Tadic gewinnt serbische Wahlen

Aktualisiert

Tadic gewinnt serbische Wahlen

Der prowestliche Amtsinhaber Tadic hat die Präsidentschaftswahl in Serbien hauchdünn gewonnen. Sein ultranationalistischer Herausforderer räumte seine Niederlage ein. Die EU reagiert erleichtert.

Laut Hochrechnungen des unabhängigen Zentrums für Freie Wahlen und Demokratie (CeSID) und des staatlichen Fernsehens kam Tadic auf etwa 51 Prozent der Stimmen und Nikolic auf 47 Prozent.

«Serbien hat sein grosses demokratisches Potenzial gezeigt», sagte Tadic in seiner Siegesansprache. Nikolic gratulierte seinem Gegner und kündigte an: «Ich werde weiterhin seine harte Opposition sein.» Die EU reagierte erfreut auf Tadics Wahlsieg. Die Europäische Union «begrüsst die Tatsache, dass das serbische Volk offenbar seine Unterstützung für dem demokratischen und europäischen Kurs seines Landes bestätigt hat», hiess es in einer Erklärung.

Tadic hatte sich bei seiner Stimmabgabe optimistisch gezeigt. «Serbien bewegt sich zweifellos auf eine Mitgliedschaft in der Europäischen Union und ein besseres Leben zu», erklärte er. Das Volk werde sich für den Weg nach vorn entscheiden und gegen einen Rückfall in die Isolation. Nikolic erklärte, Russland sei derzeit für Serbien «ein engerer Partner als die EU».

Der Ausgang der Wahl sollte darüber entscheiden, wie Serbien auf eine von beiden Kandidaten abgelehnte Unabhängigkeitserklärung des Kosovos reagieren wird: Tadic hat als Parteichef der Demokratischen Partei (DS) den Einsatz militärischer Mittel ausgeschlossen und will sich weiter um gute Beziehungen zur EU bemühen. Mehrere EU-Staaten haben signalisiert, dass sie die für diesen Monat erwartete Unabhängigkeitserklärung des Kosovos anerkennen wollen. Nikolic dagegen hat sich dafür ausgesprochen, die Bemühungen um einen EU-Beitritt einzustellen. «Es gibt keine EU für uns, wenn sie uns unser Kosovo wegnehmen», sagte der Politiker der Serbischen Radikalen Partei (SRS).

Nikolic war während des Kosovo-Kriegs der NATO 1999 stellvertretender Ministerpräsident unter Slobodan Milosevic. Nach dem Krieg mit 78-tägigen Luftangriffen auf Serbien wurde der Kosovo unter internationale Verwaltung gestellt. Der Parteichef der SRS, Vojislav Seselj, muss sich gegenwärtig vor dem Haager Tribunal wegen Kriegsverbrechen verantworten. Ein Sieg Nikolics hätte auch die Hoffnungen gedämpft, dass die wegen Kriegsverbrechen gesuchten Flüchtlinge Ratko Mladic und Radovan Karadzic in absehbarer Zeit festgenommen und nach Den Haag gebracht werden können.

Tadics Demokratische Partei spielte beim Sturz Milosevics im Jahr 2000 eine Schlüsselrolle. Tadic wurde 2004 Präsident, als er Nikolic in einer Stichwahl schlagen konnte. (dapd)

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