Überraschender Befund: Täglich Sonnencreme auftragen bringt nichts
Aktualisiert

Überraschender BefundTäglich Sonnencreme auftragen bringt nichts

Je öfter man Sonnencreme aufträgt, desto besser ist der Schutz vor Hautkrebs, heisst es. Eine Studie widerspricht. Kann das sein? Wir haben Experten befragt.

von
F. Riebeling
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Macht es einen Unterschied, ob man Sonnencreme jeden Tag verwendet oder nur dann, wenn man ein Sonnenbad plant? Dieser Frage sind kolumbianische Forscher in einer Studie nachgegangen.

Macht es einen Unterschied, ob man Sonnencreme jeden Tag verwendet oder nur dann, wenn man ein Sonnenbad plant? Dieser Frage sind kolumbianische Forscher in einer Studie nachgegangen.

Flickr.com/Joe Shlabotnik/CC BY 2.0
Ihr Fazit: Für die Entstehung von weissem Hautkrebs macht es keinen Unterschied, ob Sonnencreme täglich oder nur hin und wieder aufgetragen wird. Welchen Einfluss Sonnencreme auf die Entwicklung von schwarzem Hautkrebs hat, wurde hingegen nicht untersucht.

Ihr Fazit: Für die Entstehung von weissem Hautkrebs macht es keinen Unterschied, ob Sonnencreme täglich oder nur hin und wieder aufgetragen wird. Welchen Einfluss Sonnencreme auf die Entwicklung von schwarzem Hautkrebs hat, wurde hingegen nicht untersucht.

Colourbox.com
Es ist laut Schweizer Dermatologen nicht das einzige Manko der Studie. Neben der «falschen Fragestellung» kritisieren sie auch die geringe Probandenzahl (1621 Australier) sowie den zu kurzen Beobachtungszeitraum von 4,5 Jahren. «Bis sich Hautkrebs entwickelt, dauert es Jahre. Dementsprechend lang müssen auch die Studien dauern», sagt Stephan Lautenschlager, Chefarzt am Dermatologischen Ambulatorium des Stadtspitals Triemli Zürich.

Es ist laut Schweizer Dermatologen nicht das einzige Manko der Studie. Neben der «falschen Fragestellung» kritisieren sie auch die geringe Probandenzahl (1621 Australier) sowie den zu kurzen Beobachtungszeitraum von 4,5 Jahren. «Bis sich Hautkrebs entwickelt, dauert es Jahre. Dementsprechend lang müssen auch die Studien dauern», sagt Stephan Lautenschlager, Chefarzt am Dermatologischen Ambulatorium des Stadtspitals Triemli Zürich.

Keystone/Martin Ruetschi

So schön Sonnenschein auch ist: Er birgt auch Gefahren. So können Sonnenstrahlen zu Sonnenbrand und im schlimmsten Fall zur Entwicklung von Hautkrebs führen (siehe Box 1). Deshalb raten Dermatologen Sonnenanbetern, freiliegende Hautpartien regelmässig mit Sonnencreme einzuschmieren.

Ob das aber wirklich etwas bringt, zweifeln nun kolumbianische Forscher an: Das Team um Ingrid Arévalo Rodríguez und Guillermo Sánchez vom Instituto de Evaluación Tecnológica en Salud in Bogotá hat keinen Hinweis darauf gefunden, dass der tägliche Einsatz von Sonnencreme besser vor Hautkrebs schützt, als wenn sie nur vor dem Sonnenbad aufgetragen wird.

Alte Daten neu ausgewertet

Für die Studie haben die Forscher eine bereits existierende Untersuchung neu ausgewertet. In diese waren die Daten von 1621 Australiern eingeflossen, die sich viereinhalb Jahre lang regelmässig auf Hautkrebs hatten untersuchen lassen. Manche von ihnen schmierten sich täglich mit Sonnenschutzmitteln ein, andere nur hin und wieder.

Die Probanden waren gut gewählt, denn in kaum einem anderen Land gibt es so viele Hautkrebsfälle wie in Australien.

Selbstkritische Forscher

Das Ergebnis: Für die Entstehung von weissem Hautkrebs scheint es keine Rolle zu spielen, ob Sonnencreme täglich oder nur hin und wieder aufgetragen wird, wie das Fachjournal «Cochrane Review» berichtet. In beiden Gruppen entwickelten etwa gleich viele Personen weissen Hautkrebs. Welchen Einfluss Sonnencreme auf die Entwicklung von schwarzem Hautkrebs hat, wurde hingegen nicht untersucht.

