenden Gemeinschaft zu sein und damit ein grosses Tabu gebrochen zu haben. Das Thema scheint angesichts der grossen Resonanz [...] schon längst fällig gewesen zu sein.» Kuhn sieht seinen Rundumschlag gegen Schweizer Frauen als einen mutigen Akt an. So fragt er sich weshalb soviele Menschen sich von seiner persönlichen Meinung betroffen fühlen. So fragt er rhetorisch: «Vielleicht weil ich etwas geschrieben habe, was viele denken, jedoch nicht zu sagen wagen?»

Kuhns Frau doppelte nach

Als ob dies nicht genug sei, packte Kuhns russische Frau Oxana auf Tages-Anzeiger.ch den verbalen Zweihänder aus: «Schweizer Frauen sind überhaupt nicht feminin. Sie vernachlässigen ihr Äusseres und ihre Weiblichkeit.» Ausserdem würden alle mit kurzen Haaren, in roten bequemen Männerschuhen und mit Rucksäcken herumlaufen. Sie könne alles bestätigen, was ihr Mann geschrieben habe. In der Schweiz sei es Norm, dass die Frauen wie Männer aussehen.

Politische Zukunft steht in den Sternen

Damit, ohne eine Entschuldigung, im Beharren auf seiner zuerst geäusserten Meinung, sieht seine politische Zukunft jedenfalls alles andere als rosig aus: Zwar stärkte die SVP der Stadt Luzern ihrem Präsidenten den Rücken, auf kantonaler und nationaler Ebene sorgte sein Schmähschreiben für Empörung. Nach seinen frauenfeindlichen Äusserungen sei Kuhn für die Partei nicht mehr tragbar, sagte der Präsident der Kantonalpartei, Nationalrat Josef Kunz. Rita Gygax, Präsidentin der SVP-Frauen doppelte nach: «Die Äusserungen von Kuhn sind jenseits von Gut und Böse». SVP-Nationalrätin Nathalie Rickli legte Kuhn im «Blick» sogar den Rücktritt nahe.

Kantonalpartei diskutiert die Sache

Die Parteileitung, der Kuhn ebenfalls angehört, wird sich am 20. August dem Fall annehmen und über die Sache entscheiden. Zuständig für den Ausschluss wäre aber die SVP der Stadt Luzern. Dort nimmt man die Affäre gelassen. Sekretär Urs Wollenmann sagte, es handle sich um Kuhns Privatmeinung. Massnahmen drängten sich keine auf.

«Wir wollen nicht der anderen Seite einen Gefallen machen», sagte Wollenmann weiter und spricht von «Gesinnungsterror». Mit der anderen Seite meint Wollenmann die SP. Diese hatte am Montag auf Kuhns Text im Internet hingewiesen. Linke und grüne Frauen würden Kuhn nach diesen Äusserungen definitiv nicht mehr ernst nehmen, schrieb die SP. Sie erwartet von der SVP Konsequenzen.

Stadtzuger SVP hat Verständnis

Verständnis für René Kuhn zeigte die SVP der Stadt Zug. Die Äusserungen Kuhns seien zwar polemisch, aber Polemik könne dort notwendig sein, wo die Wahrheit systematisch zugeschüttet werde, heisst es in einer Mitteilung vom Dienstag. Wenn sie dazu führe, den gedankenlos gepredigten Feminismus zu hinterfragen, dann sei diese Polemik nicht umsonst gewesen. (amc/pat/sda)

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