Serbien: Tadic bestätigt Verhaftung Mladics
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SerbienTadic bestätigt Verhaftung Mladics

Der wegen Kriegsverbrechen angeklagte ehemalige Militärchef der bosnischen Serben, Ratko Mladic, wurde in Serbien gefasst. Seine Auslieferung nach Den Haag kann bis zu einer Woche dauern.

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amc/mdr/sda

Der wegen Kriegsverbrechen gesuchte Ratko Mladic ist am frühen Donnerstagmorgen in Serbien verhaftet worden. Das bestätigte der serbische Präsident Boris Tadic an einer kurzfristig anberaumten Medienkonferenz am Mittag in Belgrad. Nach Angaben des serbischen Justizministeriums kann das Verfahren zur Auslieferung von Ratko Mladic an das UNO-Tribunal in Den Haag bis zu einer Woche dauern.

Die Dauer des Verfahrens hänge davon ab, ob Mladic gegen eine Überstellung Rechtsmittel einlege, sagte Serbiens stellvertretender Staatsanwalt zur Ahndung von Kriegsverbrechen, Bruno Vekaric, am Donnerstag.

Der Staatssekretär im Justizministerium, Slobodan Homen, sagte, Mladic werde derzeit einem Untersuchungsrichter vorgeführt, der ihm die gegen ihn erhobenen Vorwürfe verlesen werde. Der Richter verhängt dann eine Untersuchungshaft von 48 Stunden und ordnet die Überstellung Mladics nach Den Haag an.

Mladic hat dann drei Tage Zeit Widerspruch einzulegen, wovon auszugehen ist. sollte er dies nämlich nicht tun würde er Stunden später ausgeliefert. Bei Widerspruch Mladics fällt das Gericht dann seinen endgültigen Entscheid und der Justizminister wird den Beschluss zur Überstellung des 69-Jährigen unterschreiben.

Historische Festnahme

Mit der Festnahme werde ein schlimmes Kapitel der serbischen Geschichte geschlossen, so der serbische Präsident Boris Tadic: «Mit dieser Aktion ist bestätigt, dass die Republik Serbien vollkommen mit dem Haager Tribunal zusammenarbeitet.» Er wolle nicht spekulieren, ob es nun zu Unruhen kommen werde. «Ich erwarte aber keine politischen Instabilitäten nach dieser Verhaftung.»

Mladic wurde laut Medienbericht in Lazarevo bei Zrenjanin gefasst, rund 70 Kilometer von der serbischen Hauptstadt Belgrad entfernt. Die Verhaftung führte der serbische Geheimdienst BIA am Donnerstagmorgen in einer geheimen Aktion durch. Der Tipp ging von einer anonymen Quelle ein. Diese Person hatte Dokumente, die Ratko Mladic gehörten, bei Milorad Komadic gesehen. Zudem gleichen sich offenbar diese beiden Männer. In Zrenjanin werde das Haus eines Verwandten, möglicherweise der Ort der Verhaftung, durchsucht, hiess es Donnerstagmittag.

Offiziell wurde der Ort der Verhaftung nicht bestätigt. Wo, wie oder wann genau Mladic verhaftet wurde, werde nicht mitgeteilt, sagte Tadic vor den Medien. Es sei wichtig, dass erst die serbischen Behörden alle Details der Aktion untersuchen und sollte es dann nötig sein, werde man die Umstände bekanntgeben. Er beendete die Medienkonferenz nach Nachhaken der Journalisten mit den Worten: «Keine weiteren Fragen.»

Anfangs waren nicht alle Zweifel über Mladics Identität ausgeräumt. Die serbischen Behörden führten daraufhin einen DNA-Test durch. Der Verhaftete befindet sich derzeit offenbar in Gewahrsam des serbischen Geheimdienstes BIA. Vor dem Gebäude des Geheimdienstes ist es ruhig. Es gibt keine Anzeichen von Demonstrationen oder zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen. Allerdings wurde einigen Medienleute die ID abgenommen. Einen möglichen Grund nannte «Blic» nicht.

Bericht des Haager Anklägers

Am Donnerstagvormittag war zudem ein Bericht des Anklägers Serge Brammertz an den US-Sicherheitsrat bekannt geworden, in dem es heisst, die Anstrengungen Serbiens zur Festnahme Mladics und anderer Verdächtiger seien «unzureichend». Dies untergrabe die «Glaubwürdigkeit und die Stärke» des Engagements Belgrads, vollständig mit dem Tribunal zu kooperieren. Am Donnerstag findet zudem auf der Insel Brioni eine Konferenz statt, an welcher Serge Brammertz, Chefankläger von den Haag, und Vladimir Vukcevic, der zuständige serbische Staatsanwalt für Kriegsverbrechen, teilnehmen.

Tadic bestritt, dass es eine zeitlichen Verbindung zur Verhaftung von Mladic gebe. «Wir timen eine Verhaftung nicht, wir haben immer alles getan, um ihn zu finden. Nun hat es geklappt», sagte er. Die Verhaftung sei nicht das Ende der Untersuchungen zur Flucht und zum Versteckspiel von Ratko Mladic. «Wir werden die Untersuchungen fortsetzen und herausfinden, wer Ratko Mladic geholfen hat, sich zu verstecken», so Tadic.

Tadic sagte vor den Medien, Serbien erwarte jetzt als Gegenleistung für die Verhaftung Mladics einen zügigen EU-Beitritt. «Ich hoffe, dass jetzt die Türen offen stehen», sagte der serbische Präsident. «Wir haben gezeigt, dass wir Europa wollen und alles dafür tun, unser Ansehen in der öffentlichen Meinung zu verbessern.»

Verantwortlicher für Srebrenica

Mladic war im Bosnienkrieg 1992 bis 1995 Chef der bosnisch-serbischen Armee. Er wird wegen Kriegsverbrechen gesucht. Insbesondere gilt Mladic als Hauptverantwortlicher für das Massaker von Srebrenica. Dabei wurden im Juli 1995 gegen 8000 muslimische Jungen und Männer ermordet. Zudem legt ihm das Tribunal in Den Haag die 44-monatige Belagerung Sarajevos mit rund 10 000 Toten zur Last.

Mladic befand sich seit Jahren auf der Flucht. Dabei soll er auch Unterstützung des serbischen Militärs erhalten haben. Zudem wurde vermutet, dass der Geheimdienst ihn decken könnte. Für die Gerüchte gibt es bisher keine Beweise. Boris Tadic kündigte an, dass die Verhaftung nicht das Ende der Untersuchungen zur Flucht ist. «Wer Ratko Mladic geholfen hat, sich zu verstecken», sagte Tadic, «werden wir weiter Untersuchen.» (amc/mdr/sda/dapd)

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