Aktualisiert 17.11.2015 16:26

Dr. MuscleTägliches Training lohnt sich für Schwangere

Während der Schwangerschaft hören viele mit Sport auf. Dr. Muscle erklärt, wieso sich das Training aber genau dann auszahlt.

von
gss
Wer sich während der Schwangerschaft oft bewegt, erholt sich auch nach der Geburt schneller.

Wer sich während der Schwangerschaft oft bewegt, erholt sich auch nach der Geburt schneller.

Schwangere profitieren von Training

Es gilt als wissenschaftlich gefestigte Erkenntnis, dass Frauen, die während der Schwangerschaft trainieren, von vielen positiven gesundheitlichen Effekten profitieren, so zum Beispiel:

• Allgemein gesteigerte Fitness

• Reduktion einer übermässigen Zunahme der Körpermasse

• Bessere Erholung nach der Geburt

• Reduziertes Risiko für Schwangerschaftsdiabetes

Teilweise auf diesen Erkenntnissen basierend, empfiehlt die amerikanische Fachgesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (American College of Obstetricians and Gynecologists, ACOG) gesunden schwangeren Frauen, die frei von Komplikationen sind, tägliches Training von mindestens 30 Minuten Dauer bei moderater Intensität. Auch das amerikanische Gesundheitsministerium (U.S. Department of Health & Human Services) gibt ähnliche Empfehlungen ab: Pro Woche wenigstens 150 Minuten körperliche Aktivität bei moderater Intensität während der Schwangerschaft und nach der Geburt.

In aktuell laufenden Studien versucht man herauszufinden, wie die Art und Stärke der gesundheitlichen Vorteile von der Trainingsart (z. B. Ausdauertraining, Krafttraining etc.) und -intensität abhängig ist und ob es im Hinblick auf die Trainingseffekte in der Schwangerschaft eine optimale Mischung von Aktivitätsformen gibt.

Früh übt sich – auch beim Training

Es ist erstaunlich, dass trotz der breit abgestützten

wissenschaftlichen Datenlage, wonach Training in der Schwangerschaft bei gesunden Frauen ohne Komplikationen sicher und gesundheitsfördernd ist, nur etwa 15 Prozent der schwangeren Frauen den oben genannten Empfehlungen folgen (Daten aus Amerika). Als Gründe für das fehlende regelmässige Training werden Empfindungen wie Unwohlsein, Müdigkeit und Krankheit angegeben sowie eine mangelnde Freude am Training. Zudem schätzen viele Schwangere Ruhe und Entspannung im Vergleich zu Bewegung als wichtigere Faktoren ein.

Um den prozentualen Anteil an körperlich aktiven schwangeren Frauen zu erhöhen, empfiehlt es sich daher am besten, bereits vor der Schwangerschaft bzw. früh im Leben mit Training und Sport zu beginnen. Dann fällt es wahrscheinlich auch leichter, diese Lebensweise während der Schwangerschaft so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Zudem dürften auch neue Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen mütterlichem Lebensstil während der Schwangerschaft und der zukünftigen Gesundheit des Nachwuchses einen Motivationsschub mit sich bringen. Neuere wissenschaftliche Arbeiten zeigen nämlich, dass die Babys im Mutterleib sozusagen mittrainieren und dass dadurch ihre Gesundheit im späteren Leben positiv beeinflusst wird. Dazu mehr in der nächsten Kolumne.

Dr. sc. nat. Marco Toigo befasst sich im Rahmen seiner universitären Forschungsarbeit im Labor für Muskelplastizität der Universitätsklinik Balgrist mit den Mechanismen des Muskelaufbaus und -abbaus. Nebst seiner Forschungstätigkeit ist er als ETH-Dozent für Muskel- und Sportphysiologie sowie als Buchautor tätig. Er verfügt zudem über jahrelange Erfahrung in der Ausbildung von Fitnesstrainern und der Instruktion und Betreuung von Trainierenden.

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