Diese Auslassung wird auch von den kolumbianischen Wissenschaftlern als Manko bezeichnet, genauso wie die geringe Zahl an Probanden. Aufgrund der dünnen Datengrundlage empfehlen sie weitere Untersuchungen zu diesem Thema: «Möglicherweise kommen künftige Studien zu einem anderen Ergebnis», schreiben sie.

Schweizer Dermatologen üben Kritik

Mit ihrer kritischen Haltung gegenüber dem Resultat stehen die Kolumbianer nicht allein da.

Stephan Lautenschlager, Chefarzt am Dermatologischen Ambulatorium des Stadtspitals Triemli Zürich, hält die Studie allein schon vom Ansatz her für nicht aussagekräftig: «Bis sich Hautkrebs entwickelt, dauert es ein paar Jahre. Entsprechend lang müssen auch die Studien dauern», so der Experte. «Ein Beobachtungszeitraum von viereinhalb Jahren ist ungenügend.» Diese Meinung vertritt auch Peter Itin, Chefarzt der Dermatologie und Leiter des Hauttumorzentrums des Universitätsspitals Basel.

Sonnenbrand als «biologische Katastrophe»

Und auch Severin Läuchli, Leiter der Dermatochirugie am Universitätsspital Zürich, sieht die Untersuchung kritisch: «Die Fragestellung der Studie ist nicht das, was uns im Zusammenhang mit der Prävention von Hautkrebs interessiert.» Vor allem, da die Frage nach dem Anwendungsschema auch immer vom Patienten abhänge.

«Für viele Leute ist es einfach praktischer, sich regelmässig einzucremen, weil es dann zur Gewohnheit wird und der Sonnenschutz so sicher nicht in Vergessenheit gerät», sagt der Experte. Andere bestünden darauf, Sonnencreme nur im Ernstfall zu nutzen. «Das ist auch okay, solange sie sie rechtzeitig vor dem Sonnenbad auftragen.»

Aus Sicht von Peter Itin reicht das jedoch nicht aus: «Wichtig ist, dass man sich nach dem Auftragen von Sonnencreme nicht in falscher Sicherheit wiegt und sich der Sonne umso mehr aussetzt. Ein Sonnenbrand ist eine kleine biologische Katastrophe und muss unbedingt vermieden werden.»

Weisser und schwarzer Hautkrebs

Weisser Hautkrebs ist in der Schweiz die häufigste Krebsart. Jährlich erkranken etwa 13'000 Menschen daran. Drei Viertel erhalten die Diagnose Basalzellkarzinom (oder Basaliom), ein Viertel hat ein Spinalzellkarzinom, auch Spinaliom oder Plattenepithelkarzinom genannt.

An schwarzem Hautkrebs (Melanom) – erkranken jährlich etwa 2000 Menschen in der Schweiz. Schwarzer Hautkrebs kann rasch wachsen und lebensbedrohlich werden. Pro Jahr sterben mehrere hundert Personen daran.

(Bild: Keystone)

So schützt man sich vor der Sonne

Was muss ich beachten, damit ich beim Gang in die Sonne keine Risiken eingehe? Das sind die Tipps der Krebsliga Schweiz:

Schatten: Zwischen 11 und 15 Uhr sollte man im Schatten bleiben. Aber aufgepasst: Auch Schatten schützt nicht immer vor indirekter Strahlung durch reflektierende Flächen wie Sand, Beton oder Schnee, oder vor seitlich einfallender Strömung.

Kleidung: Mit Kleidern bedeckte Stellen bleiben den ganzen Tag über konstant geschützt. Wer zudem einen Hut mit breiter Krempe trägt, kann Stirn, Nase, Ohren und Nacken schützen.

Sonnenbrille: Zu viele UV-Strahlen schaden nicht nur der Haut, sondern auch den Augen. Beim Kauf der Brille auf das CE-Zeichen und den Vermerk «100% UV» achten.

Sonnenschutzmittel: Sollte als Ergänzung zum Tragen von Kleidung und dem Aufenthalt im Schatten eingesetzt werden. Doch auch Schutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor sind kein Freipass für einen unbeschränkten Aufenthalt in der Sonne.

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